Wenn fleucht die Taub zu weit ins Feld/
Zuletzt der Habicht sie behelt.
Denn das ist war/ wie die Wort lauten/ vnd deutet aber vber dz verdeckter weise auff ein anders/ welchs damit wird zuverstehen gegeben/ nemlich/ daſs man alte Schelcke nicht wol koͤnne from machen/ Item/ das eine Jungfraw/ die sich viel auſsgehens befleisset/ oder sich zu weit verthut/ koͤnne leicht vmb jhr Ehre gebracht werden/ oder sonst in Schaden gerahten“.
Wiederholungen von Sprichwörtern rechtfertigt der Verfasser in folgender Ausführung (Bl. (?)iiij a |_{b}): „Vnd ob wol aller muͤglicheit nach ein jedes nur ein mal gesetzt/ vnd nicht anderswo widerholet wird/ so find sichs doch/ das zuweilen ein Spruch oder Sprichwort in vngleichen Worten jetzt so/ denn anders lautet/ vnd daher offt einen andern Verstand gewinnet/ oder das eine mal ohne Reim/ das ander mal artig in Reims weiſs auſsgesprochen wird/ welches auch macht/ das wol zu zeiten etwas hernach gesetzt ist/ da jemand meinen moͤcht/ es were solchs bereit zuvor gesagt: Wer aber acht darauff gibt/ vnd eins gegen das ander helt/ der sihet leichtlich/ das es entweder mehrerley vngleiche Spruͤche sind/ oder Beides die schlechte Rede vnd der Reim lustig zu lesen vnd lehrhafftig ist/ vnd demnach nicht vnbillich ein jedes an seinem Ort gesetzt ist: Als wenn man spricht:
Trinck Wein/ beschert dir Gott Wein.
Item
Trinck Wein/ so beschert dir Gott Wein.
Da lest sichs wol ansehen/ als wens nur einerley Rede sey/ weil es fast einerley Wort vnd Buchstaben sind/ vnd gleichwol wenn mans recht erwiegt/ so findt sichs/ das es zweyerley vnterschaiden Spruͤche seyen/ vnd zweyerley Meinung geben...“
Was endlich die Eintheilung seiner Sammlung anbelangt, so spricht er sich hierüber folgendermaſsen aus (Bl. (?)v b -(?)vj b ): „Es sind aber die Spruͤche in drey hauffen vnterscheiden vnd abgetheilet. Im ersten Theil sind die verzeichnet/ welche von rechter warer Gottseligkeit/ von Gott vnd seinem Wort/ von Christo/ vom Glauben/ Gebet/ Ketzerey/ Creutz/ Trost vnd Hoffnung in Truͤbsal/ Suͤnd/ Todt/ leben vnd ewiger Seligkeit berichten vnd lehren.
Im andern Theil sind auffgeschrieben aller Stende Lection/ Tugend vnd gute Wercke/ Laster vnd Vntugend/ Sold vnd Lohn/ einem jeden zur Lehr/ Bericht/ Erinnerung/ Vermanung vnd Besserung/ auch allen from̄en auffrichtigen Biderleuten Mans vnd Frawspersonen zu lob vnd ehren... Auch find man daselbst vielfeltige Erinnerung von allerley Weltlichem Wesen/ Handeln vnd Fellen des gantzen Menschlichen Lebens/ auch zu weilen gemeine Naturkuͤndige Spruͤche/ oder sonst schlechte einfeltige Rede/ darin man doch auch sihet/ eine feine Weiſsheit vnser lieben Teutschen/ vnd sittige Lehr/ oder je gemeinen Bericht von der Welt Lauff vnd Wandel...