und bringt seinen Spaß mitten unter Vorstellungen vor, die von gantz verschiedener Art sind. Geht seine Geschicklichkeit noch weiter, und kan er mitten unter betrübten und traurigen Gedancken schertzen, so erhält sein Spaß noch eine grössere Schönheit von dieser Seite. Die Verminderung der Traurigkeit ist immer was angenehmes, und die Lust die eine Betrübniß verdrengt, oder mindert, ist durchdringender. Ein Schertz der dergestalt vorgetragen wird daß er
- - - - amara laeto
temperet risu - -
Hor. Carm. L. II. od. XVI.
muß viel angenehmer seyn, als ein anderer, wenn er anders nicht aus einem leichtsinnigen und fladderhaften Gemüth entsprungen. Ein Mensch der alsdenn schertzen kan, wenn ihm ein Glied abgelößt wird, muß gewiß einen sehr lebhaften und starcken Witz besitzen. Das, deucht mich, ist der Grund, warum diejenigen Köpfe, die in ihrer Todes Stunde noch gespaßt haben, als witzige Köpfe bewundert werden. Socrates, Adrian der Kayser, Margaretha von Oesterreich, und andere, geben hier, wenn man den Erzählungen von ihnen glaubt, Exempel an die Hand.
§. 65.
Wenn ernsthafte Gedancken in der Seele die Oberhand haben, so muß das Gesicht natürlicher Weise ernsthafte Züge behalten. Herrschen aber die schertzhaften Gedancken, so muß man sich mit Gewalt zwingen, das Lachen zu verbeissen. Ein Mensch, der bey dem Vortrage seines Schertzes, gar keine Ernsthaftigkeit behält, beweißt also, daß der Schertz in seiner Seele herrsche. Folglich hat er nicht diejenige Vollkommenheit seines Witzes, vermöge welcher er, mitten unter starcken Gedancken von anderer Art, schertzen kan, und er macht dadurch seinen Schertz matter. Wer recht glücklich schertzen will, bey dem muß mitten im schertzen die Ernsthaftigkeit in der Seele, und in dem Gesichte, die Oberhand behalten. Ich sage nicht daß er finstere und saure Minen machen soll, das ist ein Fehler von dem ich unten reden werde. Die Ernsthaftigkeit muß nur stärcker bleiben, als das Gegentheil. Man muß von ihm sagen können
Incolumi grauitate iocum tentauit.