[24] Diese einfachen Boten sind sicher eine aus einer ältern Erzählungsschicht stehengebliebene Altertümlichkeit; der ritterliche Dichter würde vornehmere Herren zu diesem Zwecke bemüht haben.

[25] Dieser Held, der keiner andern Quelle unserer Sage bekannt ist, spielt von jetzt an eine Schritt für Schritt wachsende Rolle, und zwar tritt er immer an Stellen hervor, die eine Neuerung in der Sage bedeuten.

[26] Die Dichter des Mittelalters vermögen ihren Werken kein andres Kolorit als das ihrer eigenen Zeit zu geben.

[27] Die „Vorrede“ des Heldenbuches, vgl. später [S. 118].

[28] Der Kampf im Saale beginnt also auch hier mit Ortliebs Tode, doch ist der Umstand, daß Kriemhilt diesen mit Absicht herbeiführt, um Etzel zur Rache zu entflammen, als zu grauenerregend abgeschwächt.

[29] Irnfrid von Thüringen ist der historische letzte König der Thüringe Ermanfrid, der um 530 von den Franken besiegt und vertrieben (später auch getötet) wurde; die letzten seiner Familie flohen zum oströmischen Kaiser, den unsere deutsche Sage in älterer Zeit immer durch den ihr geläufigen Hunnenkönig Attila ersetzt.

[30] Amelunge (Amaler) ist ursprünglich der Name des Königshauses der Ostgoten; er wird (was auch anderwärts nicht selten vorkommt, z. B. Kärlinge = Franken) so häufig für „Goten“, den Namen des beherrschten Volkes, gebraucht, daß die hochdeutsche Überlieferung diesen ganz vergessen hat.

[31] Im dritten Gudrunliede, das einen Einzelzug behandelt, der nicht einmal sagenecht ist, wird er erwähnt.

[32] Das Volk der Bayern begegnet uns zuerst um die Mitte des 6. Jahrhunderts unter einheimischen, von den fränkischen Königen abhängigen Fürsten; das ihnen gehörige Land war kurz vorher noch ein Teil des Gotenreiches. Als die Oströmer dies eroberten, drangen sie nicht bis über die Alpen vor; es scheint daher, daß sich die zwischen Donau und Alpen übrig gebliebenen Goten mit Resten anderer Germanenstämme zu einem neuen Volke unter dem Namen „Bayern“ (Baiuuarii) zusammengeschlossen haben. Wenigstens betrachten die Bayern noch später sich als identisch mit den Amelungen (Goten) und also den Dietrich als ihres Stammes.

[33] Auch hier ist Etzel sagenhafter Vertreter des oströmischen Kaisers (Zeno, der den Theodorich 489 gegen Odoaker schickte).