Die Kniee haben einen eigenen Schutz durch eine Kachel aus Eisen oder Leder, die ebenfalls gegen unten verzierte Zackenspitzen hat, die auf dem Kettengeflechte der Beine liegen, welche ähnlich wie bei der andern Figur blos mit diesem bedeckt sind. Auch die Befestigung der Sporen ist bei beiden gleich. Das Ueberkleid, welches bei Gottfried von Fürstenberg fast bis zu den Füßen reicht, ist hier sehr kurz, kaum mehr noch als eine verzierende Reminiscenz an ein ehemals ge tragenes Gewandstück. An den Seiten aufgeschlitzt, auf der Schulter ganz schmal, aber unter den Achseln und dem Oberrand mit einer Borte gesäumt, ist es am untern Rande spitzenförmig ausgezackt.

Auch die Aermel der Brünne sind ganz kurz, dagegen die Vorderarme durch eine besonders aufgeschnallte, wol lederne, unter die Brünne greifende Stulpe (Armschiene, Brazel?) geschützt. Die Handschuhe sind wol ganz beweglich.

Fig. 1.

Der Helm, dessen Zimier leider ganz weggemeißelt ist, hat die Form, für welche der moderne technische Ausdruck Kübelhelm allgemein ist (wol das Helmfaß der Alten?), und ist mit einer Kette am Unterrande versehen, die entweder vorn auf der Brust oder, da sie so zu kurz wäre, vor der linken Achsel befestigt ist, so daß der Träger ihn über die Beckenhaube stülpen kann. Auf der rechten Brust sieht durch einen Schlitz des Obergewandes ein Ring heraus, der am Schuppenpanzer befestigt sein muß, von welchem zwei Ketten herabhängen. An der einen ist der Knauf des Dolches befestigt; die andere dient dazu, ähnlich am Knaufe des Schwertes eingehakt zu werden, so daß Schwert und Dolch, wenn sie gebraucht wurden, nicht blos in der Hand beweglich waren, sondern auch nicht stets wieder in die Scheide geschoben werden mußten, sondern daß sie der Ritter einfach aus der Hand fallen lassen konnte. In welcher Weise die Dolchscheide am Körper befestigt und ob überhaupt eine Scheide vorhanden war, läßt sich aus der plastischen Darstellung nicht entnehmen. Dagegen ist die Lederscheide des Schwertes und der anzuschnallende Gürtel, an welchem die Scheide getragen wurde (Schwertfessel) sehr deutlich dargestellt.

Der Schild hängt an einem Bande (Schildfessel) über die rechte Schulter.

Als Beitrag zur Kulturgeschichte überhaupt sei hier noch darauf aufmerksam gemacht, daß auf den Grabsteinen des 13. Jahrhdts. bis zum Schlusse desselben und wol in das 14. Jahrh. hinein die Ritter in der Haustracht, nicht in der Rüstung dargestellt sind, daß sie aber das in der Scheide steckende Schwert mit umgewundener Schwertfessel theils, ähnlich wie bei dem Fürstenberg’schen und diesem Grabstein, neben sich haben, theils in der Hand tragen, in der zweiten Hälfte des 14. Jahrh. jedoch es umgeschnallt haben; ebenso tragen sie sodann auch die Handschuhe, welche unser Hohenlohe neben sich hängen hat, an der Hand selbst.

Fig. 2.

Wir verweisen hiefür aufFig. 2, gezeichnet nach unserem Gipsabgusse des marmornen Grabsteines des 1371 verstorbenen Otto von Pienzonau in der Kirche zu Ebersberg. Die Beckenhaube hat bereits spitze Form. Die Befestigung der Halsbrünne an derselben ist deutlich zu ersehen; das Kettengeflecht der Brünne ist noch etwas kürzer geworden als bei Fig. 1; an Stelle des faltigen Ueberkleides aber ist ein anliegendes getreten, das, nach anderen Beispielen zu schließen, auch hier als ledern zu denken ist (Küriß, curassa), eine Verstärkung der Schutzwaffen bildete und an der Vorderseite zusammengenestelt ist. Die Handschuhe entsprechen dem auf Sp. 242 abgebildeten Originale. An den Beinen ist nicht blos der besondere Knieschutz zu sehen, der sich auch bei Fig. 1 findet, sondern sowohl Schenkel, als Waden sind mit Beinbergen versehen, deren Material aus unserer plastischen Darstellung nicht erkennbar ist, die also sowohl von Leder, als von Eisen sein können. Sie liegen über dem Knieschutze, welcher vielleicht aus elastischem Material bestand. Die Füße haben Schuppenwerk, so daß es fraglich erscheint, ob überhaupt noch Eisenhosen unter den Beinbergen vorhanden sind. Die Sporen haben bereits sternförmige Räder. Am Untertheile des Kürisses ist ein Gürtel befestigt, der wol die Schwertscheide trägt. Die Kette des Schwertes ist unterhalb des Knaufes am Griffe desselben befestigt, die Kette des Dolches unmittelbar über der Klinge. Eine Scheide desselben scheint vorhanden, ohne daß die Art der Befestigung an dem Kürisse zu erkennen wäre. Noch sei auf den Speer mit dem Fähnlein aufmerksam gemacht. Außer dem am Halse angeketteten Helmfasse steht noch ein zweites neben dem Haupte, wol nur aus heraldischen Gründen, um ein zweites Zimier darauf anbringen zu können. Der Schwertknauf hat die runde Form abgelegt und ist polygon geworden. Der Schild hat die Oeffnung zum Einlegen des Speeres.

Im Anschlusse an die plastischen Darstellungen dieser beiden Grabsteine werden wir im nächsten Aufsatze noch einige im Museum vorhandene Originalwaffen besprechen, welche durch diese Grabsteine erläutert und näher bestimmt werden.

Nürnberg.