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Vermischte Nachrichten.

55) Aus Oberfranken. ( Höhlen- und Gräberfunde ). Der bekannte Forscher Hans Hösch auf Neumühle hat in diesem Winter 4 Höhlen in Oberfranken ausgraben lassen, davon eine im Wiesentthal zwischen Behringersmühle und Muggendorf, zwei im Püttlachthal, eine bei Bärenfels und eine im Ailsbachthal. In sämmtlichen Höhlen fanden sich mehrere Aschenschichten übereinander und in der untersten Schicht Stein-, Knochen- und Hornwerkzeuge und eine Menge zerschlagener und verbrannter Knochen. In einer derselben fanden sich auch in der 2. Schicht 2 Bronzeringe und eine Fibel. Außerdem wurden auch in einer Höhle nur fossile Knochen ausgegraben und die kleineren Knochen Herrn Dr. Nehring in Wolfenbüttel zur wissenschaftlichen Bearbeitung geschickt. Mehrere Grabhügel ließ Herr Hösch bei Geiselhöhe, südwestlich von Pottenstein, öffnen und wurden in einem derselben 2 lange Nadeln, einige Schildbuckeln, einige defekte Gegenstände von Bronze und eine sehr starke, aber ganz roh gearbeitete eiserne Lanzenspitze gefunden. In den übrigen Hügeln waren die Skelette ohne Beigabe. Ebenso war es unmöglich, einen Schädel herauszubringen, da dieselben von den darauf liegenden Steinen ganz zerdrückt waren. Bis jetzt sind ohngefähr etliche 30 Grabhügel von Hösch geöffnet und circa 12 Höhlen und Urwohnungen ausgegraben worden. Zur Zeit werden einige Grabhügel bei Breitenlesau geöffnet.

(Nürnb. Presse, Nr. 113.)

56) Die auf dem Reinhardt’schen Grundstücke vor dem Königsthore in Bautzen vorgenommenen Ausgrabungen sind, wie wir hören, für jetzt geschlossen worden. Die Art und große Zahl der Funde, (außer vielen Bronzegegenständen über 500 Gefäße in ca. 80 Gruppen) haben auch mehrere auswärtige Autoritäten auf diesem Gebiete zu eigener Besichtigung und persönlicher Vornahme der betr. Arbeiten veranlaßt, durch welche soeben festgestellt wurde, daß das früher erwähnte Steinbanquet nicht eine Leichenverbrennungsstätte, sondern ein nur durch solchen Steinbau ausgezeichnetes Grab (wahrscheinlich eines Häuptlings) ist. Es fanden sich darunter verschiedene Urnen und andere Gefäße, welche jedoch durch die Steinlast auffallend gelitten haben, sowie auch Ringe und Nadeln aus Bronze. Uebrigens gewinnen die Funde um so mehr an Interesse, als sie nach dem bewährten Urtheil des Herrn Dr. Voß aus Berlin nicht wendischen Ursprungs sind, sondern von altgermanischen Völkern aus der vorrömischen Kulturperiode unseres Landes, das heißt aus dem fünften bis dritten Jahrhundert vor Christi Geburt, herrühren, mithin über 2000 Jahre alt sind. Ist diese Ansicht richtig, woran bei der Fachkenntniß der genannten Autorität kaum zu zweifeln, so erregt der wohlerhaltene Zustand und die relativ geschmackvolle Ausführung der meisten Fundgegenstände gerechte Bewunderung.

(Zittauer Morgenzeitung vom 9. Mai.)

57) Fund eines Germanengrabes bei Düsseldorf. Als man kürzlich auf dem Grundstücke des Herrn Inspektors Remkus in Kleineller, in der Nähe einer wasserreichen Niederung und nicht weit von der Fundstelle der hübschen terra sigillata-Schüsseln entfernt, ein Sandlager abtrug, stieß man auf das Grab eines Germanen. Es bestand aus einer einfachen Grube in der eine Thonvase beigesetzt, welche außer halbverbrannten Menschenknochen eine Gewandspange aus Erz und ein Klümpchen zusammengeschmolzenes Metall barg. Die Vase von 13½ Ctm. Höhe und 18 Ctm. Durchmesser ist mit Zuhilfenahme der Töpferscheibe aus unserem gewöhnlichen blauen Thon, dem zur größeren Festigkeit fein gestampftes Gestein beigemengt ist, gebildet. Die Gestalt erinnert an die napfartigen römischen Schüsseln mit hohem Fuße.

(Düsseldorfer Anzeiger, Nr. 110.)

58) Augsburg, 25. April. Während der größte Theil der Aschenurnen des hiesigen Museums dem Gräberfeld entnommen ist, das sich zwischen dem von Wohnlich’schen Gartengut und dem Theil des Rosenauberges hinzog, auf dem jetzt die Hauptgebäude des Bahnhofes stehen, haben neuere Ausgrabungen gezeigt, daß auch auf der Nordseite der alten Stadt ähnliche Reihen von Graburnen sich vorfinden. In dem Anwesen des Brauereitechnikers Madlener (Eisenhammerstraße J 32 4/a), der vor. Sommer in seinem Garten eine Sandgrube öffnen ließ, wurden nach und nach gegen 20 Urnen ausgegraben, die anfangs leider nicht gehörig beachtet wurden, weswegen auch nur einige Bruchstücke derselben zu Tage kamen; später, da dieselben in einer gewißen Regelmäßigkeit sich vorfanden, wurde mit größerer Vorsicht vorgegangen, daß nun wenigstens vier ziemlich unversehrt zu Tage gefördert wurden. In denselben fand sich unter anderen ein vortrefflich erhaltenes Grablämpchen mit dem Stempel ATIMET, ganz so wie das in M. Mezger „Die römischen Steindenkmäler im Maximiliansmuseum zu Augsburg“ 1862, S. 63 beschriebene, sowie eine ziemlich von Rost zerstörte Münze von Augustus; dieselbe zeigt auf dem Avers: divus Augustus pater, dessen Haupt mit der Zackenkrone; Revers: ein Altar, zu den Seiten SC., unter demselben: PROVIDENT.

(Augsb. Postztg. Nr. 100, nach der Allg. Ztg.)