24) Einige höchst interessante Alterthümer, welche in der Gegend von Merseburg schon vor längerer Zeit gefunden, bisher in Privatbesitz waren, jetzt aber durch das Antiquitätengeschäft von Zschiesche und Köder in Leipzig erworben worden sind, dürften, nun zugänglich gemacht und zum Verkaufe ausgestellt, wohl geeignet sein, die Aufmerksamkeit der Sammler und Kenner auf sich zu ziehen. Nach einer älteren schriftlichen Aufzeichnung wurden sämmtliche noch zu besprechende Stücke bei dem Dorfe Leuna, ½ Stunde südlich von Merseburg, beim Ausgraben von grobem Kies, in einer Tiefe von 5–6 Fuſs gefunden. Gedachtem Berichte nach stieſs man zunächst auf das Skelett eines nach ärztlichem Urtheile ungefähr 30 Jahre alten Menschen, wovon aber gegenwärtig nur noch ein Stück der obern Hirnschale and ein solches des Unterkiefers vorhanden ist, indem schon beim Ausgraben der gröſste Theil desselben zu Grunde gieng. In geringer Entfernung soll das Skelett mit 6 Gefäſsen umstellt gewesen sein, die, mit Kies angefüllt, mehrere Gerätschaften enthielten. Drei dieser Gefäſse sind Urnen von gebranntem Thon, wie sie häufig in jener Gegend an Begräbniſsplätzen gefunden werden, wenn auch von ungemein zierlicher Arbeit und nicht gewöhnlicher Gestalt, die eine 8″ hoch und 3½″ im stärksten Durchmesser, die andere 5½″ hoch und 3¼″ im Durchmesser, die dritte 5¾″ hoch und 6½″ im Durchmesser. Das vierte Gefäſs ist eine sogenannte etrurische Schale von höchst gefälliger Form, schöner rother Farbe mit Verzierungen und von hellem Klange, 4¾″ in der Höhe und 9″ im obern Durchmesser. Die interessantesten Stücke aber sind zwei starke Glasschalen, von welchen die eine 5½″ oberen Durchmesser und 3½″ Höhe, die andere 9″ Durchmesser und 4″ Höhe hat, beide durchsichtig und opalisiert. Im Innern sind diese Schalen ganz glatt, auf der äuſsern Fläche aber verziert, und zwar ist auf der kleineren Schale die Scene eingeschnitten, wie Aktäon die Artemis im Bade überrascht und, von dieser in einen Hirsch verwandelt, von seinen eignen Hunden angefallen wird. Die beiden Namen ΑΡΤΕΜΙΣ und ΑΚΤΑΙΩΝ sind in die Masse einpunktiert. So unvollkommen auch das Eingeschnittene erscheint, so erhält es doch, vom Innern der Schale aus betrachtet, Rundung und gefällige Formen. Die gröſsere Schale zeigt nur eingegrabene Verzierungen. Unter den Geräthschaften befindet sich ein trefflich erhaltenes bronzenes Sieb nebst gleich groſsem Kessel, die zusammengehört zu haben scheinen. Auch ein defectes hölzernes Gefäſs mit Metallbeschläge, zu dem noch zwei einzelne Reifenstücke gehören, läſst sich in Zusammenhang mit letztgedachten Gegenständen bringen. Da der Boden des Fundorts aus grobem Kies bestand und bei gehörigem Abfluſs des Wassers von der schiefen Oberfläche immer trocken erhalten wurde, ist sowohl die Erhaltung eines Restes des hölzernen Gefäſses als auch des Skelettes erklärlich. Nächstdem befinden sich noch unter den Geräthen 2 silberne Sporen mit kurzem, geradem Stachel (ungarisch) und 2 angeblich silberne Pfeilspitzen, eine kleine silberne Zange, mehrere Spangen, eine Gürtelschnalle und metallene Ringe. Gehören auch die gefundenen Gegenstände augenfällig verschiedenen Zeiten und Völkern an, so ist doch ein Auffinden derselben an einem und demselben Orte deshalb noch nicht zu bezweifeln, auch die Identität der Stücke verbürgt. Sehr zu bedauern wäre es, wenn diese seltsame Ausbeute vaterländischen Bodens deutschen Landen entführt und in die Fremde wandern sollte. Möchten Museen, denen Mittel zur Seite stehen, die Dinge prüfen und zu erhalten suchen.

25) Die treffliche Sammlung norddeutscher und insbesondere in Pommern gefundener Alterthümer in Stein und Bronze, welche der im vergangenen Herbste zu Greifswald verstorbene Dr. Friedrich v. Hagenow während eines Zeitraumes von mehr denn 40 Jahren mit Eifer und Glück zusammengebracht hat, ist in ihrer Gesammtheit dem Vaterlande und deutscher Wissenschaft erhalten worden. Es hat nämlich das junge Provinzialmuseum zu Stralsund diese Sammlung um den Preis von c. 1600 Thalern angekauft, im Vertrauen, durch Freunde heimischer Alterthumskunde den in drei Raten abzuführenden Kaufpreis sich geboten zu sehen. Die gehoffte Hülfe wird dem anerkennenswerthen und mit Freuden zu begrüſsenden Unternehmen auch sicher nicht ausbleiben. Schon sind von Privaten Beiträge von 100, 30, 10 Thlr. u. s. w. geleistet worden. Der literar.-gesellige Verein zu Stralsund (auch an der Förderung des german. Nationalmuseums zu Nürnberg in sehr löblicher Weise betheiligt) hat die Summe von 100 Thlr. bewilligt, und weitere und noch gröſsere Beiträge stehen von den Landständen und von der Stadt Stralsund zu hoffen, die dem jungen, durch Erwerbung der Hagenow’schen Sammlung so schnell zu Bedeutung gelangten Provinzialmuseum im oberen Stockwerke ihres stattlichen Rathhauses ein mit groſser Liberalität ausgestattetes Asyl geboten hat.

26) Die fortgesetzten Nachgrabungen auf dem Leichenfelde von Schleitheim bei Schaffhausen haben schon mehr als 100 Gräber bloſsgelegt, und noch wird kaum die Hälfte dieses Begräbniſsplatzes aufgedeckt sein. An den gemachten Fundstücken läſst sich der Einfluſs der römischen Kultur nicht verkennen. Daſs dieselben aber nicht das Werk römischer Hände sind, beweist die Art der Bestattung der Todten und die Menge hausräthlicher Gegenstände, welche auf ein anderes Volk als die Römer hindeuten. Hinwieder enthalten diese Todtenkammern so viel Produkte einer vorgeschrittenen Kunstfertigkeit, daſs sie auch den Alemannen nicht zugeschrieben werden können. Es ist also wol anzunehmen, daſs diese Gräber, welche in das 4. oder 3. Jahrhundert vor Chr. gehören, ein Werk keltischer Ansiedler sind.

(Ill. Ztg.)

27) Im Hannover’schen Amte Osten, in dem zwischen Minstedt und dem rechten Osteufer belegenen Moore ist eine sehr alte Pfahlbrücke entdeckt worden, deren Spuren bis auf eine Länge von 2500 Schritt verfolgt wurden. Mit Beginn der günstigeren Jahreszeit sollen genauere Nachforschungen angestellt werden.

(Dies.)

28) Auſserhalb der Nikolauskapelle der Münsterkirche in Aachen, nahe der aufgefundenen Apsis, ist in einer Tiefe von fast 9 Zoll ein Deckstein eines ehemaligen Kanals gefunden worden, welcher 14 Zoll hoch, 7½ Zoll dick und im Durchschnitt 18 Zoll dick ist und in Schriftzügen des Mittelalters die Inschrift trägt:

IN H(o)C SEP(ulchro sunt)
TUMUL(ata) OS(s)A
CA(r)OL(i) (M)AGNI
DEO IN AET(e)R(n)O
GRAN(i)S.

Bei weitern Nachgrabungen in der Allerseelenkapelle des Münsters ist man auch auf Mauerwerk aus der Zeit der Karolinger gestoſsen, und man hegt die auf historische Momente ältester Zeit gestützte Vermuthung, daſs sich die Gruft Karl’s des Groſsen hier befunden habe.

(Versch. Bll.)