[34] Eine Namenverschiebung: da derjenige, der in der Lieder-Edda Regin heißt, hier bereits (auf Grund deutscher Sage) Mimir benannt ist, überträgt der Sagaschreiber jenen Namen auf den Drachen (der in nordischer Sage Fafnir heißt und Regins Bruder ist).
[35] Schwert und Roß führen hier die aus der Lieder-Edda bekannten Namen Gram und Grani; jenes entspricht dem deutschen Balmung, dies wird in Deutschland nicht mit Namen genannt.
[36] Dieser gilt in der Saga als Bruder der Burgundenkönige; ein Zugeständnis an die nordische Sagenform der Lieder-Edda.
[37] Der also hier als vierter die Stelle Dankwarts im Nibelungenliede einnimmt; Dietrichs Mitgehen ist halbwegs begründet, das Dankwarts aber nicht; liegt hier vielleicht eine dunkle Beziehung zwischen den beiden Überlieferungen vor?
[38] Davon war bisher nichts erzählt; die Saga ist hier mit sich selbst nicht einig. Ihre einzelnen Teile stammen aus verschiedenen Quellen und sind nicht durchweg ineinander gearbeitet und miteinander ausgeglichen.
[39] Als persönliches Opfer ihrer Rache fällt hier Giselher; einer muß durch ihre Hand umkommen, damit begründet ist, daß Dietrich (statt Hiltebrands im Liede) sie tötet.
[40] Ich will nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß der Personenname „Nibulung“ im Geschlechte der Arnulfinge einen ganz besonderen Sinn gehabt haben kann: die Stifterin des Klosters Nivelles (belgische Stadt südlich von Brüssel) ist die Heilige Gertrud († 659), Tochter Pipins des Ältern; dies Nivelles ist also ein jenem Geschlechte ganz besonders wertes Heiligtum; ist es danach nicht denkbar, daß Söhne dieser Familie gelegentlich „Mann von Nivelles“, in altfränkischer Sprachform „Nibulung“, benannt worden sind? Ist diese Annahme richtig, so müssen natürlich die Nibelunge der Sage unbedingt von diesen historischen Nibelungen hergeleitet werden. Ich wage nun freilich für die Richtigkeit nicht einzustehen, muß aber behaupten, daß diese Herleitung plausibler ist als die alte, die in den Nibelungen „Nebelsöhne“, „Mächte der Finsternis“ erkennen wollte; sie ist ja schon dadurch widerlegt, daß es mythische Nibelunge in der Sage ursprünglich gar nicht gegeben hat.
[41] Daß dieser als Schwestersohn dem Oheim den Grund für sein Verhalten gibt, ist ein höchst altertümlicher Zug, der die ältesten germanischen (mutterrechtlichen) Verhältnisse widerspiegelt, vgl. Tac. Germ. c. 20: sororum filiis idem apud avunculum qui apud patrem honor. quidam sanctiorem artioremque hunc nexum sanguinis arbitrantur (Schwestersöhne stehen beim Oheim in derselben Geltung wie beim Vater; einige halten dies Blutsband sogar für heiliger und enger).
[42] Deshalb vermag ich, wenn ein elsässisches Kirchheim urkundlich gelegentlich auch Tronia genannt wird, darin nichts altes zu sehen, sondern höchstens den Versuch einer Lokalisierung des sagenhaften Tronje.
[43] Wilhelm Jordan hat in seiner „Sigfridsage“ als Grund für Siegfrieds Verhalten gegenüber Brünhilt angenommen, sie habe an Siegfried das im Text angeführte Verlangen gestellt; damit hat Jordan gewiß das sagenechte getroffen; eine Nachdichtung der durch die Ungunst der Überlieferung zerpflückten alten Dichtung (und um eine solche handelt es sich doch, unbeschadet aller Grundlagen) führt am sichersten zu den alten Zusammenhängen.