Die ungarische Krone besteht aus zwei wesentlich verschiedenen Bestandteilen; der erste ist der Stirnreif, mit den an der Vorderseite befindlichen zackenartigen Aufsätzen, in dem durch angebrachte Bilder die Geschichte des Reifs illustriert wird, und der sich demgemäſs als Geschenk des Kaisers Michael um 1075 an Geisa, Herzog und später König von Ungarn, erweist. In der Krone befindet sich ein kreuzförmig das Haupt überspannender, breiter Doppelbügel, der nach Bock aus den Zeiten des heiligen Stephan herrühren könnte, dem die Tradition die ganze Krone zuschreibt; sie stammt somit aus dem Jahre 1000, wo Papst Silvester II. diesem König eine Krone sendete.

Hier fügt sich nun die deutsche Kaiserkrone in die Serie ein, die ehemals ebenfalls oben einen flachen, kreuzförmigen Bügel hatte, wie noch die Ansätze an den einzelnen Theilen erkennen lassen, an deren Stelle nun nur der eine schmale, hohe Bügel Kaiser Konrad’s getreten ist.

Höchst einfach sind zwei Kronen, die König Bela von Ungarn und seine Gemahlin mit in’s Grab genommen haben. Sie sind offenbar blos zu diesem Zwecke angefertigt und bestehen aus einem Stirnreif mit 4 Kreuzen.[A]

Den Arbeiten der deutschen Reichskleinodien, wie sie am Ceremonienschwerte, an den Handschuhen u. s. w. sich zeigen, ist die Arbeit an der Krone der Constanze zu Palermo, die aus dem Grab erhoben wurde, anzufügen. Sie besteht aus einem Häubchen, das mit einem Stirnreife und ebenfalls mit gekreuzten Bügeln besetzt ist. Der Grund des Häubchens zeigt ganz die gleiche Arbeit, wie der Grund der Schwertscheide, und die Emails gleichen wieder genau jenen.

Arbeit eines abendländischen Künstlers vom Beginne des 13. Jahrhunderts ist die Krone Philipp’s des Guten von Namur, auch als Krone Balduin’s von Jerusalem bezeichnet, die stets eine Reliquienkrone gewesen zu sein scheint.

Die deutsche Königskrone in Aachen, die corona argentea, die jetzt auf dem Haupte Karl’s d. Gr. ruht, ist eine Lilienkrone von sehr eleganter, schöner Form mit einem Bügel, der über das Haupt von vorn nach rückwärts reicht. Sie gehört der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an, also der Zeit des Interregnums und dürfte von Richard von Cornwallis herrühren. Der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gehört die Lilienkrone an, die jetzt mit der Krone der heiligen Kunigunde verbunden ist; der Mitte des 14. Jahrhunderts die schwerfällige, mit gewaltigen Edelsteinen besetzte Krone Böhmens, die unter Karl IV. angefertigt wurde; dem Schlusse des 14. eine äuſserst elegante Krone, die in einem Grabe auf der Margaretheninsel in Pesth gefunden wurde und einer Königin aus der Regierungsperiode der Anjou’s zugehören dürfte. Die jüngsten dieser Kronen dürften die eine sein, die, in München aufbewahrt, gleichfalls der heiligen Kunigunde zugeschrieben wird, die aber auf der Grenzscheide des 14. und 15. Jahrhunderts steht, und die Krone der Margaretha zu York, Gemahlin Karl’s des Kühnen.

Auſser den Kronen sind andere Goldschmiedearbeiten aus sehr alter Periode abgebildet, ein Kreuz des Kaisers Justinian in St. Peter zu Rom, eine Anzahl Kreuze von Votivkronen zu Guarazzo, das Kreuz des Agilulf, das des Adoloald, des Berengar, das der Theodolinde. Die Waffenstücke Theodorich’s und Childerichs (jetzt in Troyes und Paris), der Kamm der Theodolinde, der höchst interessante, mit Filigran bedeckte ungarische Scepter, der Scepter im Schatze zu Aachen sind kostbare Werke, die über die Goldschmiedekunst ihrer Zeit überraschende Aufschlüsse geben. Nicht minderes Interesse gewährt der Helm des heil. Wenzeslaus und das Schwert des heil. Stephan, das Kreuz des Kaisers Lothar, die Kreuze zu Gran, die schon erwähnten Kostbarkeiten aus Aachen, der im Stile der Renaissance gearbeitete Scepter und Reichsapfel Böhmens, mehrere weitere Schwerter und verschiedene Reliquiarien, sodann der Fächer der Theodolinde, das Weihwasserbecken zu Mailand u. s. w.

Besonderes Augenmerk möchten wir noch auf einige Kleinodientruhen werfen, die abgebildet sind und dem 13. Jahrh. angehören, so die zu Aachen, die mit einer Anzahl emaillierter Medaillons besetzt sind, welche sich auf rothgefärbtem Holze aufgelegt fanden. Sie war von Richard von Cornwallis hergestellt; ihr ganz ähnlich ist die Casette des St. Louis, die jetzt sich im Musée des Souverains zu Paris befindet, jedoch geringere Ausdehnung hat, als die groſse Kleinodienkiste. Aehnliche emaillierte Medaillons befinden sich im Museum zu Pesth, die wol ehemals einer ungarischen Kleinodienkiste angehörten.

Auch eine Anzahl interessanter Lederkapseln für verschiedene Kronen, sind abgebildet, von denen die älteste die sein dürfte, welche ehemals Schwedens Krone umschloſs und sich nun im Besitze des Senators Culemann in Hannover befindet. Höchst interessant sind die Büchsen, die Karl IV. für die deutsche und für die böhmische Krone hatte anfertigen lassen; ferner die Kapsel für die Brautkrone der Margarethe von York zu Aachen; die Kapsel für die Krone Philipps von Namur, dem 13. Jahrh. angehörig, hat wieder Verwandtschaft mit den Kleinodientruhen; sie ist mit glattem, ungefärbtem Leder überzogen, auf dem emaillierte Medaillons befestigt und metallene Nägel mit runden Köpfen zur Verzierung eingeschlagen sind.

Wir können zum Schlusse dieser Beschreibung die Klage nicht unterdrücken, daſs das Werk, seinem kostbaren Inhalte angemessen, so theuer ist, daſs es kaum zugänglich wird; sprechen jedoch die Hoffnung aus, daſs unser gelehrter Freund bemüht sein werde, den Inhalt auf anderem Wege zum Gemein gut zu machen, wozu ihm mit Vergnügen diese Blätter zur Verfügung gestellt würden.