Herr Walter kam wieder! „Kann ich jetzt den Herrn Chef sprechen?“ „Bedaure sehr, der Chef mußte in dringender Angelegenheit noch einmal ausgehen, er läßt Ihnen aber sagen, daß er gegenwärtig gar keinen Bedarf hat!“ Lacht nicht die Schadenfreude ein wenig aus den Augen des Angestellten? Es gibt leider Gehilfen, sie wollen vielleicht auch gern einmal Reisender werden, die suchen etwas darin, Reisende „abzuwimmeln“, wie der fachmännische Ausdruck lautet! Und Reisende wie Herr Walter ermöglichen das nur allzuleicht. Schadenfreude soll ja die reinste Freude sein. So hat Herr Walter den Schaden und braucht für den Spott nicht zu sorgen.
Gehen wir nun mit Herrn Walter zum neuen Kunden, wo er es geschickter anfing! „Ich wünsche Herrn Müller zu sprechen“, so hatte er dort erklärt. Nehmen wir nun an, daß auch hier der Angestellte den Chef verleugnete, weil er doch in Herrn Walter den Reisenden erkannte. Was ist dann zu tun?
Ich würde in solchen Situationen ruhig sagen: „Ich bin bestellt, wollen Sie mir sagen, wann Herr Müller zurückkommt!“ Wird der Angestellte nun unsicher, will er vielleicht einmal sehen, ob der Chef doch da oder schon wiedergekommen ist, dann hat Herr Walter halb gewonnen. Er braucht nicht bange zu sein, wegen seiner Notlüge in Verlegenheit zu geraten. Mir ging es einmal so! Der Angestellte sah nach, ob der Chef da war, und er war da! Er mußte wohl gesagt haben, daß ein Reisender da sei, der bestellt wäre! So kam der Chef! Ich trug ihm mein Anliegen vor! „Aber, wie können Sie sagen, Sie seien bestellt?“ lautete die nicht gerade höfliche Gegenfrage. Ich war mir bewußt, daß ich jetzt über Erfolg oder Mißerfolg zu entscheiden hatte. „Ich will Ihnen das ganz offen sagen“, war meine Antwort, „ich war der Ueberzeugung, daß Sie von Ihrem Angestellten verleugnet würden. Ich war weiter der Ueberzeugung, daß Sie gewiß nicht in Ihrem Einverständnis verleugnet wurden! Da habe ich die Ausrede gebraucht! Ich habe mir gesagt, daß Sie Geschäftsmann genug sind, um zu wissen, daß wir Reisenden hinausgeschickt werden, um zu verkaufen. Brauchen Sie nichts, oder sagt Ihnen meine Ware nicht zu, dann muß ich das bedauern, aber ich kann es nicht ändern. Ich werde das aber überwinden! Ihnen glaubte ich es jedoch schuldig zu sein, so vorzugehen, wie ich vorgegangen bin.“ War es das ungewöhnliche meines Vorgehens, waren wirklich meine Waren preiswert — ich machte mein Geschäft.
Der Angestellte hätte mit Herrn Walter aber auch anders vorgehen können! Er hätte fragen können: „In welcher Angelegenheit wollen Sie Herrn Müller sprechen?“ Soll nun Herr Walter sagen, daß er Ware verkaufen will? Nein! Der Verkäufer kann ihm keine abkaufen! Herr Walter wird deshalb ebenso ruhig erklären können: „In einer besonderen“ oder gar „Privatangelegenheit“. Er kann auch jetzt beruhigt sein! Entweder war der Chef da und er stellt sich nun ein, dann kann Herr Walter ruhig so handeln, wie ich damals handelte! Sich über einen Angestellten beklagen, ist ja schließlich eine persönliche Angelegenheit. War aber der Chef nicht da, dann wird nun sicher der Angestellte sagen, wann er anzutreffen ist. Hält es Herr Walter für richtig, eine Karte dazulassen, dann nur nicht seine Geschäftskarte. Es nützt ihm sonst gar nichts, daß er vielleicht ein großes Geschick hat, einmal im Gespräch mit dem Kunden ihn zum Ansehen der Muster und zum Kaufen zu bewegen. Er sieht dann nämlich — es ist zehn gegen eins zu wetten — den Chef auch nicht, wenn er wiederkommt.
Nicht vorzeitig die Karten aufdecken.
Herr Walter wird vielmehr dann eine einfache, kleine Visitenkarte überreichen, auf der nichts weiter steht als:
Hermann Walter
Kaufmann
Grünhainichen.
Bekommt jetzt Herr Müller die Karte, dann weiß er gewiß nichts damit anzufangen. Und die Neugierde darüber, wer wohl Herr Walter sei und was er wolle, wird ihn veranlassen, den Besuch anzunehmen. Dann ist die Stunde der Ernte gekommen.
Die Anmaßung junger Leute kann man aber auch anders überwinden!
Verbündetes Personal.