Wenn man mit Dingen scherzt, die man mit der äussersten Ernsthaftigkeit, zu betrachten verbunden ist, so ist auch das kleinste lachen bey solchen Dingen eine Sünde. Ein feuriger Schertz verursacht ein grosses lachen. Folglich muß ein solcher Schertz, der mit und über dergleichen Dinge geführt wird, eine grössere materielle Unvollkommenheit haben, und folglich viel von seinem Feuer verliehren. Ich rechne dahin, nicht nur diejenigen Scherze, in welchen solche wichtige Dinge selbst lächerlich gemacht werden, als welches überdies eine strafbare Leichtsinnigkeit ist; sondern auch diejenigen, die etwas anders durch Vergleichung mit dergleichen Dingen lächerlich machen. Es ist wahr, diese wichtigen Dinge bleiben alsdenn in ihrem völligen Werthe. Allein die Einbildungskraft pflegt hernach den Schertz uns wieder ins Gemüth zu bringen, so bald wir an solche ernsthafte Dinge dencken, und da ist es nothwendig, daß wir unsere Pflicht übertreten müssen. Ich tadle alle Schertze, in welchen solcher wichtigen Dinge Erwehnung geschieht, es sey nun auf die eine, oder die andere Art. Meines Erachtens gehören dahin, alle Schertze die mit der Religion getrieben werden, es sey nun, daß man über Religionssachen schertze, welches freylich das ärgste ist, oder daß man durch Religionssachen etwas anders lächerlich mache. Nimium enim risus pretium est, si probitatis impendio constat. Quint. de inst. Orat. Ich weiß wohl, daß man vieles zur Entschuldigung der letztern anzuführen pflegt. Ich weiß aber auch, daß ich sie nicht verwerffe, weil ich glaube, daß sie Religions-Spöttereyen wären. Wenn man weiter nichts thut, als daß man die Religionssachen braucht, etwas anders lächerlich zu machen, so spottet man nicht der Religion, die bleibt in ihrer Hoheit. Allein unsere Einbildungskraft vergesellschaftet die Religion mit den Schertzen, wir erinnern uns der Schertze, wenn wir an die Religion dencken, und man ist alsdenn nicht im Stande, gantz ernsthaft zu bleiben, wozu man doch bey der Religion jederzeit verbunden ist. Alle vernünftige Kenner der Schaubühne, stimmen mit mir in diesem Stücke überein. Sie sehen es als einen groben Fehler an, wenn man wichtige Dinge, und insonderheit Dinge, die mit der Religion eine Verwandschaft haben, in die Comödie bringt. Sie tadeln insgesamt, den berühmten Nürnbergischen Dichter Hans Sachsen, der so artig zu dichten gewust, daß er Adam und Eva aufgeführt, wie sie ihre Kinder in Gegenwart GOttes, der ihnen erschienen, aus Luthers Catechismus examiret, da denn Abel recht gut bestanden, Cain aber sehr schlecht antworten können. Man begreift ohne Mühe, daß der Grund dieses Tadels, darin zu suchen sey, weil die Comödie der Ort ist, wo geschertzt werden soll, und da die Thorheiten der Menschen lächerlich gemacht werden sollen. Verbannt man nun die Religion aus der Comödie, so gibt man zu verstehen, daß es häßlich sey, wenn man die Religion zu schertzen braucht, und ob man gleich sie selbst nicht lächerlich mache, und die Schertze noch so feurig seyn solten. Was ich von der Religion gesagt habe, das gilt auch von allen wichtigen Wahrheiten, die man durchaus nicht zum Schertzen brauchen muß. Ich hätte hier die schönste Gelegenheit, denen Herrn den Text zu lesen, die mit der Philosophie ihren Schertz treiben, und wunder dencken, wie spitzfindig sie sind, wenn sie z. E. über die beste Welt ein lachen verursachen. Doch ich begnüge mich anzumercken daß man weder über, noch mit dergleichen Dingen schertzen müsse, bey denen wir verbunden sind, so oft wir uns damit beschäftigen, eine genaue und strenge Ernsthaftigkeit zu beobachten.

Non haec iocosae conueniunt lyrae

Hor. Carm. L. III. Od. III.


§. 105.

Wenn wir uns in solchen Umständen befinden, in welchen wir verbunden sind, die strengste Ernsthaftigkeit zu beobachten, so ist das geringste lachen eine Sünde, und die materielle Unvollkommenheit unsers Schertzes fält alsdenn mehr, und stärcker in die Augen, als die formelle Schönheit, und unser Schertz wird verdorben. Es gibt gewisse Personen, in deren Gegenwart wir die strengste Ernsthaftigkeit beobachten müssen, wenn sie uns selbst nicht einigermassen von diesem Zwange loßzumachen für gut befinden. Es gibt Orte und Zeiten, die von uns fodern, alsdenn gar nicht zu lachen, wenn wir uns in denselben befinden. Alle Schertze die in Gegenwart solcher Personen, an solchen Orten und in solchen Zeiten vorgetragen werden, wenn sie auch noch so feurig sind, verliehren ein vieles von ihrer Schönheit, weil sie aus einer Leichtsinnigkeit entstehen, die gar zu sehr in die Augen fält. Ich hätte hier Gelegenheit eine weitläuftige Critik, über viele Arten der Schertze anzustellen. Ich will mich aber begnügen, nur einige derselben anzuführen, mehr, um meine Anmerckung dadurch zu bestätigen, als sie selbst ausführlich zu untersuchen. Ich rechne dahin zuerst alle Schertze, die in der Todesstunde getrieben werden. Es ist wahr, solche Schertze haben ein ungemeines Feuer, wenn sie sonst nicht überwiegend häßlich sind. Ich habe dieses schon oben angemerckt. Allein die Todesstunde ist die wichtigste Zeit unsers Lebens. Wir sollen in derselben einen Schrit thun, bey dem die gröste Aufmercksamkeit und Bedachtsamkeit nöthig ist, und wir sind verbunden alle unsere Verstandeskräfte zusammenzufassen, um mit der strengsten Aufmercksamkeit die Veränderung zu erwarten, die uns aus der Zeit in die Ewigkeit versetzt. Mich deucht, daß alles dieses ohne Ernsthaftigkeit unmöglich sey. Und wer in seiner Todesstunde spaßt, ist viel zu leichtsinnig, als daß er den Tod regelmäßig ausstehen solte. Diese Leichtsinnigkeit verdunckelt auch den feurigsten Spaß. Nein, in der Todesstunde kan kein Spaß recht glücklich gerathen. Zum andern gehören hieher die Schertze in der Kirche, und insonderheit auf der Canzel. Ein P. Abraham von Sancta Clara mag noch so ein lustiger Kopf seyn, er mag noch so feurig seyn, so wird ihm doch kein Schertz gelingen, wenn er ihn auf den Stuhle vorträgt welcher den wichtigsten Wahrheiten gewidmet ist. Daher darf kein Prediger die Laster auf der Canzel lächerlich machen, er muß sie aus wichtigern Gründen mit dem grösten Ernste bestürmen. Endlich rechne ich dahin die Heldengedichte und grossen Lobreden. Ein Dichter und Lobredner verhält sich unanständig gegen seinen Helden, wenn er schertzt. Das hohe, das erhabene, das ehrwürdige wird durch das lächerliche verdunckelt. In solchen Reden und Gedichten muß gar nicht geschertzt werden. Günther wird daher mit Recht getadelt, daß er in der Helden-Ode auf den Eugen einen Soldaten nach dem pöbelhaftesten Character aufführt.


§. 106.

Ich muß nunmehr den Beschluß meiner Betrachtung machen. Ich solte glauben, daß diese Blätter nicht gantz ungeschickt wären, den guten Geschmack zu befördern, in einer Sache die sehr häufig zu seyn pflegt. Ich habe mich wenigstens bemüht, diese Critik der Schertze auf Gründe zu bauen, die aus der Natur der Seele, und der Schönheiten überhaupt hergenommen sind, und ich habe nichts weiter mehr nöthig, als mich der Gewogenheit meiner geneigten Leser zu empfehlen.

Viue, vale! si quid nouisti rectius istis,