Das aber war Line gerade recht.

Ihre Zeit rückte näher und näher, und damit die Sucht, sich zu verkriechen; jedes fremde Gesicht zu vermeiden, und den Kopf zu stützen und nachzusinnen.

Das war ihr etwas ganz Neues.

Früher war sie Genuß suchend durch die Welt gelaufen, und die Erde lag im Morgenrot — nun war es finster geworden, Fledermäuse flogen. Das waren ihre Gedanken, die sich die Welt zu erklären suchten. Da wurde ihr allmählich Hann, der des dunklen Winters wegen fast immer daheim hockte —, kimmerischer Dämmerung wegen, die über dem Ostmeer braut, — da wurde ihr die plumpe Gestalt, die verkrümmt auf dem Stuhl hing, riechende Netze in der Hand, da wurde ihr der Nachdenkliche allmählich ein Schatz.

Dunkler und schneedämmeriger wurden die Tage, düsterer und drängender wurden die Stunden. Lines Trotz hielt nicht mehr vor; wenn sie so in einer Ecke kauerte, dann stieg es plötzlich vor ihr auf und griff nach ihr. — Angst — Angst — Furcht, Grauen vor dem Lebenden, das in ihr war, und zu dem sie sich nicht gerüstet fühlte.

Dann wirft sie plötzlich die Hand vor. Ihre Stimme schwankt vor Schrecken: »Hann, bist du noch da?«

»Ja, Lining, ich bin hier.«

»Dann steck' Licht an, Hann.«

Hann erhebt sich, tastet herum, kurz darauf zuckt von dem schmalen Tisch die gelbe Flamme der Kerze auf. Schwankende Schatten huschen herum.