Der Auslandsreisende, der nicht bereits länger Land und Leute kennt, der nicht für eine eingeführte Firma mit fester Kundschaft tätig ist, kann im Auslande leicht mehr als nur gute Geschäfte machen.
Kredit im Ausland.
Er kann sehr gute Geschäfte machen, wenn er nur nachgiebig im Kreditgeben ist. Da liegt aber gerade die Gefahr! Weniger groß ist diese in den nordischen Ländern, weniger groß in Frankreich, Oesterreich und dem nördlichen Ungarn. Je mehr der Reisende aber nach Süden kommt, je mehr er hineindringen muß in das Sprachengemisch slavischer Völkerschaften, um so vorsichtiger muß er werden. Die Balkanhalbinsel sei seiner besonderen Vorsicht empfohlen.
Der Reisende soll nicht sagen, daß er über alle Schwierigkeiten erhaben ist, wenn er die Sprache gut beherrscht und wirklich Land und Leute kennt. Die politische Unsicherheit in den slavischen und den Balkan-Staaten kann heute ein Geschäft ruinieren, das gestern noch leidlich gut war. Von solchen drohenden Wolken wird man aber nicht unterrichtet durch gelegentliche Besuche, auch nicht durch gründliche Kenntnis des Landes. Hier kann nur eine Vertrauensperson am Orte vor schweren Schaden bewahren. Ein deutscher Agent, eine deutsche Firma stellen die geeigneten Vertrauenspersonen in der Regel dar.
Am besten wird bei Aufträgen eine feste Anzahlung vereinbart, die bei Erteilung des Auftrages oder spätestens bei dem Eintreffen der Rechnung fällig ist. Der Restbetrag muß fällig sein, wenn der Spediteur die Ware bringt. Nur wo ganz sichere Verhältnisse herrschen, darf der Reisende von diesem Verfahren abweichen.
Der Auslandsreisende soll sich immer klar sein, daß er im fremden Lande ist. Besonders dann, wenn slavische Frauenschönheiten oder feurige, glutäugige Töchter der Romanen ihn verlocken wollen. Mehr noch als daheim muß sich der Reisende im Ausland vor den Schürzen und damit vor Händeln hüten. Er wird sonst als Ausländer — auch vor Gericht — in neunzig von hundert Fällen den Kürzeren ziehen.
Grundsätzliches.
Der Reisende darf nicht Kritik üben an den Einrichtungen des Landes, an dem Patriotismus, an der Religion seiner Bevölkerung. Kirchlichen Bräuchen wird er die Achtung erweisen, die der Religion auch seiner Mitmenschen zukommt. Besonders wird er das beachten, wo kirchliche Bräuche etwa in der Form von Prozessionen in die Oeffentlichkeit treten.
Er wird das „Allerheiligste“ grüßen und der Prozession seine Achtung erweisen, auch wenn er nicht gleich religiös empfindet. Das Versagen der Achtung muß provozierend wirken und die Taktlosigkeit wird von Jung und Alt, Vornehm und Gering als solche empfunden.
Der Reisende muß den Patriotismus des Gastvolkes achten. Damit will ich nicht sagen, daß der Reisende vergessen soll, wer er ist. Es ist ein grundsätzlicher Irrtum, anzunehmen, daß im Ausland, besonders bei Völkern, die ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und eine große nationale Vergangenheit haben, der Mann sich Achtung erringt, der seine Volkszugehörigkeit verbirgt oder verleugnet. Das Gegenteil ist der Fall.