59) Worms, 26. April. In der Nähe des Gymnasiums kamen beim Ausgraben für das Fundament eines Neubaues fränkische Gräber zum Vorschein. Nachdem schon vor einigen Wochen mehrere aufgedeckt worden waren, wobei eine fränkische Lanze, ein Hiebmesser (Scramasax), 2 kleine Messer, eine Gürtelschnalle aus Bronze, Perlen, Gefäße etc. gewonnen wurden, schritt man gestern ebenfalls zur Eröffnung eines solchen. Es barg die Gebeine einer alten fränkischen Frau. Es fanden sich ferner die charakteristischen Attribute der Frau: eine Anzahl Perlen, ein Fingerring, eine Spindel, der Rest einer größeren Gürtelschnalle von Eisen, ein fränkischer Krug in Scherben und eine Messerklinge. Werthvollere Schmucksachen, wie sie in den Gräbern bei Wies-Oppenheim gefunden wurden, waren nicht vorhanden.
(Wormser Ztg., Nr. 98).
60) In der Nähe von Randers in Jütland ist in der letzten Aprilwoche ein interessanter, aus dem Beginn der Eisenzeit stammender Fund gemacht worden. Beim Pflügen auf einer kleinen Höhe stieß man nämlich auf ein Hünengrab. Der hiervon benachrichtigte historische Verein in Randers ließ nun eine Ausgrabung vornehmen, unterbrach jedoch die Arbeit, als rund um die Höhe eine Menge Urnen und in derselben, wie es schien, ein mit Eisen beschlagener Sarg angetroffen wurden. Auf telegraphische Mittheilung von dem Funde wurden seitens des hiesigen altnordischen Museums sogleich die Professoren Engelhardt und M. Petersen dorthin gesandt, um die weitere Untersuchung zu leiten. Es zeigte sich nun, daß die in dem Grabe beigesetzte Leiche in einem eichenen, mit starken eisernen Reifen beschlagenen Sarge gelegen hatte. Von der Leiche war keine Spur mehr übrig und von dem Sarge nur noch einige Stückchen, während das Eisen, wenn auch stark verrostet, noch so gut erhalten war, daß man danach die Höhe und Breite des Sarges berechnen konnte. In letzterem war augenscheinlich ein weiblicher Leichnam in prachtvoller Ausstattung beigesetzt worden. Außer einer Menge Schmuckgegenstände wurden eine Nähnadel, eine Scheere und ein kleiner Schleifstein gefunden, ferner Ueberreste von einer Art Pelz, der reich mit Perlen besetzt gewesen und von denen mehrere in Gold gefaßt waren. Einige stark oxydierte Münzen werden nach der Reinigung Auskunft darüber geben, aus welcher Zeit der Fund stammt. Eine sofort vorgenommene Untersuchung der Umgebung dieses Grabes ergab nach der „Voss. Ztg.“ die Thatsache, daß man es hier mit einem schon seit dem Steinalter benützten Begräbnißplatze zu thun habe; es soll in Folge dessen in diesem Sommer eine systematische Aufdeckung desselben vorgenommen werden.
(Nordd. Allg. Ztg., Nr. 219.)
61) Die Bloßlegung jener interessanten Theile der Burg Heinrichs des Löwen zu Braunschweig scheint nicht die Folge zu haben, daß die Reste in der einzigen Art, wie sie dauernd erhalten werden können, der Nachwelt aufbewahrt werden sollen, nämlich durch Restauration und Wiederaufbau, insbesondere durch Schutz mittelst eines Daches. Die deutsche Bauzeitung schreibt darüber in ihrer Nummer 37: „Nach der Mittheilung in Nr. 25 u. Bl. hat es sich vollkommen bestätigt, daß die sog. Burgkaserne in Braunschweig „ der Saalbau Dankwarderodes, des von Heinrich dem Löwen erbauten Palatiums “ ist. Es schien uns nach jener Bestätigung die Erhaltung dieses höchst werthvollen Profanbaues des 12. Jahrhunderts nicht mehr zweifelhaft zu sein, und doch haben neuerdings erstaunliche Vorfälle in Braunschweig gelehrt, daß an maßgebender Stelle daselbst sich Gelüste zeigen, nicht eine ruhige, bereits angeordnete Untersuchung des Saalbaues abzuwarten, um sich danach über die Art der Wiederherstellung entschließen zu können, sondern dem von den städtischen Kollegien einmal gefaßten Beschlusse nachzugehen, und das in sich starke Gebäude mit einer Ostwand, in welcher sich, ähnlich wie in Goslar, Gelnhausen, Wimpfen und an der Wartburg, Fensterarkaturen zeigen, zu einer kleinen, von Akazienbäumchen und Syringen umgebenen Ruine umzugestalten.
Der Arch.- und Ing.-Verein in Braunschweig hat bereits durch einen Entwurf von Straßenzügen an der betreffenden Stelle zur Genüge dargethan, wie bei Erhaltung und Ergänzung der Dankwarderoder Burg in vollkommenster Weise dem von Westen nach Osten aufzubessernden Verkehrswege genügt werden und der östlich sich anschließende ausgedehnte fiskalische Grund und Boden zu der Anlage großartiger, für die Stadt nothwendiger Bauten verwendet werden kann, so daß die alte Burg mit der Burgkirche inmitten einer reichen neuen Welt einen gebührenden ehrenvollen Platz einnehmen würde. Hoffen wir, daß der Sinn für Historisches und Erhaltung alter ehrwürdiger Monumente in Braunschweig so überwiegend groß sein möge, daß an maßgebender Stelle die Ruinenfreunde unterliegen, oder sich zum Besseren bekehren, damit wir ihnen freundlich die Hände wieder reichen können.“
62) Regensburg, 23. April. In der St. Ulrichskirche, die gegenwärtig dem historischen Vereine zur Unterbringung seiner römischen und germanischen Alterthümer eingeräumt ist, wurden dieser Tage interessante Ueberreste von Freskomalerei aus dem 13. Jahrhundert entdeckt. Besonders sehenswerth ist die ornamentale Einfassung des aufgedeckten Bildes, welche den Uebergangsstil aus der romanischen zur gothischen Bauart zur Anschauung bringt.
(Fränk. Kurier Nr. 213).
63) Anfangs April d. J. fand man bei Erweiterung des Kirchhofes zu Kleinschönau bei Zittau in ½ Meter Tiefe in geringer Entfernung von einander zwei Thongefäße mit alten Silbermünzen. In dem einen Gefäße befanden sich lauter Prager und Meißener Groschen und in dem anderen außer erwähnten Groschen noch eine größere Anzahl kleiner Meißener Münzen. Das Gefäß ist leider von den Arbeitern zerschlagen worden, und in die Münzen haben sich dieselben getheilt.
64) Nürnberg, 17. April. Am vergangenen Donnerstag wurde in dem zwischen Stein und Zirndorf gelegenen Orte Oberasbach ein interessanter Fund gemacht, indem beim Vergrößern einer Dungstätte eine große Anzahl Münzen, wol gegen 2000 Stück aufgefunden wurden. Es befinden sich darunter zwei Nürnberger Lorenzer Goldgulden von 1533 und 1538, 1 Thaler der Stadt Kaufbeuren und 10 weitere brandenburgischen, sächsischen, öttingen’schen etc. Gepräges, einige Halb- und Drittelsthaler, meist ebenfalls sächsischen Gepräges. Die übrige große Masse besteht aus Scheidemünzen des 16. Jahrhunderts; sie sind so stark oxydiert, daß von vielen das Gepräge nicht mehr zu erkennen ist. Da die jüngsten der gefundenen Münzen aus den Fünfziger Jahren des 16. Jahrhunderts herrühren, so ist der Schatz wahrscheinlich 1555–60 an den Fundort gebracht worden.