Hor. art. poet.
Es gilt hier eine Art eines gewissen Betrugs. Man hintergehe seine Zuhörer. Man mache ihnen zu gantz andern Dingen Hofnung, und ehe sie sichs versehen betrüge man sie. Man sage ihnen das nicht worauf sie gewartet, sondern vielmehr den Schertz, den sie nicht erwartet. Cicero steht in den Gedancken, als wenn das Vergnügen, so aus einem solchen Betruge bey dem Zuhörer entsteht, daher rühre, weil uns unser eigener Irrthum belustiget. Ich bin gantz anderer Meinung. Ein Irthum bleibt eine Unvollkommenheit, die uns nicht belustigen kan, in so fern sie ein Irthum ist. Der Irthum macht nur, daß uns der Spaß gantz unerwartet und unvermuthet vorgetragen wird, und das ists was uns bey demselben gefält.
§. 63.
Wer also im Schertzen glücklich seyn will, muß sichs durchaus vorher nicht mercken lassen, daß er spassen will. Ich rede nicht von einem Fehler, den man ohnedem selten antrift. Ich meine, wenn es jemand vorher sagen wolte, daß er schertzen wolte. Wer seinen Schertz mit ausdrücklichen Worten ankündiget, kan nicht schertzen, und begeht einen abgeschmackten Fehler. Sondern ich bemercke hier einen Fehler der häufiger ist. Man kan es manchem spaßhaften Kopfe schon zum voraus ansehen, daß er spassen will. Er gewöhnt sich gewisse Gesichtszüge an, die jederzeit vor seinem Schertze vorhergehen. Er kan nicht eher spassen, ehe er nicht sein Gesicht in gewisse dazu ausgesuchte Falten gelegt hat. Sie mögen beschaffen seyn wie sie wollen, so wird der Schertz dadurch verdorben, wenn der Zuhörer daher den Schertz prophezeyen kan. Ich rechne dahin den Fehler, wenn ein schertzhafter Kopf sich erst vorher selbst satt lacht, ehe er andere zu lachen machen will. Ein solcher Mensch verdirbt seinen gantzen Spaß, wenn er die Früchte desselben selbst vorher einerntet, und die Zuhörer haben keine Ursach seinen Spaß zu belohnen, weil er sich die Bezahlung für seine Mühe selbst genommen hat. Vorher muß niemand lachen. Ob man aber bey dem Schertze, oder nachher, auch lachen dürffe, will ich unten beurtheilen. Genug, daß ich erwiesen habe, ein schertzhafter Kopf müsse sichs vorher durch nichts, was es auch sey, mercken lassen, daß er schertzen wolle.
§. 64.
Aus dem vorhergehenden ist klar, daß die Schertze, wenn sonst das übrige seine Richtigkeit hat, gerathen müssen, welche Zuhörern vorgetragen werden, die mit vielen ernsthaften Gedancken beschäftiget sind. Das ernsthafte ist ja dem schertzhaften entgegen gesetzt, und ein schertzhafter Kopf der diese Gelegenheit ergreift, folgt der Regel des Horatz
Misce stultitiam consiliis breuem.
Carm. L. III. od. XII.