Fabrikzeichen
Sigmund Frank, Burger zu Aurbach, thut kund: sein Vater sel., Hans Frank, und dessen Brüder hätten den Feuerhaken von ihrem Vater, Ahnherrn und Urahnherrn ererbt, solchen in ihren Siegeln gebraucht und hergebracht länger denn Menschen-Gedächtnis ist, auch dabei den Feuerhaken auf die in ihren Hämmern geschmiedeten Erzeugnisse geschlagen, und so sei „der Feuerhak“ zuletzt auf seinen Vater und auf dessen Bruder, Albrecht Frank durch Erbschaft gelangt. Diese beiden Brüder nun, beide mit „Hammerberg“ (Hammerwerken) versehen, hätten sich dahin vereinigt, daſs Hans Frank und seine Erben auf den aus seinen Eisenhämmern hervorgehenden Erzeugnissen das fragliche Zeichen auf deren Rücken, sein Bruder Albrecht aber solches auf der Bahn der Schiene aufschlagen soll. Nachdem nun aber Sigmund Frank kein Hammerwerk mehr besitzt und den Feuerhaken niemand billiger vergönnt, als dem, dem er aus angeborener Erbschaft zusteht zu gebrauchen, so verkauft er seine Berechtigungen zu diesem Zeichen an seinen 1. Vetter Wilhelm Frank, Bürger zu Regensburg, und verspricht, den Feuerhaken auf kein Eisen mehr aufschlagen zu lassen. Jedoch behält er für sich und seine Erben das Recht vor, denselben Feuerhaken im Siegel oder Petschaft auch ferner zu gebrauchen. Das Siegel des Sigmund Frank ist abgerissen; die beiden anderen, an Pergamentstreifen hängenden Siegel (IV, A, 2) von grünem Wachs in ungefärbter Schale, des Hanns Zugenreuter zu Zugenreut und des Cunz Slamersdorf zu Michelfeld, sind noch ziemlich gut erhalten, nur die Legenden sind verwischt[A].
Diese beiden Urkunden liefern einen weiteren, interessanten Beitrag — und zwar aus der bürgerlichen Sphäre — zu der Frage über Entstehung und Erwerbung der Wappen[B]. Denn, wenn es sich streng genommen im vorliegenden Falle nicht um den Verkauf eines Wappens im eigentlichen Sinne des Wortes handelt, sondern nur eines auch als Siegelbild gebrauchten Fabrikzeichens[C], so ist die Analogie zwischen beiden doch gewiſs nicht zu verkennen, und zwar um so mehr, als wir wirklich später, z. B. in der ehemaligen Stiftskirche zu St. Emmeran in Regensburg, als Wappen der Frank, wie hier abgebildet, einen rothen Feuerhaken im von Silber und Blau schräg-links getheilten Schilde finden[D].
Es wäre sehr zu wünschen, daſs noch andere derartige Beispiele in diesen Blättern mitgetheilt würden.
Fußnoten:[A] Abschriften beider Urkunden befinden sich im Archive des german. Museums.[B] S. Anzeiger f. K. d. d. V., 1865, Nr. 1.[C] Erinnert sehr an die Hausmarken.[D] Als Helmschmuck zwei dergleichen Feuerhaken, schräg gekreuzt.
Zur Geschichte der Entdeckung und Erkennung der Pfahlbauten.
Da in neuerer Zeit über Entdeckung und erste Erkennung der Pfahlbauten als solcher irrthümliche Ansichten zu verbreiten gesucht werden, so findet sich die Zürcherische antiquarische Gesellschaft veranlaſst, den Hergang der Sache einmal einfach und der Wahrheit gemäſs zur Kunde des Publikums zu bringen, wobei jedem, was ihm gebührt, gegeben werden soll.
Es war im Februar 1830, als zu Männedorf am Zürichsee eine einer bestimmten Anzahl Bürger zuständige Habe tiefer gelegt ward, um bequemeres Anlanden der Schiffe zu ermöglichen. Das dabei herausgehobene Material ward auf einer benachbarten Wiese ausgebreitet und erwies sich bald als Seeschlamm und Moder, in welchem verfaultes Holz, Knochen und einzelne Kohlen, sowie eine Anzahl Steinbeile sich befanden. Durch einen Anverwandten auf diese Steinbeile aufmerksam gemacht, verfügte sich Herr Dr. Ferdinand Keller, Präsident der antiquarischen Gesellschaft, an Ort und Stelle, um sowohl das Gefundene in Empfang zu nehmen, als auch die Fundstelle einer genaueren Untersuchung zu unterwerfen. Die Reste des Holzes und die Steinbeile, die man damals noch für Abhäuteinstrumente hielt, der Geruch des Moders und Anderes bestimmten Hrn. Dr. Keller zur Annahme: es habe hier, am Rande des Sees, eine Art von Gerberei in der Urzeit gestanden, und er theilte dies der Gesellschaft als das Ergebniſs wiederholter Betrachtung des Ortes und der Fundgegenstände mit.
Von diesem Augenblicke an blieb seine unausgesetzte Aufmerksamkeit auf diese Gegend des Sees gerichtet. Die gänzliche Lösung des Räthsels erfolgte aber erst im Jahre 1854, weil damals in Folge des höchst trocknen Winters der Seespiegel überaus tief stund. Herr Lehrer Aeppli zu Obermeilen berichtete nämlich an das Präsidium der antiquarischen Gesellschaft über das Zutagetreten von Gegenständen in dem vom Wasser verlassenen Seebette, welche über den frühesten Zustand der Bewohner dieser Gegend Aufschluſs zu geben geeignet seien. Da Herr Dr. Keller abgehalten war, sich persönlich an Ort und Stelle zu begeben, so veranlaſste er Herrn Prof. Escher von der Linth, als Geologen, und Herrn Dr. Heinr. Meier, als Alterthumskenner, statt seiner sich nach Meilen (das alte Mediolanum) zu verfügen. Ersterer hatte vor Allem die Frage zu beantworten: ob die gefundenen Pfähle früher am Lande gestanden hätten. Herr Prof. Escher sprach hierauf auf das Bestimmteste aus, daſs die Pfähle den dortigen Terrainverhältnissen gemäſs gleich von Anfang im See gestanden haben müſsten.
Von da an begab sich Herr Dr. Keller mehrere Male nach Meilen, und er überzeugte sich, daſs dort im See auf den Pfählen einst Hütten stunden, ähnlich den Fischerhütten, die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in der Limmat errichtet waren, jedoch mit dem Unterschiede, daſs erstere, gemäſs der Art und Beschaffenheit der zwischen den Pfählen gefundenen Geräthe, bewohnt, letztere jedoch nicht bewohnt waren, sondern nur zum Fischfang gebraucht wurden.