13) Archivar Dr. Ennen zu Köln hat im städtischen Archive daselbst einige Urkunden entdeckt, welche für eine bis jetzt noch im Unklaren gebliebene Partie der deutschen Kaisergeschichte von der höchsten Wichtigkeit sind. Die Chronisten sind nämlich nicht einig darüber, ob der König Adolf von Nassau auf Betreiben des Königs Wenzel von Böhmen oder des Erzbischofs Siegfried von Köln auf den deutschen Königsthron erhoben worden sei. Urkunden, die diesen Zweifel zu lösen in Stande wären, fehlten bis jetzt gänzlich. Dr. Ennen hat nun drei Documente aufgefunden, welche jeden Zweifel in dieser Angelegenheit beseitigen und diese Frage in entscheidender Weise lösen. Dieselben liefern den klaren Beweis, daſs Erzbischof Siegfried es war, welcher, um mit den Worten Adolf’s selbst zu sprechen, „den Grafen von Nassau auf den deutschen Königsthron erhoben hat“. Das interessanteste und wichtigste der Documente ist die umständliche Wahlcapitulation, in welcher der Graf Adolf von Nassau am 26. April 1292 die Bedingungen spezificiert, unter welchen Siegfried unternimmt, demselben die deutsche Königskrone zu verschaffen.

(Köln. Bll.)

14) In Nr. 1 des Anzeigers (Beilage),S. 38 wird ein angeblich zu Frankenmarkt in Oberösterreich ausgegrabener römischer Meilenstein erwähnt. Die theils ungenauen, theils unvollständigen Daten sind folgendermassen zu berichtigen. Im Spätherbst 1865 wurde in der Ortschaft Mösendorf in der Pfarre Vecklamarkt ein römischer Meilenstein ausgegraben. Sockel 22″ hoch, 2′ breit; Schaft 5′ 8″ hoch, oben schief abgebrochen — dessen Umfang 6′ 1″. Die Legende (14zeilig) ist sicher folgenden Inhaltes: „Kaiser Septimius Severus [ trib. pot. VIIII. IMP. XII. COS. II.] und dessen Söhne Cäsar Aurelius Antoninus [gewöhnlich Caracalla — TRIB. POT. IIII.] und Pius (die unmittelbar folgende Stelle am Ende der achten und am Anfange der neunten Zeile ist weggemeiſselt) haben die durch das Alter verfallenen Meilensteine wiederhergestellt, als M. Juventius Surus Proculus als Legat die Provinz verwaltete. 31,000 Schritte von Juvavum.“ Die Jahresangabe der Würden der genannten Personen weisen auf das Jahr 201; denn des Severus trib. pot. VIIII entspricht den J. 201 und 202, Cos. II. aber nur mehr dem J. 201; damit stimmt auch des Antoninus trib. pot. IIII. Dagegen ist des Severus IMP. XII. offenbar ein Versehen des Steinmetzes, da diese Bezeichnung erst im J. 207 zutreffen würde. Uebrigens findet sich nach einer Mittheilung des vaterländischen Archäologen Herrn Gaisberger dieselbe falsche Sigle XII statt XI auf 2 muthmaſslich durch dieselbe Hand bearbeiteten Meilensteinen im Carolino-Augusteum in Salzburg. — Besonderes Interesse gewährt auch die Wegmeiſselung der Stelle, welche offenbar den Namen des jüngeren Sohnes des Septimius Severus — des Geta — enthielt. „Er ward, schreibt Gaisberger (Linzer Zeitung Nr. 7, 11. Januar 1866, wo er über diesen Stein berichtet), von dem eigenen Bruder, dem obengenannten M. Aurelius Antoninus Pius in den Armen ihrer ge meinschaftlichen Mutter Julia Domna im Februar 212 ermordet. Auch durch den Brudermord war der glühende Haſs noch nicht gestillt; alle Freunde und Angehörigen Geta’s muſsten sterben, und damit jede Erinnerung an den gehaſsten Bruder entfernt werde, gab der Wütherich den Befehl, an allen Denkmalen, auf denen der Name „Geta“ vorkäme, diesen wegzutilgen. So findet man auf dem fraglichen Meilensteine bestätigt, was die beglaubigte Geschichte überliefert.“

Interessant ist der Stein auch durch die Angabe des Namens des Ortes, von dem die Zahlung der Schritte begann. — Ob der fragliche Stein ursprünglich am Fundort aufgestellt gewesen sei, ist freilich nicht ausgemacht. Da aber der Sockel vorhanden, würde doch diese Frage eher zu bejahen sein. Freilich hat diese Annahme ihre Schwierigkeit, — aber auch ein nicht gewöhnliches Interesse, indem hiedurch die gewöhnliche Annahme der Richtung der Straſse von Juvavum nach Lauriacum, wie auch in Betreff des Ortes Laciacum, bedeutend in ihrer Sicherheit erschüttert wird, will man nicht etwa diesen Stein als einer zweiten Verbindungstraſse angehörig gelten lassen. Mösendorf liegt südwestlich von Vecklamarkt und zwischen den beiden uralten Punkten Stauf (Stouphi) und Walchen (Walhen) und nordwestlich von Seewalchen, dem angeblichen Laciacum. Am einfachsten scheint wol die Lösung durch Annahme einer zweiten Verbindungsstraſse von Juvavum aus, deren Richtung mehr nördlich an der heutigen Hauptstraſse, welche durch Mösendorf führt, geht. (Vergleiche dagegen 13. Jahresbericht des Museum Francisco-Carolinum in Linz, 1853, S. 28 ff.)

Schieſslich bemerke ich noch, daſs der besprochene Meilenstein von den Besitzern des Fundortes um 20 fl. Oest. W. an die Marktgemeinde Vecklamarkt überlassen wurde.

Lambach, 16. Februar 1866.

P. Pius Schmieder, Archivar.

15) In der Nähe des Ortes Schleitheim bei Schaffhausen ist durch regelmäſsige Ausgrabungen, welche der historisch-antiquarische Verein anstellen lieſs, ein Friedhof aus keltischer Zeit mit 45 Gräbern bloſsgelegt worden. Die Entfernung der Gräber von Nord nach Süd beträgt 8–10′, die von West nach Ost ist bei den einzelnen sehr verschieden. Alle Gräber sind ausgemauert. In einem derselben, welches sehr groſs und breit war, fanden sich die Gebeine von vier Menschen vor; in andern allerhand Gegenstände von Bronze oder Eisen, wie auch Ueberreste von Holz und von Korallen. Letztere wurden nebst einer kleinen Hohlkugel und einem Kreuzchen von Bronze in einem Kindergrabe gefunden. Die andern Fundstücke bestanden aus: 4 Gürtelspitzen, darunter zwei mit schönen Verzierungen, 13 Ohrringen, 6 Fingerringen, sämmtlich von Bronze. Von Eisen waren: 3 Messer, 2 Schwerter und 2 Schnallen. Endlich fanden sich noch eine römische Kupfermünze, der Fuſs eines Thongefäſses und ein Stück von einem Backstein vor. Alle diese Gegenstände wurden dem antiquarischen Cabinet zu Schaffhausen zur Aufbewahrung übergeben.

(Ill. Ztg. u. a. Bll.)

16) Aehnlich wie bei Schleitheim werden bei Bregenz Ausgrabungen betrieben. Unter der Leitung des Fabrikbesitzers Jenny aus Haard, lieferten die Nachforschungen der letzten Wochen sehr befriedigende Ergebnisse. Kleinere Gegenstände, wie Urnen, Lämpchen, Thränenfläschchen, Münzen u. dgl., wurden viele in den geöffneten Gräbern gefunden. Bemerkenswerth sind: eine 5–6 Zoll lange elfenbeinerne Nadel, ein runder metallener Spiegel und Glas urnen von der beträchtlichen Höhe bis zu 2 Fuſs. Auf einem der Lämpchen befindet sich der Name des Töpfers Strobilius, auf einem andern eine schön gearbeitete Abbildung des Sonnengottes, auf seinem mit vier Rossen bespannten Wagen durch die Lüfte sprengend. Hieraus, sowie aus dem Namen Antonin, welcher einigen Münzen aufgeprägt ist, erkennt man mit Sicherheit die Begräbnisstätte des alten Brigantium. (A. Z.) — In einer andern, der Ill. Ztg. zugegangenen Nachricht werden unter den ausgegrabenen Gegenständen noch mit aufgezählt: Thönerne Urnen von 10 Zoll bis 3½ Fuſs Höhe, bronzene Fibulen, Eisengeräthe (Meiſsel oder Lanzenspitzen etc.); eine kugelförmige Glaslampe mit Henkeln, u. dgl. m.