Da sind viel Seegewächs’ und Muscheln schön versetzt,
Daran sich sonderlich des Menschen Aug’ ergötzt.“
Ehe der Landvoigt das zerstörte Schloß wieder aufbaute, ließ er 1646 die deutsche Kirche in- und auswendig renoviren, das Ziegeldach ergänzen und den Thurm zieren. Folgendes Distichon an der Kirche oben unterm Dach, nach der Neustadt zu, pries diese Verbesserung des Gotteshauses:
Extra quod fulget dat Callenbergicus heros;
Lucis at interius spiritus acta probat.
Die Zier von außen giebt der Held von Callenberg;
Inwendig aber prüft der Geist des Lichtes Werk.
Das Obertheil des Thurmes war anfänglich von Holz, mit Ziegeln ausgesetzt; 1646 wurde es gemauert und der mit Dachziegeln belegte Schurz wich „einem luftigen Umgange.“ Nach dem Brande 1766 erhielt der Thurm seine jetzige Gestalt. Das goldene Kreuz desselben hat die selige Frau Fürstin Pückler errichten lassen, als ihr Gemahl glücklich von seinen weiten Reisen im Oriente zurückgekehrt war. Obwohl schon auf dem Rathhausthurme eine Schlaguhr war, hat doch der Landvoigt 1646 auch für den Kirchthurm eine solche weit größere verfertigen lassen mit zwei Seigerglocken unter der Haube und drei großen, schönen Spurtafeln — gemalt von Gottfried Ulrich zu Görlitz. —
Muskau ist oft von zwei Elementen verheert worden, vom Feuer und Wasser. Die Neiße in ihrem starken Falle schwillt bisweilen in dem engen Thale zu einer beträchtlichen Höhe an. Den 15. Juni 1804 um Mitternacht ergossen sich ihre Fluthen urplötzlich über das ganze Neißthal. Felder und Wiesen wurden übersandet, es ertrank viel Vieh, und selbst die Brücke vor dem Amthause ward zertrümmert. Hie und da hatten sich Menschen, von den Fluthen überrascht, auf Bäume gerettet, und der Fluß wühlte Löcher zwölf Ellen tief. — 1703 den 2. u. 3. Aug. ward das Wasser so groß, daß Einige fürchteten, es käme eine zweite Sündfluth. Andere verheerende Ueberschwemmungen waren: den 12. Juli u. 30. März 1613, den 14. Jan. 1611, den 18. Aug. 1595, den 5. Juli 1593, besonders 1583, Montag nach Palmarum. Starke Dämme wehren jetzt dem Elemente, wenn es sich empört. Die Schleuse unweit der Brücke ist 1856 aus Stein aufgeführt worden.
Mehr noch als durch die Fluthen hat Muskau durch die Flammen gelitten. In der waldreichen Gegend mochte man das Holz bei Bauten nicht gespart haben. 1532 am Ostermontage brannte das ganze Städtlein nieder, 1598 am Sonntage Exaudi 16 Scheunen beim Kirchhofe. Das Feuer am 30. Mai 1603 zerstörte 50 Häuser und 20 Scheunen. 1634 den 24. Sept. wurde von den Soldaten in einem Gehöfte am Markte Feuer angelegt, welches die Stadt bis nahe an die neue Kirche sammt Pfarr- und Schulgebäuden und der wendischen Kirche vernichtete. Am 1. Advent 1686 rief Feuerlärm die Gemeinde aus dem Gotteshause, und es sanken wieder 27 Häuser, die wendische Kirche und die Schulen in Asche. — Der fürchterlichste Brand war am 2. April 1766. Die Flammen brachen in einem Hause vor dem Schmelzthore aus. Der Wind trieb sie der innern Stadt zu. Bald war Muskau mit seinen öffentlichen und Privatgebäuden ein Schutt- und Aschen-Haufen. Die meisten, jetzigen Häuser Muskaus sind bald nach jenem Brande gebaut worden. Daß aber der Ort ein so nettes, freundliches Städtchen geworden ist, ist ein Verdienst der Grafen Johann und Herrmann von Callenberg. Sie standen den Bürgern mit Rath und That bei. Lang. S. 52. Den Abgebrannten wurde die kurfürstliche Baubegnadigung, nach welcher jeder, der nach dem Reglement baute, 15 Thlr. auf’s Hundert vergütet bekam. Herrmann von Callenberg hat selbst sieben ganz neue Häuser erbauen lassen. Lang. S. 20.