29) Die Burgruine Habsburg im Canton Aargau, welche in letzter Zeit dem Verfall sehr entgegengegangen ist, soll auf Kosten der Kantonsregierung repariert werden. Es ist zu diesem Zwecke bereits eine Summe ausgesetzt.

(Ill. Ztg.)

30) Das für die Restauration des St. Stephansdomes in Wien eingesetzte Dombaucomité hat beschlossen, im laufenden Jahre die Restauration des hohen Thurmes zum Abschluſs zu bringen, den Bau einer neuen Sakristei in Angriff zu nehmen und die Wiederherstellung des Innern des linksseitigen Chors zu vollenden.

(Dies.)

31) In der Sitzung der philosophisch-historischen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien am 21. Februar überreichte Regierungsrath Dr. Joseph Diemer als Fortsetzung seiner „Beiträge zur ältern deutschen Sprache und Literatur“ eine neue Ausgabe des Liedes von den Wundern Christi. Dasselbe wurde im Jahre 1065 bei Gelegenheit einer groſsen Pilgerfahrt nach Jerusalem, an der über 7000 Menschen Theil nahmen, von Ezzo, Scholasticus in Bamberg, verfaſst und gehört zu den ältesten und schönsten Dichtungen des Mittelalters. Es befindet sich nur in der vom Herausgeber entdeckten Vorauer Handschrift XI aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, aber leider nicht mehr in seiner ursprünglichen Gestalt, sondern durch den spätern Bearbeiter oder Schreiber mehrfach verändert. Das Lied, wenigstens dem Sinn und Inhalte nach, in seiner ursprünglichen Gestalt wiederherzustellen, ist der Zweck der vorgelegten Ausgabe.

32) Kaum gibt es einen Namen in der deutschen Kunstgeschichte, der die Forscher so vielfach beschäftigt und so oft irre geführt hat, als der des Van der Weyden. Kannte man früher nur einen Roger van der Weyden, der die Kreuzabnahme in Berlin von 1488 gemalt, und nach van Mander 1529 gestorben war, so kam darauf der Roger von Brügge als Roger van der Weyden der Aeltere zu Tage, und jener erste und einzige erhielt den Beinamen „der Jüngere.“ Durch andauerndes Forschen und Vergleichen ist es gelungen, eine namhafte Zahl von Gemälden als Arbeiten des ältern Roger festzustellen, durch die er als einer der bedeutendsten Meister der altflandrischen Schule dasteht. Als die herrlichsten Werke seiner Hand wurden verschiedene Tafeln in den kgl. Sammlungen zu München und Berlin anerkannt; zu diesen kamen dann später noch die „Sacramente“ in Antwerpen und das „Jüngste Gericht“ in Beaune, aus welchem seine Urheberschaft des „Danziger Bildes“ klar zu Tage trat. — Gehen auch in diesen Dingen die Meinungen noch etwas auseinander, so ist doch eine Uebereinstimmung nicht unglaublich, da überall Momente der Verständigung vorliegen. Aber eine groſse Schwierigkeit bietet die Kreuzabnahme des s. g. jüngern Roger. Zunächst ist zu bemerken, daſs derselbe seine Existenz einer als irrig dargethanen Nachricht van Mander’s verdankt. Roger’s Sohn hieſs Peter, dessen Sohn Goswin, und erst dessen Sohn wieder Roger; und dieser jüngere Roger, weit entfernt 1529 zu sterben, war noch gegen 1540 in voller künstlerischer Thätigkeit, die er erst 1528 begonnen. (S. die archivalischen Untersuchungen bei Chev. Leon de Burbure, documens biographiques etc. Bruxelles, 1865.)

Nun ist die Kreuzabnahme in Berlin, die, mit 1488 bezeichnet, dem jüngern Roger zugeschrieben wird, eine Copie, deren Original einst in einer Marien-Kirche auſserhalb der Stadt Löwen war, und in so hohem Grade das Wohlgefallen der Statthalterin der Niederlande, Maria von Ungarn, Schwester Carl’s V., erregte, daſs sie nicht ruhte, bis sie es in ihren Besitz bekam (um 1530). Durch sie ist es nach Spanien gekommen und durch eine Copie von M. Coxcie ersetzt worden. Jetzt aber ist das Bild zweimal in Spanien, einmal im kgl. Museo, das andere Mal in der Sacristei der Laurentius-Kirche des Escorial, ohne daſs man mit Sicherheit zu sagen weiſs, welches das Original sei? Noch weniger ist sicher gestellt, wann und durch wen es gemalt worden?

Sehr vieles spricht für Roger; und doch sind Formen in dem Bilde, die mit ihrer Fülle und Rundung auf eine spätere Zeit weisen, als die Roger’s, der 1465 aus dem Leben geschieden. Nun tritt ein neuer Umstand hinzu, der — wie dunkel er noch ist — doch einiges Licht verspricht. In der Kirche S. Domenico zu Neapel, in der Capella del Crocifisso (d. i. des Crucifixes, das einst mit Thomas von Aquino gesprochen hat) ist eine Kreuzabnahme, die man dort dem neapolitanischen Maler Zingaro zuschreibt, die ich aber sogleich als deutsche Arbeit und bei näherer Betrachtung unter Anwendung von Kerzenlicht, da der Ort sehr dunkel ist, als ein Werk Roger’s oder eines seiner Zeitgenossen erkannte. Ungeachtet der Verschiedenheit des Formates ist die Composition in allen Motiven (soweit ich sie verfolgen konnte) dieselbe, wie die obengenannten in Madrid und Berlin; aber Zeichnung und Technik scheinen mir älter zu sein. Daſs Roger in Italien war (um 1450) ist vielfältig sicher gestellt. Sollte das Bild in Neapel mit seinem Aufenthalt in Italien in Verbindung stehen?

Soviel vorläufig, um zu weitern Nachforschungen zu reizen.

München, 15. März 1866.