»Du, Klara?«

Er sah sie groß an, sein Herz war voll Dankbarkeit, denn er war es nicht gewohnt, daß man sich viel um ihn kümmere.

Wie zierlich kräuselten sich nicht ihre braunen Haare unter dem weißen Latz der Kappe hervor. Wie still und friedvoll sah sie aus.

»Ich dachte, Klara,« hob er mit einem schweren Entschluß an, »du würdest — gar nich mehr kommen,« wollte er sagen, aber es fiel ihm ein, daß es wohl besser wäre, alle Erinnerung an das Gewesene zu unterdrücken, und so gab er ihr denn ernsthaft die Hand und fragte nur: »Klara, ich wollt' fragen, wie geht es dir da bei all den Kranken? Is das nich zu schwer für dich?«

Da ging ein Lächeln über das Gesicht, von dem er fand, daß es die schönen, roten Farben verloren hätte, und die blauen Augen leuchteten, als sie zur Antwort gab: »Hann, ich weiß gar nicht, wie andere das eine Arbeit nennen können. Mir nämlich ist es so, als wenn mir nun erlaubt wäre, beständig in der Kirche zu wohnen.«

»In der Kirche, Klara? — Wird denn dort gebetet?«

»Das auch, Hann. Viele beten da, und ganz anders, als die Gesunden beten. Wenn du das einmal hören könntest. Aber das ist es nicht allein. Aber wenn man so neben den Schwerkranken sitzt, die von den Ärzten bereits aufgegeben wurden, und bei denen nun alles von der Hilfe des lieben Gottes abhängt, und wenn man nun sieht, wie bei dem einen alles Sträuben nichts nützt und alles Hoffen, und wie plötzlich eine höhere Macht an dem Bett steht und den Kopf schüttelt, o Hann, das ist, als sollte einem das Herz erfrieren vor Hilflosigkeit und Ehrfurcht. Aber dann wieder das andere, sobald das Unmögliche geschieht, und es kommt in die halb gebrochenen Augen, die schon in den Himmel sahen, wieder Licht, und man merkt ordentlich, daß da etwas sein müsse, was durch die vertrockneten Lippen Leben eingießt, Hann, ich kann dir nicht beschreiben, welche Freude dann in solch kleines Zimmer dringt. Man meint förmlich, aus der Ferne Engelsgesang zu hören und horcht darauf, ob man nicht den Tritt des lieben Gottes spüren könnt'.«

Bei diesen Worten lächelte die Krankenschwester ganz glücklich, und ihre Augen strahlten, als ob sie in einen nahen, friedvollen, sonnenbeschienenen Garten sähen.

Bewundernd, halb neidisch, blickte Hann auf sie hin. Dann sagte er einfach: »Wie fromm du bist.«

»Das ist nicht fromm, Hann, das hab' ich doch alles erlebt.«