Mitgetheilt von Leonh. Platzer, k. Landrichter, zu Sulzbach.
In dem städtischen Archive zu Sulzbach befindet sich eine 732 Seiten starke Papierhandschrift in 4. aus dem 17. Jahrhundert, mit dem Titel „Nortgauisches Chronicum, darin insonderheit der fürstl. Pfalzgrävischen Residenz Stat Sulzbach und des fürnehmen Closters Castel Beschreibung von ihrer Uralten erbauung und Stifftungen, auch von den alten graven von Sulzbach, Wie auch den Herzogen in Bayern, König in Böhmen und Pfalzgraven bey Rhein ihrer Regierung Handlungen zu Kriegs und Friedenszeiten, neben andern verlauffen geschichten, von änderung der Religion und darauf erfolgter persecution zu finden, Biſs auf unsere Zeit continuirt, über die 600 Jahr und mit besonderer müh zusamb getragen durch Johannem Braun[A], pastorem und superintendenten zu Bayreuth, sei nen lieben Vatterland und der lieben posterität zu ehren Anno 1648“[B].
Wir theilen hier als Probe dieser noch ungedruckten ausführlichen Chronik (S. 320 ff.) nachstehenden Abschnitt mit[C].
Von den Landrichtern zu Sulzbach.
Eſs ist droben Weitleuffig erzehlet worden, Wie Sulzbach ie andere und andere Oberherren gehabt, anfänglich die Graffen von Sulzhach, darnach die Herzogen von Beyern, drittens die Künig in Böhmen, zum 4. die Pfalzgrafen, hat also mancherley Verenderungen mit grosser gefahr unterworffen sein müſsen. Es ist aber zu wissen, das Sulzbach von der beyerischen Regierung an biſs auf Herzog Ottheinrichen Pfalzgraffen mehreren Theil durch Vizdom oder Landrichter ist gubernirt worden, derer Catalogum, wie ichs von Hr. Juglero[1] empfangen, also will ich ihn der lieben posterität zum besten hieher sezen, und ist hierbey zu wissen, daſs de anno 1322 bis ufs Jahr 1504 die Landrichter zu Sulzbach auch Lauf und Herspruck zu guberniren gehabt, (so damalen zur pfalz gehörig, und die Nürnberger erst im beyerischen Krig an sich gebracht haben) und haben daselbst aljährlich Ihr Landtricht gehalten, laut etlicher Brieff, so zu Sulzbach auf den Rathhaus verwahrt werden, und ist solches alle quatember wechselweis zu Sulzbach, Lauf, und Herspruck geschehen, unter offenen himmel und haben die Landrichter in vollen Küris das gericht besitzen müssen.
1. Der erste beyerische Haubtman oder Landtrichter zu Sulzbach, so in den Archivis zu finden, ist gewesen Heinrich Trucses von Holenstein circa annum 1322.
Der 2. Conrad Kemmather vicedom und Landrichter, dieses geschlechts sind noch etliche übrig, wie denn die Kemmather auch ein theil an Rosenberg gehabt haben, er hat regiert ums Jahr 1339.
3. Ulrich v. Henfenfeld, beyerischer vicedom 1361.
4. Volkholt[2] von Tann Caroli 4 Königs in Böhmen vicedom zu Sulzbach 1364.
5. Otto Senft, 1374[3].