Dem hochgeboren Fursten vnd hern hern Fridrichen herczogen zu Sassen dez heiligen Romischen Reichs Erczmarschalk vnd kurfursten Lantgrauen in Doringen vnd Marggrauen zu Meissen vnzern gnedigen lieben hern.

Hochgeborner Furst vnd Gnediger lieber her. Vnser willig dinst zuuor mit begerung alles guten. Als ewer gnad nu villeicht mag vernomen haben den cleglichen tod vnsers allerdurchluchtigisten hern keysers vnd kunigs, dem got barmherczig sey, doran dann nicht allein vnserm kunigreich, sunder der ganczen kristenheit großer vnrat erstanden ist, haben wir frach solicher gerechtikeit vnser Erbfrawen von Osterreich, vnd nach sulchen verschreibungen die die Cron zu Behem vnd das haws von Osterreich zusamme haben, vff hewt disen tag Sy beide zu vnsern kunig vnd kuniginn gewelet, als Sy dann ouch zu Hungarn eintrechticlich erwelet sind, als wir des schrift gehabt haben, got sei gelobt. Und wann wir bisz vff Ir beyder zukunfft, die obgotwil kurczlich sein wirt, das landt zu Behem vnd seine zugehörung zuuerwesen geseczt sind, vnd das meinen zuschuczen vnd zuschirmen, sunderlich ouch die land Eger vnd Ellbogen, vnd ir stett vnd inwoner, nach dem vnd sy der Cron zu Behem zugehören, vnd vil anfechtung haben, als wir vernemen, vnd dorumb so bitten wir ewer gnad mit ernstem fleiße vnd begern, das Ir euch die vorgenant lant, stett vnd inwoner, vnd was der Cron zugehöret, lasset gütlich beuolhen sein, in helffet vnd ratet, ob sy ymandt beschedigen oder angreiffen wolt, vnd ouch den ewern das zutun nicht gestattet. Und wollet euch in guter nachperschafft beweisen vnd halten, das wir vnd die lande mit euch vnd den ewern in guten willen beleiben mogen, vnd nicht zu zwitrecht komen, als dann von solichem zugreiffen komen mocht. Das wollen wir vmb ewer gnad gern verdienen, vnd des danknem sein. Geben zu Prag, an sant Johans Ewangelisten tag.

Ulrich von Rozenberg. Menhard vom Newenhaus, Oberster Purggraf zu Prag. Alsso von Sternberg. Peter von Michelsper(g). Hans von Colowrat. Jan von Smyrzicz. Jan von Cunwald vndercamrer. Vnd Burgermeister und Rate der Großen vnd Newen Stete zu Prage.

Das Jahr fehlt in der Urkunde; aber die deutliche Be zeichnung des Tages, welcher mit den anderweitigen Angaben über den Tag der Wahl Albrecht’s und Elisabethens übereinstimmt, sowie der übrige Inhalt der Urkunde lassen über dasselbe nicht den mindesten Zweifel. Der Brief, auf Papier geschrieben, war mit acht Petschaften versiegelt. Eines derselben ist abgerissen, ein anderes verwischt und unkenntlich geworden. Zwei Siegel scheinen dem Geschlechte der Rosenberge anzugehören, ein anderes den Kolowrat. Das sechste zeigt einen gespaltenen Schild mit geschlossenem Adlerflug auf dem Helme innerhalb eines länglichen Vierpasses, und die Umschrift enthält die Worte: S. Petr. Zmr. chatowitz. Vielleicht bezieht es sich auf Peter Zmrzlik, welcher von Palacky unter den tüchtigen Mannen des Richterstandes genannt wird[176]. Die beiden größern Petschafte sind diejenigen der beiden Städte von Prag mit den entsprechenden Legenden: Secretum civium Pragensium, und: Secretum novae civitatis Pragensis.

Der Fürst, an welchen das Schreiben gerichtet wurde, war Friedrich der Friedfertige, Sohn Friedrich’s des Streitbaren, welchem nach dem Erlöschen der wirttenbergischen Linie des askanischen Hauses seit 1423 die kurfürstliche Würde zugefallen war. Die an denselben gerichtete Aufmahnung zur Handhabung der Ordnung in den Grenzgebieten darf kaum als Mißtrauen gegen ihn selber ausgelegt werden, da dieser Fürst längst schon seine Treue gegen das Luxemburger Haus thatsächlich bewiesen hatte und dieselbe bald nachher auf’s neue bewährte. Das Schreiben, welches schon im Allgemeinen eine gewisse Besorgniß und Unruhe über die herrschende Stimmung verräth, faßt insbesondere die gegen Sachsen hin gelegenen Landschaften Elnbogen und Eger in’s Auge, wo der Graf Kaspar Schlick von Lažan reich begütert war. Worin nun aber gerade dort die ruhestörerischen Vorgänge, welche das Schreiben im Auge hat, bestanden haben mochten, ob in friedebrüchigen Einfällen und gewaltthätigen Wegnahmen von Seiten des benachbarten sächsischen Adels, ob in geheimen Aufstiftungen und Anfädelungen der hussitischen Partei, — dieses nachzuweisen und deutlich zu machen, muß ich dem Forscher und Kenner der Specialgeschichte überlassen.

Nürnberg.

A. Flegler.

Die Reliquienbehälter in der Sammlung kirchlicher Alterthümer im germanischen Museum.

Die Verehrung der Reliquien hat im Mittelalter den verschiedenen Künsten, vorzugsweise der Goldschmiedekunst und ihren Schwestern, der Kunst des Emaillierens, des Niello, aber auch fast allen andern Künsten, so der Stickerei, der Kunst des Holzschnitzens u. A., Gelegenheit gegeben, sich auf’s glänzendste zu bethätigen. Die Aufzählung der kostbaren Gefäße zur Aufbewahrung der Reliquien bildet in den Schatzverzeichnissen selbst weniger bedeutender Kirchen lange Serien, und noch heute bewundern wir in Kirchen und Museen manches überaus kostbare Stück. Die Reliquienbehälter zeigen die allerverschiedensten Formen und alle denkbaren Dimensionen. Von der gewaltigen Wallfahrts- oder Stiftskirche, oft blos als Aufbewahrungsort der Reliquien gebaut, von den großen Prachtschreinen, in denen Reihen von Reliquien und kleinen Gefäßen aufbewahrt wurden, bis zu den größeren und kleineren sarg- oder hausartigen Kästchen und zu den allerkleinsten, die man als Amulette am Hals trug, finden wir die Reliquienbehälter in den verschiedensten Formen und Größen. Ja, man verwendete nicht blos die dafür gefertigten Gefäße und Geräthe zur Aufbewahrung von Reliquien; jedes kostbare Geräth, das man zur Hand erhielt, wurde seiner Kostbarkeit wegen würdig befunden, als Hülle für Reliquien zu dienen. So findet man eine Anzahl elfenbeinerner oder holzgeschnitzter und bemalter Kästchen, deren höchst profane Darstellungen sofort zeigen, daß sie nicht für kirchlichen Gebrauch bestimmt waren, als Reliquienbehälter in Kirchen verwendet. Wir begegnen selbst Töpfen und Trinkgefäßen, die Reliquien in sich bergen, obwohl sie durch ihre rohe und einfache Form zeigen, daß ihnen so ideale Bestimmung nicht beigelegt wurde, als man sie fertigte. Auch orientalische Gläser, fremde Gold- und Seidenstoffe wurden zum Reliquiendienste benützt.

Die Bedeutung der Reliquien war für jene Zeit eine sehr wichtige. Wie wir heute Andenken an Freunde und Verwandte besonders in Ehren halten, wie wir Blumen von den Gräbern unserer Lieben aufbewahren, wie mancher Enthusiast die Schuhe oder Hüte großer Männer mit Verehrung betrachtet, so das Mittelalter die theuern Ueberbleibsel derer, die man als die größten Männer und Frauen verehrte, der Heiligen, die, schon zu Gott aufgenommen, ihre Bitten mit den Gebeten der Menschen vereinigen sollten, welche ihnen in ihren Resten Verehrung bewiesen. Wie aber heute die Verehrung unserer Größen zu Uebertreibungen führt, wie Speculationen auf die Leichtgläubigkeit in großer Zahl vorgenommen werden, so hatte auch die große Verehrung für die sichtbaren und greifbaren Andenken an die Heiligen zu förmlichem Reliquienhandel getrieben. Ebenso hatte die Industrie eine große Zahl von Reliquiengefäßen hervorgerufen, die, nicht für ganz bestimmte Reliquien, sondern als Marktartikel in Masse gefertigt, weithin versendet und von Kirchen und Privaten gekauft wurden, um darin ihre Reliquien aufzubewahren. Solche Gefäße haben denn alle eine ähnliche Form; daher auch die große Zahl fast ganz identischer, mindestens in der Grundform gleicher Reliquiengefäße, die sich überall vorfinden, während die auf eigene Bestellung gemachten Gefäße zur Aufnahme bestimmter Reliquien durch eine unerschöpfliche Mannigfaltigkeit der Formen, meist auch durch besonderen Reichthum und auserlesene Kostbarkeit sich auszeichnen.