»Weil du nicht genug gelernt hast,« erklärte er begütigend und erhob sich, um sie mit fortzuziehen. »Aber, das schadet ja auch nicht, Liebling. Wenn man so hübsch ist wie du. — Komm.«

Halb im Taumel ließ sie sich von ihm leiten. Alles summte in der aufwachenden Seele durcheinander, die Liebesworte und der Goldklang. Und immer wieder, fast bettelnd, suchte sie den Großen davon zu überzeugen, wie sie am Ende doch nicht so wenig gelernt hätte. Dabei ergab sich, daß sie die unregelmäßige Dorfschule monatelang überhaupt nicht gesehen, ja, wie dies dem alten verbummelten Lehrer Toll nicht einmal als etwas Besonderes aufgefallen wäre.

Spitzbübisch wollte sie die Lippen bei dem losen Streiche spitzen. Doch ganz ohne Übergang fuhr sie zusammen und begann laut vor sich hinzuschluchzen.

»Herrgott, Lining, was weinst du?«

»O nichts!«

Damit schüttelte sie sich die Tränen ab und warf ihr Köpfchen kräftig in den Nacken.

»Ich kann nicht reich werden, ich hab' nicht genug gelernt,« ging es durch ihre Gedanken. Und dann blickte sie wieder mit heimlichem Neid auf ihren Gefährten, der nun bald in diesen goldenen Gärten spazierengehen würde.

Plötzlich griff sie in der Dunkelheit heftig nach seiner Hand, und beinahe zornig stürzte es aus ihr heraus: »Sag' mal, kommst du nun bei Hollander auch mit lauter solchen Menschen zusammen, die was gelernt haben?«

Das bejahte er. Lachend über ihre kindliche Wut, und geschmeichelt, daß sie ihn augenscheinlich gleich einem höheren Wesen verehre.

Nun standen sie vor der Brücke. Unten gurgelte und sang der Fluß, vom jenseitigen Ufer blinkten die erleuchteten Fenster der Krugwirtschaft herüber. Und da! — Was war das?