Doch es würde zu weit führen, hier alle Anekdoten und Sonderbarkeiten, die man sich nicht nur in Damiette, sondern in ganz Aegypten über Consul Surur erzählt, wiederzugeben. Nur so viel noch, dass man andererseits auch sagt, dass er vollkommen energisch ist, und vorkommenden Falles den Türken schon oft gezeigt hat, dass man keinen seiner Schützlinge ungestraft beleidigen darf. Sein Sohn ist amerikanischer Consul, und ein Schwiegersohn vertritt andere Länder, so dass fast die ganze Welt von dieser Familie repräsentirt wird.
Es gibt in Damiette eine grosse Anzahl von Moscheen, mehr als 20 hohe Minarets zählte ich, die meisten Djemma,[[23]] so nennen die Araber ihre Bethäuser, sind aber ohne Minarets. Eine von ihnen ist sehr berühmt und noch heutzutage ein besuchter Wallfahrtsort; es geschehen dort Wunder. Gegen ein hohes Bakschisch (Trinkgeld) konnte ich Einlass bekommen, nachdem meine Stiefeln vorher mit ein paar Strohschuhen waren umhüllt worden, damit mein ungläubiger Fuss nicht die heiligen Räume beflecke. Die Moschee ist gross und ehemals eine christliche Kirche gewesen, vielleicht in noch älterer Zeit ein römischer oder griechischer Tempel, denn die Säulen sind zusammengesucht, von der verschiedensten Ordnung und von verschiedenstem Gestein. Hier sieht man eine korinthische, kannelirte aus Sandstein, dort dorische aus Marmor, auch Granitarbeiten fehlen nicht. Das wunderbarste ist aber eine Säule, welche von Blut ganz roth angelaufen ist; diese Säule, die von Mekka gekommen sein soll, wird von sterilen Frauenzimmern so lange geleckt mit der Zunge bis aus dieser Blut tritt, und dann soll dies Schwangerschaft hervorrufen (wahrscheinlich haben die mohammedanischen Pfaffen oder Thalba (pl. von Thaleb) aber noch andere Mittel zu Gebote, denn wenn die Frauen sich die Zunge wundgeleckt haben, müssen sie zu einem Thaleb ins Zimmer treten, und erhalten dort Mittel zur Heilung der Zunge.) Ich fand zwei junge Frauenzimmer mit dem widerlichen Acte der Säulenleckung beschäftigt, die, wie gesagt, ganz roth war, und unverschleiert, erhoben sie ein entsetzliches Geschrei, als die Blicke eines Ungläubigen sie trafen. Der mich herumführende Thaleb beruhigte sie indess, indem er ihnen etwas zuflüsterte, wahrscheinlich theilte er ihnen mit durch andere Mittel die Macht des bösen Auges von ihnen abwenden zu wollen.
Aber noch zwei andere merkwürdigere Säulen zeigte man mir, reiche dicht neben einander stehen und direct vom Himmel gekommen sein sollen. Diese haben die wunderthätige Kraft, dass sie schwangere Frauen, die nicht niederkommen können, entbinden machen; zu dem Ende müssen sich die Frauen zwischen beiden hindurchquetschen, und nachdem ich den geringen Abstand der beiden Säulen von einander sah, konnte ich mir recht gut denken, dass, wenn die Damen von Damiette hochschwanger den Pass passirt haben, sie sicher weiter keinen Geburtshelfer nöthig haben würden.
Für die Christen in Damiette giebt es ausser den koptischen Kirchen eine katholische Kirche, welche von Vätern des heiligen Grabes bedient wird, dann eine griechische, der ein Erzbischof, ein Diaconus und vier Priester vorstehen. Den schönsten Blick auf die Stadt hat man von Süden, nahe vom Gebäude der Compagnie des Canals von Suez aus. Dieses Gebäude, welches die Compagnie, man weiss nicht weshalb, hier hat bauen lassen, steht jetzt ganz leer, einige Räume ausgenommen, die vermiethet sind. Vom Nil aus kann man auch die ganze Stadt in einem Halbkreis vor sich liegen sehen, und von Westen betrachtet, gleicht sie eher einer italienischen als einer ägyptischen Stadt. Hohe mehrstöckige Häuser, mit Fenstern und Balcons, alle den reichen Damietter Kaufleuten zugehörend, unmittelbar an's Wasser stossend, deuten nichts weniger an, als dass hier die Harem der Reichen münden. Und doch ist es so, die Jalousien sind so eingerichtet, dass die Frauen und jungen Mädchen das rege Treiben auf dem Nil sehen können, ohne gesehen zu werden. Besonders schön ist das Gebäude des persischen Consuls, den die Damietter Consul el Agam (ﻢﺠﻌﻞﺎ heissen sie Persien) nennen.
Auf der andern linken Seite des Nils sind ausser Kasernen keine Gebäude, mehrere grosse, halbverfallene Moscheen deuten aber an, dass früher hier die Stadt sich auch ausdehnte. Von vollkommener Ebene umgeben und im fruchtbaren Nil-Alluvium liegend, bringt die Gegend hauptsächlich Reis hervor, der an Vorzüglichkeit jedem der Erde gleich steht; es wird damit, sowie mit getrockneten Fischen, vom Menzale-See nach der Türkei und Syrien ein grosser Export getrieben. Renommirt sind auch noch die Datteln, welche für die besten in ganz Unterägypten gehalten werden. In neuerer Zeit endlich hat sich Frucht- und Gemüsebau sehr entwickelt, da Port Said gänzlich mit diesen beiden Artikeln von Damiette versorgt wird. Bei Hochwasser können Briggs bis 400 Tonnen vom Meer bis zur Stadt gelangen, bei niedrigem Wasser nur kleinere Schiffe. Eine regelmässige Dampfschifflinie verbindet Damiette mit Mansura, welche Stadt etwa 80 Meilen nilaufwärts liegt.
Nach einem viertägigen Aufenthalt miethete ich ein Schiff, da die regelmässigen Dampfer gerade nicht liefen, und fuhr mit gutem Nordwind nach Mansura, welches wir in 18 Stunden, immer rechts und links die lachenden Ufer des Nils geniessend, erreichten. Leider erlaubte der Fanatismus der dortigen Bewohner nicht die Moschee zu betreten, in welcher das Gefängniss des heiligen Ludwig gezeigt wird, und so nahm ich, ohne mich in der Stadt aufzuhalten, die Bahn, und fuhr mit dem ersten Zuge nach der Kalifenstadt zurück.
Malta.
Es kann oft vorkommen, dass ein Reisender, welcher von Europa sich nach Tripolitanien oder Tunisien begiebt oder umgekehrt, dazu genöthigt wird, tagelang, welches oft zu Wochen anwächst, auf diesem Felsen mitten im Mittelmeere zuzubringen: und selbst in diese Lage gebracht, berichten wir nun wie am besten und nützlichsten und zugleich auch am interessantsten die Zeit hinzubringen sei. Durch die Kenntniss der arabischen Sprache konnte ich mich mit den Maltesern selbst in Verbindung setzen und so nach und nach herauslocken, was auf den Inseln am sehenswerthesten ist. Freilich waren sie oft darüber so erstaunt mich fe'l maltese sprechen zu hören, dass sie sich gerade so anstellten, wie die Beduinen einem Europäer gegenüber, welcher sie plötzlich in ihrer Sprache anredet, d.h. sie trauten ihren Ohren nicht, wollten nicht glauben, dass es ihre Sprache sei, bis wiederholte Fragen ihnen endlich die Laute ohrgerecht machten.