[J] Nach dem Porträt des Inhabers steht an Bedeutung zunächst dessen Wappen. Wo also Ersteres fehlt, bestimmt das Letztere die Gattung des Siegels, wenn dasselbe auch, neben allen möglichen anderen Darstellungen, zuweilen anscheinend nur einen untergeordneten Platz einnimmt.[K] Wir theilen nicht die Ansicht des Fragestellers im Correspondenzblatt von 1865, Nr. 5, S. 34, daſs man es hier mit dem Porträt der Sieglerin zu thun habe.[L] Wozu die Zeichen für den Druck in der entsprechenden Gröſse leicht gegossen werden können.[M] Also, wenn es z. B. heiſst: Siegel II. B; Siegel III. B. 3; Siegel IV. A. 1, so ist — neben der übrigen Bezeichnung dieser Siegel — zugleich auch angezeigt, daſs alle drei Siegel von runder Form, in ungefärbtem Wachs und mittelst Pergamentstreifen an die Urkunde angehängt sind.[N] Vorzügliche Gypsabgabgüsse derselben sind durch Herrn Hofmaler Roſshirt in Oehringen billigst zu beziehen.[O] Auch diese unter sich — zur leichteren Bezeichnung — mit fortlaufenden Nummern.

Ausgrabungen bei Rochsfeld.

Von Dr. A. von Eye.

Vom Fuſse des Schloſsberges, an der nordwestlichen Grenze der Oberpfalz, erstreckt sich ein ziemlich umfangreiches Plateau nach Süden, welches nach geringer Senkung jenseits des Dorfes Rochsfeld von mäſsigen Höhenzügen wieder aufgenommen wird, aber bei der geradlinigen Richtung der letzteren sowie des davor liegenden Thales eine weite Rundsicht gewährt und in seiner Bestimmung als eine der gröſsten in Süddeutschland bekannten heidnischen Begräbniſsstätten wohl nicht auſser Zusammenhang mit seiner hervorragenden Lage steht.

Der gröſste Theil des Plateau ist gegenwärtig zu Ackerland verwendet; die darauf befindlichen Grabstätten sind geebnet und geben nur noch durch einzelne Ueberreste ihren ehemaligen Bestand zu erkennen. Ein anderer Theil ist von einem niedrigen Tannenwäldchen besetzt, das unversehrte, aber schwer zu untersuchende Grabhügel birgt. Das interessanteste Stück des Feldes war bis dahin von einer Eichenpflanzung eingenommen, aus welcher zwei noch übrige Stämme von 10 bis 12 Fuſs Umfang das lange Ungestörtsein des Platzes bezeugen. An der östlichen Seite desselben flieſst ein eisenhaltiger Quell, der, jetzt zum Zweck der Viehtränke in einen Brunnentrog aufgefangen, früher einen kleinen Teich gebildet hat. Den Quell noch umfassend, liegt ebendaselbst eine Umwallung von unregelmäſsiger dreieckiger Form und 212 Schritt Umfang, allem Anschein nach ein ehemaliger Lagerplatz. Den übrigen Raum nehmen in ziemlich weiten, aber unregelmäſsigen Abständen neun Grabhügel von etwa 80 Schritt Umfang und fünf bis sechs Fuſs Höhe ein.

Früher gemachte zufällige Funde lieſsen vermuthen, daſs das Innere dieser beträchtlichen Aufwürfe noch manches interessante Zeugniſs ihrer Entstehungszeit beschlieſse, und im April dieses Jahres benützte das germanische Museum die Gelegenheit, systematische Nachgrabungen anzustellen. — Ein sofort in den gröſsten Hügel angebrachter Querschnitt von 11 Schritt Länge zeigte an, daſs die hier beigesetzten Urnen auf einen ziemlich engen Raum der Mitte beschränkt waren, weshalb diese bei den andern Hügeln sogleich von oben herab aufgesucht werden konnten. Unmittelbar unter der Rasendecke zeigten sich einige Topfscherben vom 16. Jahrhundert, welche bei Anpflanzung der Eichen hineingelangt sein mochten. Bei zunehmender Tiefe mehrten sich die vorkommenden Kohlen. Etwa 5 Fuſs unter der Hügelhöhe, in gleicher Linie mit dem ebenen Boden trat das Urnenlager zu Tage. Das deckende Erdreich aber, ein nasser, äuſserst schwer zu bewältigender Lehm, durch welchen die stecken gebliebenen Wurzeln einer ausgerodeten Eiche sich wie lange Gallertfäden zogen, hatte das Lager zu einer kaum 5 Zoll dicken Aschenschicht zusammengedrückt, in welcher Urnenscherben und Deckplatten dicht durcheinander lagen. Das von oben durchsickernde Wasser hatte in dieser Schicht sich gehalten und seine auflösende Kraft der Art walten lassen, daſs auch nicht der geringste Rest metallener Mitgaben verschont geblieben. Nur die feuchte und zähe Masse der Asche zeigte hie und da die rostfarbenen Bilder zergangener Eisengeräthe aus ziemlich vorgeschrittener Kulturepoche. Die Scherben waren so durchweicht, daſs sie beim Auffinden leicht mit dem Messer geschnitten werden konnten, übrigens von feiner, schwärzlich gebrannter Masse, mit geringem Zusatz von Kieselerde. Ein Theil zeigte, bisweilen an der inneren und äuſseren Seite, bisweilen nur an der letzteren, eine Decke von so schöner, rother Farbe und so gleichmäſsiger Dicke des Auftrags, daſs ersichtlich darin nicht allein die Wirkung des Feuers, sondern auch das Vorhandensein eines Ueberzuges, wahrscheinlich von Eisenerde, zu erkennen war. Die Urnen, nach den vorhandenen Bruchstücken zu schlieſsen, von ausgezeichneter Form, waren auf der Scheibe gedreht, doch ohne weiteren Zierrath. Die Deckplatten bestanden aus flachgespaltenen Steinen oder gelblichen, wahrscheinlich nur an der Sonne getrockneten Thonscheiben.

Das Einzige, was von Metallsachen aus diesem Hügel kam, war eine oberhalb der Urnen gelegene, vermuthlich beim Aufwerfen verloren gegangene, bronzene Messerschale mit abgerosteter Eisenklinge. Sie ist klein und zierlich, wie alle Metallgeräthe jener Periode, in Form den unsrigen verwandt, scharf profiliert und mit Querstreifen und eingeritzten Winkellinien verziert. Bemerkenswerth war das häufige Vorkommen von rohem Eisenerz in diesem Hügel, das, in gröſseren oder kleineren Stücken den Urnen beigefügt, offenbar gleichzeitig mit diesen und ohne Zweifel als Kostbarkeit niedergelegt war.

In einem südlicher gelegenen Hügel fehlten die Deckplatten auf den Urnen; doch kamen Holztafeln vor, deren Verwit terungsgrad die gröſste Aehnlichkeit mit dem der bei Oberflacht in Schwaben ausgegrabenen Todtenbäume zeigte. Der Gröſse nach zu urtheilen, stammen sie nicht von hölzernen Geräthen, sondern von Umfassungswänden her, oder hatten die Stelle der deckenden Steine zu vertreten. In einem dritten, schon früher beim Pflügen bloſsgelegten Aufwurfe war eine Umfassungsmauer von lose aneinander gereihten, ziemlich groſsen Feldsteinen aufgedeckt worden, deren Mangel an anderen Stellen darzuthun scheint, daſs wir uns bei der Bestattungsart jener Zeit keinen allgemein und ausschlieſslich in Anwendung gebrachten Gebrauch zu denken haben, sondern, daſs bei aller herrschenden Sitte dem einzelnen Belieben noch Manches überlassen war. — In allen Fällen übrigens waren, wie bemerkt, die Urnen auf den unberührten Boden niedergesetzt und darüber die Hügel aufgeschüttet worden.

Auch eine vierte zur Untersuchung gezogene Grabstätte bewies, daſs hier die gleiche Bodenbeschaffenheit überall dieselbe Wirkung hervorgebracht, und daſs auf eine Bereicherung der Sammlungen durch interessante Fundstücke nicht zu rechnen sei. Selbst Bronzegeräthe hatten in der Aschenschicht soweit sich aufgelöst, daſs nur eine Spur von Grünspan geblieben war. Ein einziges, kleines, aus freier Hand geformtes Thongefäſs ward unversehrt zu Tage gefördert. Da aber die bis dahin vorgenommenen Nachgrabungen zur allgemeinen Charakterisierung der Begräbniſsstelle genugsam schienen, wurde bei der auſserordentlichen Schwierigkeit der Arbeit auf weitere Nachsuchungen verzichtet.

Zur Geschichte der Entdeckung und Erkennung der Pfahlbauten.
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