Auch in vergangenen Jahrhunderten war dies so, die Liebhaberei für derartige Düfte ist nicht neu. Als Beweis führe ich Leo[57] an, der in seiner Beschreibung "von der sehr großen und bewunderungswürdigen Stadt Kairo" sagt: "Auf einer anderen Seite (er hatte soeben das auch zu seiner Zeit so heißende Can el Halili beschrieben) der erwähnten Straße ist eine Gegend für Diejenigen, die mit Räucherwerken, z.B. Zibeth, Moschus, Ambra und Benzoin handeln; diese Wohlgerüche sind in solcher Menge vorhanden, daß wenn Jemand 25 Pfund verlangt, man ihm wohl 100 Pfund zeigen kann."
Hieran reihen sich noch andere Bazars, der von Gurich, wo hauptsächlich Seidenstoffe, Wollfabrikate und Tuche verkauft werden; ein eigener Zuckerbazar fehlt auch nicht und auch ein Waffenbazar dicht bei der berühmten Hassan-Moschee existirt noch immer. Man findet hier europäische und ägyptische Waffen, das Material indeß, die Klingen, Läufe und Schlösser kommen vom Abendlande, nur die Zusammensetzung und die Ausbesserungen werden hier vorgenommen.
Der Waffenmarkt hat übrigens bedeutend abgenommen, seitdem das Faustrecht in Aegypten aufgehört hat, an der Tagesordnung zu sein. Jeder Eingeborene sucht allerdings auch heute noch seinen Stolz darin, dermaleinst eine Flinte zu besitzen, um der Jagd, die ja in Aegypten frei ist, fröhnen zu können; aber eine Notwendigkeit, eine Waffe zu haben und zu tragen, wie das früher der Fall war, namentlich vor Mohammed-Alis Zeiten, die liegt heute nicht mehr vor.
Wenn nun auch Kairo nicht die erste Handelsstadt des Pharaonenreiches ist, das ist heute Alexandrien, so ist der Warenumsatz und geschäftliche Verkehr doch immerhin ein bedeutender und durchaus der Einwohnerzahl Kairos gemäß.
Der Haupthandel, namentlich der Engros-Handel, befindet sich in den Händen der Griechen, nach ihnen kommen die Engländer, Italiener, Franzosen und Deutschen; aber der größte Kaufmann, der, welcher allein mehr Geschäfte macht, als alle Eingeborenen und Ausländer zusammengenommen, das ist der Chedive. Noch größer, denn als Regent, zeigt sich Ismael als Geschäftsmann.
Die kaufmännischen Geschäfte werden zwischen den Eingeborenen und europäischen Handelsleuten mittelst Makler (arab. samsar, italienisch sensale) abgemacht. Meist wird der Verkauf mittelst Credit abgeschlossen, selten gleich baare Zahlung geleistet. Gewöhnlich sind die Eingeborenen die pünktlichsten Zahler, obschon sie es auch an der knauserigsten Feilscherei nicht fehlen lassen und um einen Para mehr oder weniger Himmel und Hölle in Bewegung setzen möchten.
Unter den Ausfuhrartikeln, welche stets in Kairo lagern, nennen wir als wichtig: Gummi, Elfenbein, Sennesblätter, Datteln, Weihrauch, Perlmutter, sogenannter Mokkakaffee, der aber zum größten Theil aus den Landstrichen südlich von Abessynien kommt, Straußenfedern, Felle, Opium, Schildpatt, Tamarinden, Wachs, Knochen, Hörner, Lumpen.
In industrieller Beziehung steht die Fabrikation von halbseidenen Stoffen oben an. Es giebt in Kairo augenblicklich 500 Webestühle, welche jenen unter dem Namen Kutnieh oder Alagieh bekannten halbseidenen Stoff fabriciren. Ferner ist die Zahl der Indigofärbereien nicht unbedeutend; fast alle Kattunstoffe werden ungefärbt importirt, aber die Eingeborenen tragen sie nur indigogefärbt.
Auch die Gerbereien werden en gros betrieben. Die Bewohner von Kairo verstehen ebenso gut das Leder zu gerben und zuzubereiten, wie die von Cordova, von Marokko oder Saffi, von welchen Städten die feinen Leder ihre speciellen Namen als Corduan, Maroccain oder Saffian erhalten haben. Auch Posamentirarbeiten, Mattenflechterei und Korbmacherei erfreut sich in der Hauptstadt eines großen Aufschwunges.
Wollstoffe, grobe Leinwand, welche vorzüglich in Fayum gewebt wird, haben in Kairo ihren hauptsächlichsten Umsatz für das ganze Land. In Bulak giebt es eine Papierfabrik, eine Kanonengießerei und eine bedeutende Schiffswerft. Bulak muß jetzt überhaupt schon als ein integrirender Stadttheil Kairo's betrachtet werden, und da wollen wir nicht unerwähnt lassen, daß das Sehenswertheste in diesem Stadttheile das von Herrn Mariette gegründete ägyptologische Museum ist.