Auch ein Irrenhaus, ein Bagno für weibliche Verbrecher, eine Kunst- und Gewerbeschule, das Arsenal, eine arabische und persische Druckerei befinden sich in Bulak.
Und vis-à-vis von Bulak ist die Perle des Nils, der Palast und Garten von Gesirah. Wer je einmal die Wundermärchen von "Tausend und Eine Nacht" gelesen hat, der glaubt, daß hier diese Zaubereien Wirklichkeit geworden sind. Der Palast selbst erinnert an das Meisterstück der Alhambra, den Löwenhof. Der Garten aber übertrifft an Ueppigkeit der Pflanzen, an prachtvollen Anlagen, an seltenen exotischen Gewächsen selbst noch den der Esbekieh inmitten der Hauptstadt.
Die Grasplätze, Stauden und Blumen, die Statuetten, Grotten, Felspartien, Bäche, Brücken, Candelaber, Springbrunnen &c., alles dies belebt von Thieren aller Art und Größe, machen diesen Garten zu einer Zauberei eigner Art. Namentlich Abends und Nachts, wenn einer jener officiellen chedivischen Bälle abgehalten wird, glaubt man beim Lichte jener 1000 Gasflammen der Wirklichkeit entrückt zu sein.
In der Mitte des Gartens ist jener herrliche Salamlik, ein Sommerpalast des Chedive, von einem Walde von Säulen getragen.
Eine Zierde dieses Wundergartens wird das Aquarium sein, welches von eben jenem fähigen Baumeister errichtet wird, Herrn Combay, welcher die prachtvolle Grotte im Esbekieh-Garten erbaut hat. Dasselbe erhält eine Grundfläche von 4800 Quadratmetern und besteht aus zwei Etagen. Die Idee ist ebenso großartig, wie kühn. Die prächtig nachgebildeten Stalaktiten, welche vom Gewölbe herab sich in die Grotten senken, die Korallen und Seegewächse, welche vom Boden aufsteigen, wirken wunderbar, und hier auf der Grenze zweier Meere, des rothen und des mittelländischen, inmitten eines der mächtigsten Ströme der Erde werden wir bald ein Aquarium besitzen, wie kein zweites auf der Welt, welches jedenfalls an Reichhaltigkeit lebender Bewohner von Salz- und Süßwasser selbst die Aquarien von Brighton und Neapel aus dem Felde schlagen wird.
Wie Bulak heute nur ein Theil Kairo's ist, so ist Masr el Attikah (Alt-Kairo, früher officiell so unterschieden als abgetrennte Stadt vom eigentlichen Masr, während wir im Verlaufe dieser Abhandlung mit Alt-Kairo das bezeichnen, was orientalisch ist, und Neu-Kairo das nennen, was neu ist, also vorzüglich den Stadttheil Ismaelia) es ebenfalls.
Geht man von der Esbekieh aus über den Abdin-Platz bei der Sitti Seinab vorbei, so befindet man sich angesichts des protestantischen und katholischen Kirchhofs und angesichts jenes Riesen-Aquaducts, den Saladin herstellen ließ, um dadurch die Befestigungen der Citadelle zu vervollständigen. Diese Wasserleitung ruht auf 289 Bogen und hat eine Länge von etwas über 2 Quadrat-Meilen. Eine schattige Alle führt, sobald man unter der Wasserleitung durch ist, nach Masr el Attikah.
Von den 8 christlichen Kirchen, welche hier sind, ist für den Fremden die am interessantesten, in welcher das Häuschen sich befindet, worin nach der Legende die heilige Familie geweilt haben soll; sie gehört den nichtunirten Griechen.
Gegenüber liegt die Insel Rhoda, welche zwar nicht zur Stadt Kairo gehört, aber wegen des hier befindlichen Nilmessers, Mekias von den Eingeborenen[58] genannt, welcher sich ursprünglich in Memphis befand, wird gewiß jeder Europäer, der als Reisender nach Aegypten kommt, zur Insel hinüberfahren.
Aber auch auf dieser Insel giebt es prächtige Paläste und Gärten, namentlich der Palast von Ibrahim Pascha ist eines Besuches werth. Auf dem südlichsten Ende der Insel befindet sich eine Pulvermühle.