Aus einer Notiz vom Jahre 1357 geht hervor, daſs die Juden auf lebendes Pfand borgten, wie das mehrfach in Brandenburg und Meklenburg vorkommt:

„Item (hat der Rath) für einen bei den Juden wieder eingelösten Wallach bezahlt u. s. w.“[12]. Hoffentlich half die Behörde einem Verarmten und war nicht selbst in der Lage, solcherweise borgen zu müssen.

In demselben Jahre entrichteten die Juden am halbjährigen Walburgistermine 4 Fertonen[13], und es wurden im Jahre 1361, ohne Angabe des Termines, 2 Schock Groschen an die Stadt bezahlt[14].

Im Jahre 1369 war die Steuer auf 16 Schock Groschen gestiegen, die in zwei halbjährigen Terminen (Walpurgis und Michaelis) gezahlt wurden[15]. Wir lesen beim Jahre 1372, daſs demjenigen der drei Räthe, welcher im Amt war („dem sitzenden Rath“), Lachs und Wein dargebracht werden muſsten, und gab dieses Anlaſs zu einem Convivium, wozu die „alten Herrn“ eingeladen wurden[16].

Die Notizen im Kämmereibuche vom Jahre 1380 geben mannigfachen Aufschluſs über die Besteuerung der Juden.

„Von den Juden den am Feste des heil. Michael schuldigen Zins mit 8 Schock (Groschen) eingenommen“[17].

„Die Juden bewilligten den Herrn (vom Rathe) 6 Schock breiter (Groschen)“[18]. Hier haben wir unzweifelhaft die petitio, bede, eine erbetene auſserordentliche Steuer, wo die Bitte nicht abgeschlagen werden durfte. Daher reversieren sich auch so oft die Machtgeber, in einer bestimmten Reihe von Jahren keine petitio zu thun.

In dem angeführten Jahre wurden von einem Juden, Namens Salomo, von der innehabenden Wohnung und von der zu Michaelis fälligen Steuer ein Schock schmaler (Groschen) eingenommen[19]. Hier ergibt sich, daſs die Juden nicht Hauseigenthümer waren, sondern bei der Stadt zur Miethe wohnten; und ferner, daſs mit Salomo, als einem neuerdings Zugezogenen, ein besonderer Schutz- und Steuer-Vertrag abgeschlossen worden war.

Nach dem groſsen Brande von 1384 lieſs der Rath „dy huser vnd muren in der Judengasse“ wieder aufbauen, und es wurde an „Jacof Juden eine kemenaten“ gegeben[20]. Eine 167 Schritt lange und 3½-4 Schritt breite Gasse Naumburgs führt noch heute den Namen „Judengasse“. Sie bildet ein Knie und mündet nach beiden Seiten durch einen Thorweg. Es scheint, daſs dieses Ghetto ursprünglich nur einen zu verschlieſsenden Ausgang hatte, womit die in Urkunden vorkommende Bezeichnung Sackwyt übereinstimmen würde, und daſs man einen zweiten Ausgang abwechselnd zulieſs und schloſs. So heiſst es beim Jahre 1394. „Das Thor vor der Judengasse ist dieses Jahr wieder gebrochen worden“[21]. Da unzweifelhaft Christen nicht in der Judengasse, die Israeliten aber hier, wie an anderen Orten, dicht gedrängt wohnten, so muſs es am Ende des 14. Jahrhunderts eine sehr zahlreiche Judengemeinde in Naumburg gegeben haben.

(Schluſs folgt.)