Deutsche Ritter wurden die Herren dieser Gegend. Viele derselben haben sich hohe Verdienste um die Standesherrschaft erworben. Sie sorgten für das Volk, für sein geistiges und materielles Wohl. Unter den spätern Standesherrn sind besonders zu nennen die edlen, frommen Burggrafen zu Dohna, vor allen aber die Reichsgrafen von Callenberg, welche von 1644 bis 1795 die Wohlthäter und Beglücker der Gegend waren.
Diejenigen Länder bedürfen am meisten, wie des Trostes der Religion, so der Fürsorge ihrer Herren, in welchen nach unabänderlichem Gesetze der Weltentwicklung eine Nationalität der andern weicht; denn in der Nationalität wurzelt die Gesittung und manche herrliche Tugend. Auch hier wird das deutsche Element immer überwiegender. Der Standesherrschaft Muskau ist das Glück geworden, unter den Königen Preußens zu stehen und einem milden, königlichen Prinzen zu gehören. —
Noch einmal durchziehen die Blicke das Land von den Bergen im Süden bis weithin über die Haiden gen Norden. Die Sonne taucht hinab hinter den Wald, und die feierliche Nacht steiget herauf. In andächtigem Schweigen ruhet das grüne Revier. Kaum vernehmbar tragen die Westwinde die Klänge der Betglocke vom fernen Kirchthurme über die Gipfel der Bäume bis zu der Höhe, auf welcher wir stehen: — Gott segne und schütze dich, heimathliche Lausitz!
XVIII. Der Feuerschein.
Oft ist im Dunkel des Abends oder der Nacht nach der Gegend hin, in welcher Muskau liegt, ein rother Schein sichtbar. — Durchbricht dort die Flamme das Dach und sprengt sie die Banden, in welchen sie der Mensch hält? Ist sie eben im Begriff, sich ihrer zerstörenden Allgewalt zu freuen und in den Stürmen zu jauchzen und zu frohlocken? Wird das freundliche Städtchen wiederum von einem Brande heimgesucht, in welchem es oft in Asche und Trümmer gesunken? — Rascher nähert sich der Wandrer der Stadt; aber keine Sturmglocke ertönt, und überall ist der Frieden der Nacht. Ein langer, schwarzer Rauchstreifen zieht über das Neißthal oder hat sich in der Form einer Säule höher, als die Berge erhoben, an welche sich das Städtchen lehnt. Lustig tanzet die Flamme über dem kurzen Schornsteine und emsig wird sie genährt und vergrößert. Helles, gelbes Licht ergießt sich aus des Ofens Mündung über die Gegenstände der Nähe. In matterem Grün überranket der Weinstock die erhellte Wand des Hauses, und in eigenthümlicher Beleuchtung stellen sich die nächsten Gruppen des Parks dar. Blasser glänzet der Mond am Himmel ob des fröhlichen Feuers auf Erden. Je weiter von demselben, desto mächtiger wird die unterbrochene Herrschaft der Nacht und des Dunkels. Doch an dem Heerde der Flamme freuen sich fleißige Arbeiter; denn ihrer Hände Werk soll durch des Feuers bildende Kraft die letzte Vollendung erhalten. — Eins der stärksten Gewerke Muskaus ist das der Töpfer. Selten vergeht ein Tag, an welchem nicht einer der vielen Oefen geheizet würde. —
Wie die Kunst den Thon zu formen eine der ältesten ist, wie sie geübt wurde von den Hebräern, Phöniziern, Etruskern, so hatten es auch die alten Slaven in derselben gar weit gebracht. Davon zeugen die Urnen, welche in alten Begräbnißplätzen und anderweitig gefunden werden. Die Töpferei ist ein Gewerk, welches von den ältesten Zeiten an hier gewesen ist und welches früher vielleicht noch mehr blühte, als jetzt. Der Muskauer Kantor Crusius berichtet in seiner Kirchenzierde, daß zu seiner Zeit, um 1650, viel Muskauer Töpfergefäß in andere Länder, auch wohl über die See weggeführt, dagegen manch’ Thaler anhero gebracht worden sei. Anm. z. V. 199. Der berühmte, viel besuchte Muskauer Topfmarkt war auf dem Kirchplatze, und es mußte Jeder, der da seine Töpfe feil bot, einige derselben als Standgeld an die Herrschaft abgeben — eine Abgabe, auf welche die Gräfin Ursula Catharina in der Sorge für das Hauswesen in höchst eigener Person hielt. Ein großer Nachtheil erwuchs einst den hiesigen Töpfern aus dem Verbote, die schlesischen und brandenburgischen Märkte zu besuchen. S. Lang. S. 24.
Der Boden um Muskau, auf der Grenze der Ober- und Niederlausitz, enthält vortreffliche Thonlager; das Holz zum Brennen des Geschirres hatte aber früher in der waldreichen Gegend kaum einen Geldwerth. Der geschmeidige Thon verhärtet im Ofen zum klingenden Steine. Dieses Steingefäß zeichnet sich vor andern Fabrikaten nicht nur durch seine Festigkeit und Dauerhaftigkeit, sondern auch ganz besonders dadurch aus, daß die Glasur auf’s Innigste mit der Masse verschmilzt. Crusius nennt es „fein und frisch“ und giebt damit wohl die uralte Eigenschaft desselben an, in welcher es zum Aufbewahren von Flüssigkeiten, die es frisch erhält, besonders geeignet ist. Aus dem hiesigen Thone werden mancherlei Gefäße geformt als Flaschen, Aesche, große zweihenklige Töpfe, besonders aber die mannigfach verzierten Krüge. Um 1800 wurden jährlich gegen 6000 Ellen thönerner Röhren nach Böhmen und der Oberlausitz versendet. Der sel. Superintendent Vogel gab eine Art derselben an, in welchen das Wasser steigen und dem Drucke widerstehen kann. Auch Tabakspfeifen, welche sehr gesucht waren, formte man sonst aus hiesigem Thone. — Merkel: Erdb. v. Kursachsen VI, 74.
Das Töpfergewerk zählt zur Zeit 14 Meister. Noch immer ist das Muskauer Geschirr berühmt und gesucht. Mancher hoch beladene Frachtwagen geht nach Böhmen, bis in die Kaiserstadt Wien, wo der Name „Muskauer Steingefäß“ einen guten Klang hat; manche Sendung wird zu dem Schwielung-See oder zur Oder, und von da nach Hamburg, Stettin, Danzig, ja selbst nach Amerika geführt. Während die Tuchmacherei in hiesiger Stadt ganz aufgehört hat, — nach der handschriftlichen Chronik von Abraham Hoßmann soll es einst an 200 Tuchmacher in Muskau gegeben haben, und noch um 1800 werden solche erwähnt — blüht noch immer das alte, ehrenwerthe Töpfergewerk.
Es ist gar interessant, dem Arbeiten in einer Töpferwerkstatt zuzuschauen. Da dreht sich die zirkelnde Scheibe, da formt sich unter geübten Händen in kürzester Frist die geschmeidige Masse, da erhält sie alsbald die verschiedensten Gestalten in Aeschen, Krügen u. s. w., da sieht man so recht, wenn auch im Kleinen, die Biegsamkeit und Formbarkeit der Materie, die Beherrschung derselben durch den Menschen. Ist auch alles Irdische und Irdene zerbrechlich, ist die Scherbe oft ein Bild des hinfälligen Menschenlebens: — so sei doch der Name „Muskauer Steingefäß“ bedeutungsvoll für die Zukunft des alten, löblichen Gewerkes! Mögen jene zahlreichen Flammen, welche den Thon verglasen, nimmer verlöschen im Neißthale!