Die vorstehende Urkunde scheint mir in mehr als nur in einer Hinsicht der Veröffentlichung würdig zu sein. Daſs Herzog Friedrich der Schöne die Stadt Bräunlingen am 30. Mai 1305 vom Grafen Heinrich von Fürstenberg um 250 M. S. käuflich erwarb, wissen wir aus (Kreutter) Geschichte der k. k. vorderösterr. Staaten, 2, 43 und, hieraus, aus Stälin, Wirt. Gesch., 3, 109. Dagegen war es, meines Wissens, bisher noch nicht bekannt, daſs die Veräuſserung Bräunlingens die Folge einer Fehde und eines, von K. Albrecht und seinem genannten Sohne Friedrich persönlich unternommenen Kriegszugs gewesen ist. Die Urkunde gewährt aber auch ein rechtsgeschichtliches Interesse als Beitrag zur Kenntniſsnahme einer die Landherren des 13. und 14. Jahrh. gar sehr berührenden Frage, nämlich des Anschlusses ihrer Unterthanen in die Städte, und des hiermit engverbundenen Ausbürger- und Pfahlbürgerthums (cives non residentes). Das Original der Urkunde befindet sich im Generallandesarchive zu Carlsruhe und wurde mir von dort, zum Behufe meiner Studien zur fürstenbergischen Hausgeschichte, in freundlicher Bereitwilligkeit mitgetheilt. Der hier gegebene Abdruck ist ganz genau. Schwankungen in der Schreibart wurden beibehalten. Die wenigen, niemals zweifelhaften Abkürzungen sind aufgelöst[A].
Ich hege keinen Zweifel darüber, daſs diese „in dem gesesse vor Fürstenberg“, also bei der Belagerung (vergl. Ziemann s. v. Gesesze) ausgestellte Urkunde in Gegenwart K. Albrecht’s und wol auch seines Sohnes Friedrich ausgefertigt worden ist, und glaube sogar jene kleine, zierliche Schrift, welche den Sekretär K. Albrecht’s auszeichnet, und das in Albrecht’s Kanzlei übliche, feine Pergament zu erkennen. Bei Mone, Zeitschrift 14, 174 ist ein ähnliches Beispiel vom 9. Aug. 1303 gegeben, daſs nämlich eine Urkunde, welche die Herren Conrad und Engelhart von Weinsberg dem Könige ausstellten, von dessen Sekretär geschrieben wurde. Fernerhin paſst die Urkunde in K. Albrecht’s Itinerar, soweit wir dasselbe kennen. Derselbe war am 17. und 19. Mai in Eſslingen, am 22. Mai in Rotweil und am 31. Mai in der Nahe von (apud), oder in Schaffhausen. Die Nachweisungen in Böhmer’s Regg. Imp. Nr 505, 507 u. 633. Veste Fürstenberg ist höchstens 6 Stunden von Schaffhausen entfernt. Was den Herzog Friedrich betrifft, so war derselbe am 29. Juni 1305 in Ulm (Böhmer, Add., II, S. 501). Weitere Urkunden Friedrich’s aus dem Jahre 1305 sind nicht bekannt. Graf Heinrich (II.) von Fürstenberg ist ein Sohn des Grafen Friedrich und der Adelheid von Wolfach. Seine in der Urkunde erwähnten, aber nicht namentlich angeführten Brüder sind: Conrad, in der Folge Domdekan zu Straſsburg, † 1346, und Friedrich, Johanniter in Villingen. Der Chorherr zu Constanz, Graf Conrad zu Fürstenberg, und dessen Bruder Graf Gebhart sind Oheime des Grafen Heinrich II., Brüder seines Vaters Friedrich. Beide gehörten dem geistlichen Stande an. Conrad war zugleich auch Pfarrherr (Rector ecclesiae) in Villingen und urkundet als solcher schon im J. 1303 (Origg. mit Siegeln im F. Fürstenb. Arch.); Gebhart war Chorherr zu Constanz und, nach dem Tode Conrads († 1314), ebenfalls Pfarrherr zu Villingen. Welche Gerechtsame diesen beiden Grafen in Löffingen zustanden, ist nicht näher ermittelt. Die Burg Kürnburg oder Kürnberg — jetzt der Kürnberger Hof — lag nahe bei Löffingen, unweit der Straſse von Donaueschingen nach Freiburg i. Br. Die Linie Fürstenberg-Haslach, welche bis zum J. 1326 die Stadt Villingen besaſs, war bei diesem Streite mit K. Albrecht nicht betheiligt. Die Gerechtsame des Hauses Fürstenberg in Bräunlingen dürften auf Zäringen’schen Ursprung zurückführbar sein. Bräunlingen blieb, einige Verpfändungen abgerechnet, bis zur Auflösung des deutschen Reiches eine vorderösterreichische Stadt und führte als solche auch den habsburgischen Löwen im Wappen.
Wahrscheinlich wollte Graf Heinrich von Fürstenberg eine ernstliche Fehde mit dem Reichsoberhaupte vermeiden. Doch scheint auſser Zweifel zu sein, daſs K. Albrecht und Herzog Friedrich sich vor Fürstenberg gelagert hatten, und daſs hier, im Lager, ein Vergleich zu Stande kam. Fürstenberg war indessen zu jener Zeit nicht nur eine Burg, sondern auch ein befestigtes Städtchen, dessen bereits in der bekannten Urkunde K. Rudolf’s, aus dem Lager zu Marchegg, 1278 Aug. 19, Böhmer, Reg. Rud. 458, Erwähnung geschieht.
Donaueschingen, im August 1866.
Dr. Freih. Roth v. Schreckenstein,
F. F. Archivar.
Fußnote:[A] In Ermangelung entsprechender Typen haben wir bei diesem, sonst getreu an das vorliegende Manuscript sich anschlieſsenden Abdrucke die Buchstaben v und u mit übergeschriebenen nen i (vͥ, uͥ) durch vͤ und ü, ebenso a und o mit darüberstehendem v durch av, ov wiedergeben müssen.
Die Redaktion.
Die Sprichwörtersammlung des Friedrich Peters.
Von Subrektor J. Franck zu Annweiler.
Eine der werthvollsten und zugleich wenigst bekannten Sprichwörtersammlungen, deren Niederschrift noch in das 16. Jahrh. fällt, ist diejenige des Friedrich Peters. Ich gebe in Nachstehendem eine eingehende Beschreibung derselben nach einem vollständigen Exemplare, das sich in der Bibliothek des Zweibrückener Gymnasiums[A] befindet.