Schlimmer aber ist es, wenn gar Aufträge fingiert werden. Man meint, das käme bei Reisenden in unserem Sinne nicht vor! Es kommt vor. Man hat manchmal einen Kunden so weit, daß man sich sagt, schickst du ihm geradezu, was ihm gefiel, dann nimmt er es auch an. Das wird in 99 von 100 Fällen eine falsche Spekulation sein. Der Kunde, der nicht durch den Reisenden überzeugt werden kann, daß er eine Ware kaufen muß, der wird gewiß auch nicht dadurch überzeugt, daß er auf den Hals bekommt, was er ausdrücklich zu kaufen abgelehnt hat.
Vielfach ist es noch üblich, daß der Reisende nicht nach festen Preisen verkauft. Das ist verkehrt. Man soll sich immer vorhalten, daß man einige Kunden übervorteilt, wenn man ihnen teuere Preise abnimmt, wie anderen. Der Zufall spielt oft eine große Rolle.
So ein Kunde, der die Waren teuer einkaufte, kommt zu einem anderen Kunden, der billiger kaufte. Beides sind Geschäftsfreunde. Sie kommen auf die Lieferanten und von diesen auf deren Waren zu sprechen. Da stellt sich die Uebervorteilung heraus. Sicher ist der Reisende einen, vielleicht auch beide Kunden los. Den einen, weil er übervorteilt wurde, den andern, weil er nicht mehr sicher ist, es nicht auch zu werden.
Mehrere Kunden am Platze.
Eine gewisse Vorsicht ist auch dann am Platze, wenn der Reisende mehrere Kunden ganz in der Nähe oder an einem Platze hat. Er wird dann niemals dem einen Kunden verkaufen, was der andere auch kaufte. Er kann sonst nicht verhindern, daß die Kunden seine Artikel benutzen, um gegenseitig der Kundschaft nachzuweisen, daß jeder von ihnen der billigere ist.
Was über die Kommission selbst gesagt werden muß, ist bereits gesagt. Ich fasse nur noch einmal zusammen, daß sie deutlich, genau und ausführlich geschrieben sein muß, daß sie alle Angaben enthalten muß, die für das Geschäft wissenswert sind. Wo Lieferfristen üblich sind, müssen auch sie angegeben sein. Dabei lasse sich der Reisende größte Vorsicht angelegen sein. Er stelle die Lieferfristen nicht so kurz, daß sie nicht eingehalten werden könnten, er sichere sich auch für den Fall, daß Lohnkämpfe ausbrechen, seien es nun Streiks oder auch Aussperrungen. Wo es angeht, lasse er in seinem Interesse und auch in dem des Kunden sogenannte Kontremuster zurück. Das hat nicht nur den Zweck, dem Kunden die Möglichkeit einzuräumen, prüfen zu können, ob die später gelieferte Ware mustergetreu ist, sondern der Kunde wird damit in den Stand gesetzt, sich immer vergegenwärtigen zu können, was er gekauft hat. Er kann dann vermeiden, daß sein Lager später gleichartige Artikel enthält, von denen die einen die anderen ausstechen und unverkäuflich machen.
Suche dann der Reisende selbst allen Einfluß, den er besitzt, dahin auszuüben, daß die Kommission gut erledigt wird. Eine schlecht ausgeführte Kommission ist eine schlechte Empfehlung. Untreue des Geschäfts — man braucht gar nicht an den strafbaren Begriff zu denken — ist Untreue des Reisenden in den Augen seiner Kundschaft. Treue und Glauben werden sich aber auf die Dauer und für solide Geschäftsverbindungen immer als die besten und zuverlässigsten Reisebegleiter erweisen.
Der Detailreisende.
Der Detailreisende hat mit ganz anderer Kundschaft zu tun, er muß diese Kundschaft unter ganz anderen Verhältnissen aufsuchen als der Reisende, der Wiederverkäufer besucht; er verkauft auch ganz andere Artikel und nach anderen Grundsätzen.
Detailkundschaft.