Und der Teufel riß Line weiter aus dem Bett hervor und stieß ihr die Decke fort, so daß der Mann draußen sie sah, wie er den schönen weißen Leib noch nie geschaut. Noch niemals ein Weib.
Da schlug die Flut des Bösen schallend in sein Herz, das bis dahin eine Kirche war, und Altar und Orgel versanken, und die Glocken klangen aus den schwarzen Wassern nicht mehr hervor. Ja, und morgen schon wollte er den Brief verbrennen, und dann wollte er bei dem Weib in der Kammer hausen, das ihm gebührte, ihm allein — — und —
»Lining?«
»Herr Gott!«
Was schrillte dort drinnen für ein heiserer Schrei?
Das Rouleau wurde herabgerissen, der Lichtschein schwand. Überall Dunkelheit. Aber nein, da und da — überall auf der Mole feurige Punkte, Laternen. Auf dem Leuchtturm plötzlich weithin grellendes Notfeuer! In blutiger Helle blitzen, von dem Scheinwerfer getroffen, da und dort Küstenstriche auf. Aber nein, das ist ja keine Küste mehr, was schiebt sich dort vor? Was zischt so? —
»Hann, Hann,« ruft Frau Fieks Stimme oben aus der Bodenluke. Verworrene Stimmen aus dem Dorf schreien dazwischen, sie dringen näher, sie eilen wieder fort. Und nun über die Dächer fort vom Kirchturm Glocken. — Wie das dröhnt und wimmert. Und vom Meer stöhnt das Nebelhorn eines Schiffes, das dort in Not sein muß.
»Gut — ganz gut.«
Hann rührt sich nicht. Lang ausgestreckt liegt er auf dem Kiel und hat die Bootsrippen umklammert und beißt die Zähne zusammen. Nein, er rettet nichts. Da er dieses schöne Weib, das er eben gesehen, von deren Anblick ihm das Blut summt, nicht behalten soll, dann mag das Wasser nun ruhig alles holen.
Ganz ruhig.