Die Deutschen errichteten hier, wie anderwärts, eine Burgwarte, welche zunächst dazu bestimmt war, ihre Herrschaft über den Gau zu befestigen und die wohl auch später zur Schutzwehr in den Fehden, vielleicht auch als Feste gegen die Feinde des Reiches gedient hat. In der Nähe des also geschützten Ortes mochten sich Viele ansiedeln, und so mag die Neustadt und die Schmelze entstanden sein. Wo aber das Schloß ursprünglich gestanden hat, läßt sich nicht bestimmen. — Wenn Langner S. 12 behauptet, Muskau sei einst viel größer gewesen und habe sich 1½ Stunde weit über den Berg bis Keula hingezogen, so ist dies wohl ebenso eine Dichtung, wie die Angabe Hoßmanns, daß der Ort durch Heinrich I. Stadtrechte und die herrlichsten Privilegien erhalten habe. Muskau ist erst den 29. September 1452 von Wenceslaus von Bieberstein mit Stadtgerechtigkeit begnadet worden. Verz. oberl. Urk. I, 2. S. 69. Gleichwohl mochte sich schon früher unter der Obhut tüchtiger Herren der Gegend, unter den Herren von Ileburg, Kittlitz, Penzig, ein kräftiges Gemeindewesen entwickelt haben. Deshalb konnte Hoßmann dichten, daß ein Probst von Muskau Folgendes an einen Markgrafen von Oesterreich geschrieben habe: „In diesem Städtlein wird die Religion mit sonderbarer Andacht auf die Nachkommen gepflanzet und täglich mit Ernst geübt. Die Bürger allhier trachten nicht nach Ehren, sondern nach dem gemeinen Nutzen, und wird von der Obrigkeit den Armen, wie den Reichen Schutz gehalten, und ist in unserm Städtlein kein heimlicher Haß bei den Menschen zu finden; man hütet sich auch allhier vor kindischen Rathsherrn, sondern trachtet nach ehrbaren Personen &c.“ — Nach dem astrologischen Aberglauben des Mittelalters standen die Orte unter dem Einflusse gewisser Sternbilder. Ueber Muskau sollen der Mercur und die Jungfrau ihre Macht ausgeübt haben, was Hoßmann auch gar nicht zweifelhaft findet, denn die Bewohner der Stadt haben sich von je her durch ihre Geschicklichkeit ausgezeichnet; auch ist ihnen eine jungfräuliche Schamhaftigkeit eigen gewesen; dazu haben sie feine ingenia besessen, wie sich ja auch Viele in Künsten und Wissenschaften hervorgethan haben. — Nach dem Chronisten ist also Muskau und seine Umgegend nie ein Böotien der Lausitz gewesen. —

Wie die Herren von Bieberstein, sorgten später die Herren von Schönaich für die Stadt. — Fabian von Schönaich, derselbe, welcher in der Schlacht bei Mühlberg am 24. April 1547 den Herzog Ernst von Braunschweig-Lüneburg gefangen nahm, ließ 1564 die 1502 aus Zimmerholz in der Leschzina, nicht weit von der Neißbrücke, erbaute Kapelle abbrechen und auf dem neuen Kirchhofe vorm Thore am Wege nach Forst wieder aufsetzen. Dieser Kirchhof ist zuvor des alten Paul Tharin Acker gewesen und 1550 eingeweiht worden. Die hölzernen Wände des Kirchleins wichen 1595 soliden Mauern, seinen jetzigen, und 1662 bekam es ein neues Sparrwerk. In der Begräbnißkirche wurden 1812 die typhuskranken Franzosen untergebracht; 1855 ließ sie der jetzige Standesherr zu einer Zierde der Stadt und des Parkes renoviren. Auf Fabians von Schönaich Anordnung wurde auch 1555 die Bergkirche im Innern renovirt, deren Dach den 23. Nov. 1660 durch einen fürchterlichen Orkan abgerissen wurde. 1555 fing man auch an die Neugasse aufzuführen. In demselben Jahre hat auch Fabian v. Schönaich „die Mühle auf der Neiße“ bauen lassen; 1603 ist diese Mühle aufs Neue gebaut worden, 1666 abermals vom Grund aus durch den Landvoigt, 1785 ist sie wiederum erneuert worden, und 1787, wie öfters, das Wehr bei derselben. 1556 hat Fabian v. Schönaich die Papiermühle auf der Stelle aufführen lassen, wo die Niedermühle gestanden hatte. Die andere Papiermühle bei Podrosche an der Neiße war von dem Burggrafen K. Christoph zu Dohna 1612 erbaut worden. — Durch die Burggrafen zu Dohna wurde der Stadt die schöne, neue deutsche Kirche, welche den 19. Mai 1622 eingeweiht ward. — Von dem, was der Landvoigt von Callenberg für die Stadt gethan hat, sagt Crusius Anm. z. V. 169 „Wer Muskau vor etwa 20 Jahren gesehen, wie es durch den Krieg und Brand zugerichtet gewesen, und sieht es jetzo, wie es, Gott Lob! wieder — ob zwar nicht prächtig — angebaut und bewohnet ist, der wird traun bekennen müssen, daß S. Hoch-Freiherrl. Gnaden diesen Ort, ja die ganze Herrschaft, trefflich gebessert haben“. In dem dreißigjährigen Kriege hatte Muskau viel gelitten. Im September 1631 lag der kaiserliche General-Feldmarschall von Teuffenbach mit seinem Corps in der Herrschaft, und die Dörfer Weißkeissel, Neudorf, Werdig, Gablenz und Mühlrose gingen in Flammen auf; 1632 starben in der Stadt allein 367 Personen; 1633 den 8., 11. u. 12. Octbr. plünderten die Kroaten und mißhandelten die Bewohner der Stadt; den 26., 27. u. 28. Octbr. stand Wallenstein mit seiner Armee in der Herrschaft; 1634 den 24. Sept. wurde die Stadt in Brand gesteckt. Am ärgsten wurde die Herrschaft 1637 von dem kaiserlichen und kursächsischen Kriegsvolke vom 2.-18. Mai geplündert. Damals war auch der fürchterliche Waldbrand. 1639 kam eine große Theurung, und Muskau ist in jenen Zeiten schwer heimgesucht worden. — Die Zahl der Bürger hatte im Kriege bedeutend abgenommen. Callenberg nahm viele Fremde, besonders aber die, welche unter ihm gefochten hatten, in die Stadt auf. So berief er auch 1646 den M. J. Stöckerus, welcher 1630 Feldprediger bei der sächsischen Armee war und dann resignirte, von Eisleben als Pastor und Inspector nach Muskau, einen um die Kirchen der Herrschaft hochverdienten Mann. Von der Weisheit und dem Ernste der Verordnungen des Landvoigts zeigt u. A. seine Polizei-Ordnung d. a. 1647. — Damals hob sich besonders das Alaunwerk, die Töpferei und Brauerei. Das Muskauer Bier war von vorzüglicher Güte und sehr gesucht. Crusius Anm. z. V. 199 sagt: „Das hiesige Bier ist an Farbe weißlicht, an Geschmack lieblich, giebt gute subtile Spiritus und mehret die naturlich Wärme und ist gesund und nähret wohl.“ In V. 70 heißt es:

„Man pflegt schon manche Zeit ein Sprüchwort hie zu sagen:

Das Schloß, die neue Kirch’ und dann das weiße Bier,

Das sind — und ist gewiß — o Muskau, deine Zier.“ —

Das Schloß wurde den 7. April 1643, am Osterdienstage, von den Schweden in Brand gesteckt, so daß es zum Steinhaufen ward. Durch den Landvoigt war es so prächtig restaurirt worden, daß Crusius V. 105 sagt:

„Und wenn ich Alles noch im Schlosse sollt’ erzählen,

An Worten würd’ es mir eh’ als an Sachen fehlen,

Die werth zu sehen sind.“ —

Die Decken der Zimmer waren von welscher Künstler Hand durch historische Plafonds geziert; auch zeigte das Schloß: „Wie hoch die Bildekunst im schweren Gypse steigt“. Schöne Stuckatur-Arbeit schmückt auch die deutsche Kirche, s. Crusius Anm. z. V. 555. — In einem der Thürme des Schlosses war die Wasserkunst. Das Wasser wurde vom Berge durch das Thal bis in eine Grotte in dem obersten Gemache des Thurmes durch verborgene Röhren geleitet.