17) Bei Jemelle in Belgien befindet sich ein Stück Land von zwei und einer halben Hektare in Umfang, welches das Todtenbett genannt und seit lange als ein Begräbniſsort aus der Zeit des ersten Einfalls der Franken in das gallische Belgien betrachtet wird. Ein archäologischer Forscher hat kürzlich an dieser Stelle eine Menge Gräber nebst darin liegenden Skeletten bloſslegen lassen, wodurch obige Vermuthung zur Gewiſsheit wird. Ferner wurden an Ort und Stelle eine Framea, ein Säbel, Thongeschirre u. s. w. gefunden. Letztere fanden sich stets zwischen den Knieen der Gerippe aufgestellt und waren leer. Die Gesichter der Skelette sind regelmäſsig gegen Norden gewendet; die Gräber befinden sich in einer Tiefe von 2½ Fuſs und immer eines vom andern 4–5 Fuſs entfernt.
(Ill. Ztg.)
18) Zu Reudnitz bei Leipzig sind im Garten des Buchhändlers Abel zwei Steinbeile nebst dazu gehörigem Schleifstein etwa 2 bis 3 Fuſs tief unter der Oberfläche im gewöhnlichen, nicht sumpfigen Lehmboden gefunden worden. Diese Beile haben genau die Form unserer heutigen kleinen Holzäxte, sind nach der Schneide zu stark geschliffen, aber ohne Loch für den Stiel.
(Dies.)
19) In dem Flusse Lassnitz bei Leibnitz in Steiermark sind unlängst an einer 1½ bis 2 Klafter tiefen Stelle verschiedene Trümmer von Steinen und Säulen entdeckt worden, die augenscheinlich einer längst entschwundenen Zeit angehören. Die hierauf vorgenommenen Aushebungen waren von überraschendem Erfolge gekrönt. Es kamen nämlich mehrere theils glatte, theils gewundene Säulen, sämmtlich von Marmor und von reicher, schöner Arbeit, ferner eine Marmorplatte, die nach ihrer Form zu einem Altar gedient haben mochte, an’s Tageslicht. Ebenso wurden gefunden: eine marmorne Nische, die augenscheinlich eine Statue enthalten hatte, ein groſses Piedestal u. s. w. Sehr viele andere Steine sieht man theils mehr, theils weniger von Schlamm bedeckt. Es scheinen die Trümmer eines römischen Tempels zu sein, welcher in den Fluſs sank, nachdem seine Grundfesten bei einer Ueberschwemmung unterspült worden, wobei die Lossnitz, wie das Terrain zeigt, gänzlich ihren Lauf änderte.
(Dies.)
20) Die Wiederherstellung der Liebfrauenkirche zu Arnstadt im Schwarzburgischen ist nunmehr gesichert. Dieses schönste Ueberbleibsel mittelalterlichen Kirchenbaus in Thüringen war mit der Zeit sehr baufällig geworden. Das Gebäude selbst ist im reinsten gothischen, die vier Thürme aber im romanischen Stil, in der Zeit von 1050 bis 1350 aufgeführt.
(Eur.)
21) Beim Entfernen einer Kalktünche in der Marienkirche zu Greifswald fand man an der Südseite über der Gruft der Familie von Essen ein altes Wandgemälde, das laut der theilweise erhaltenen Inschrift aus dem Beginn des 15. Jahrhunderts herrührt. Das Bild ist 20 Fuſs hoch und besteht aus vier Darstellungen in zwei Abtheilungen; rechts ist Christi Gebet am Oelberg und Christi Geiſselung, links die Kreuztragung und die Kreuzigung zu erblicken.
(Eur.)