Schwerin.

Latendorf.

Beiträge zur schweizerischen Kunstgeschichte.

Mitgetheilt von Ed. His-Heusler, Mitglied der Direction der Kunstsammlung zu Basel.

II.

In der Morizkapelle zu Nürnberg befinden sich unter Nr. 121 und 138 zwei Gemälde: Mariä Tempelgang und Vermählung, welche im Kataloge irrthümlicher Weise dem Hans Burgkmair zugeschrieben sind, während sich dieselben sogleich als zu einer Folge aus dem Leben der Maria gehörend zu erkennen geben, wovon sechs Darstellungen in der Gallerie zu Basel aufbewahrt werden, welche, wie jetzt mit Sicherheit festgestellt ist, von dem Maler Hans Fries aus Freiburg in der Schweiz herrühren. Nicht nur stimmen Gröſse, Format, Styl, Colorit und andere untrügliche Merkmale auf das Unzweifelhafteste überein, sondern auch die architektonische Einfassung der Darstellungen ist genau dieselbe. Auf dem Bilde der Geburt Mariä in der Baseler Folge findet sich das vollständige Monogramm des Künstlers, und ein dabei liegender Bernerbatzen weist auf das schweizerische Vaterland desselben. Auf den beiden Gemälden in Nürnberg fand ich dagegen H B und die Jahreszahl 1512, entdeckte aber mit geringer Mühe, daſs das B aus einem früheren F umgestaltet war, und zwar auf eine Weise, die nichts weniger als täuschend ist. — Es ist um so unbegreiflicher, wie man Bilder, welche mit den deutlichen Buchstaben H F bezeichnet waren, so ohne Umstände als Burgkmair taufen konnte, als doch auch die Malerei mit derjenigen dieses Künstlers gar keine Verwandschaft zeigt[A]. — Daſs man ihnen den rechten Namen nicht geben konnte, hat freilich darin seinen Grund, daſs derselbe Jahrhunderte lang verschollen war; mir ist es gelungen, den Namen Hans Fries vor vier Jahren wieder für die Nachwelt zu retten. Was ich über diesen Maler damals in Erfahrung bringen konnte, findet sich im IV. Bande von Nagler’s Monogrammisten unter Nr. 148. Seither entdeckte ich in Freiburg noch vier andere Gemälde von ihm, welche theilweise mit seinem ausgeschriebenen Namen bezeichnet sind, wie auch das im Aufsatz erwähnte Gemälde im Franziskanerkloster daselbst. Die willkürliche Bemerkung Nagler’s, daſs Fries zu den Malern gehöre, die aus Bescheidenheit ihre Bilder nicht mit Namenszeichen versahen, ist also ganz unrichtig, so wie sich dieser fleiſsige Kunstlexikograph auch sonst noch manche Verstümmlungen meiner ihm anvertrauten Notizen zu Schulden kommen lieſs. Auch in Colmar fanden sich Spuren von der Thätigkeit des Freiburger Malers, indem der frühere Archivar Hugot im Archiv des Capitels von St. Martin die Bestellung einer Altartafel aufgefunden hatte, welche dasselbe dem Maler Hans Fries zu malen auftrug. Als ich mir das betreffende Dokument wollte mittheilen lassen, war Hugot bereits krank und starb bald darauf. Sein Nachfolger, dem ich die Mittheilung verdankte, konnte es seither nicht wieder auffinden.

Fußnoten:[A] Wer den Gang der Nürnberger Kunstkennerschaft vom Beginn dieses Jahrhunderts genauer in Erfahrung gebracht, wird sich über solches Unternehmen nicht wundern. Der Katalog der Morizkapelle stammt aus einer Zeit, in welcher das Selbstbewuſstsein die Stirn sehr hoch trug, das Urtheil aber noch in den Windeln lag. Trotz aller Berichtigungen, die von Waagen’s Schriften bis zu diesem Aufsatze dafür gegeben worden, behält er die alte Form bei — etwa weil der Prunk berühmter Namen vortheilhafter erscheint, als innere Wahrheit und wissenschaftlicher Gehalt?

Anm. d. Red.

Zur Legende und Sage.

Von Dr. A. Birlinger in München.