Indem ich im Allgemeinen hier anführe, dass die Inselgruppe, die wir schlechtweg Malta zusammen nennen, aus der grössten Malta, der mittleren kleinsten Comino und der zweiten Gozzo, dann einigen Felsen als Cominetto und Filfela besteht, halte ich es für überflüssig, über Lage, Grösse und Einwohnerzahl mich auslassen zu müssen, was in jedem Handbuche der Geographie nachgesehen werden kann.

Kein Land der Welt hat wohl so oft seinen Besitzer geändert, wie Malta, welches von Homer unter dem Namen von Hyperien, endlich mit der Herrschaft der Phönizier Ogygien, dann endlich von Griechen, die später sich der Insel bemächtigten, Melita genannt wurde, aus dem der jetzige Name Malta entstanden ist. Die kolossalen Bauüberreste, die an mehreren Orten auf der Insel gefunden werden, deuten darauf hin, dass Malta von Völkern bewohnt wurde, welche die Griechen mit dem Namen Pelasger bezeichneten, nach ihnen finden wir Spuren der phönizischen Herrschaft. Im Jahre 736 v. Chr. bemächtigten sich die Griechen der Inseln, welche dann 528 v. Chr. in die Hände der Carthager fielen. Im Jahre 242 v. Chr. mussten die Carthaginienser, wie alle anderen Inseln so auch Malta an Rom abtreten, welches sich bis 454 hier behauptete, worauf dann die Vandalen und Gothen und im Jahre 533 Belisar sich Malta's bemächtigte. Nach dem lateinischen Kaiserreiche zankten sich Araber, dann wieder Griechen, und wieder Araber um die Herrschaft, bis 1090 Graf Roger mit den Normannen die Inseln nahm, welche dann 1186 durch die Heirath Kaiser Heinrichs des VI. mit Constantia, der letzten Entsprossenen von Roger dem deutschen Reiche einverleibt wurden um nach 72 Jahren in die Hände von Frankreich zu fallen. Zwei Jahre nach der sicilianischen Vesper kamen dann die Inseln unter spanische Herrschaft und unter Carl dem V. wurden sie für ewig den von Rhodus vertriebenen Rittern von Johannes dem Täufer im Jahre 1530 geschenkt. Erst unter Hompesch dem letzten und 69sten Grossmeister dieses Ordens kam Malta wieder in die Macht der Franzosen, um 1802 in die der Engländer zu fallen, unter deren Oberhoheit die Inseln heute noch stehen.

Es ist wohl nicht nöthig anzuführen, dass die Grossmeisterschaft Paul des I. von Russland nur eine Comödie war, dass die eigentliche Ordenseinrichtung mit der Capitulation von Hompesch erlosch. Aber noch heute hört man oft von Reclamationen ehemaliger Ritter, um Rückgabe der Güter, welche das englische Gouvernement jetzt im Besitze hat, die indess rechtmässig Eigenthum der Ritter sind.

Fast alle Reisende werden Zeit genug haben Lavalletta die Hauptstadt von Malta zu besehen, selbst wenn sie nur einen Tag dort verweilen sollten. Ich beschränke mich daher darauf nur die Merkwürdigkeiten derselben aufzuzählen. Von dem bedeutendsten Grossmeister, der je regierte, im Jahre 1566 gegründet und nach ihm genannt, liegt die Stadt auf einer Halbinsel so günstig, dass auf beiden Seiten die prächtigsten und sichersten Häfen, von den Engländern schlechtweg "Doks" genannt, sich befinden.

Das Fort St. Elmo, welches Lavalette so tapfer 1515 gegen die türkische Armee des Sultan Selim vertheidigte, das Palais des ehemaligen Grossmeisters, jetzt Wohnung des Gouverneurs mit einer reichen Sammlung von Rüstungen und Waffen, die inwendig überaus reiche Kirche von St. Giovanni, die Bibliothek mit einigen Antiken aus der Zeit der Phönizier und Carthager, endlich das neue Opernhaus, sind die hauptsächlichsten Monumente, die Lavalletta zieren. Dazu kommen noch mehrere grossartige Gebäude, sogenannte Aubergen der früheren Ritter, welche nämlich in acht Sprachen getheilt waren, deren jede Corporation ihre eigene Wohnung hatte. Drei dieser Corporationen kamen auf Frankreich, die der Provence, die der Auvergne und die des eigentlichen Frankreich, eine auf Italien, eine auf England-Baiern, eine auf Deutschland und zwei auf Spanien, d.h. auf Aragonien und Castilien. Die Auberge der Castilianer-Ritter zeichnet sich vor allen durch Grossartigkeit und Pracht aus. Ein hübscher Spaziergang nach der Vorstadt Floriana hinaus, das ist alles, was der Fremde als sehenswerth in Lavalletta ausserdem mitnehmen kann.

So wechselvoll sich nun uns die Herren von Malta präsentiren, so stabil scheint das Leben in Lavalletta seit Zeiten geblieben zu sein; der Malteser, wenn auch nicht Abkömmling der Araber, hat doch unter der Herrschaft dieses Volkes, und namentlich früher unter der Ritterschaft durch die vielen "Caravanen" (so der officielle Ausdruck in den Akten der Ritter für Piraterie gegen mohammedanische Schiffe) in Sprache fast alles, in Sitten und Gebräuchen sehr viel von den Abkömmlingen Ismael's angenommen. Das Haus eines Maltesers ist fast jedem Fremden verschlossen, und wenn auch viel von der Leichtfertigkeit der hübschen Malteserinnen, deren weisser Teint namentlich gelobt wird, die Rede ist, so kann das nur auf das Malteser Geschlecht unter sich selbst Bezug haben: der Fremde wird sehr schwer in eine Malteser Familie Eingang finden. Als eigenthümlich fand ich jetzt die Einrichtung von sogenannten smoking rooms oder Rauchzimmer; ausser den zahllosen Kneipen gab es früher nur zwei anständige Kaffeehäuser, welche aber auch jetzt zu wahren Brandy shops gesunken sind, dafür hat man nun Rauchzimmer erfunden, wo mit Anstand stehend geraucht und Branntwein und Sodawasser getrunken wird. Ausserdem giebt es gute Clubs oder andere Vereinigungsorte, in welche jeder Fremde durch seinen Consul sich einführen lassen kann. Die Hotels, das Imperial-Hotel als erstes, lassen alle viel zu wünschen übrig.

Doch verlassen wir die Stadt Valletta und gehen ins Innere, so führt uns der Weg zunächst nach der so ziemlich im Centrum von Malta liegenden ehemaligen Hauptstadt Civita vecchia, auch città notabile genannt. Bei den Arabern hiess sie die "Stadt" medina schlechtweg und vom Malteser-Volk wird sie auch heute noch so genannt. Die Stadt selbst ist heute klein, von nur einigen hundert Einwohnern, aber dicht dabei liegt der grosse Ort Rabatto.

An Merkwürdigkeiten hat man dicht bei der Stadt einen alten Kirchhof, in dem Mumien gefunden worden sind, ganz nach Art der Aegypter, einige gute Exemplare davon sind auf der Bibliothek. Viel merkwürdiger ist indess die grosse Ausdehnung der Todtenstadt oder Catakomben; frühere Todtenbehausungen. dienten sie den ersten Christen als Wohnungen. Für die Malteser ist das grösste Heiligthum die Grotte von St. Paul, auch in der Nähe von città vecchia. Im Grunde derselben wird ein Altar gezeigt, wo Paulus die Messe gelesen haben soll; auch befindet sich daselbst eine gute Statue dieses Apostels von Melchior Caffa. Die Felswand der Grotte ist ein Febrifugum, nach Aussage der Eingebornen, wenn pulverisirt genossen.

Ich brauche wohl kaum zu sagen, wie ungegründet der Glaube (wenn man bei Glauben überhaupt von Gründen reden darf) der Malteser ist, St. Paul in Malta scheitern zu lassen.

Es ist nicht daran zu zweifeln, dass als Paulus von Caesarea nach Rom fuhr an eine Insel Namens Mileta geworfen wurde, aber eine Insel gleichen Namens existirte auch im adriatischen Meere. Von der Nordküste Creta's, wo man gelandet war, abfahrend, überfiel das Schiff ein heftiger Sturm, aber es heisst ausdrücklich im adriatischen Meere. Dann giebt es keine Sandbänke um Malta, wo die Paulus führenden Seeleute hätten Blei senken können, um Malta fällt das Meer überall steil ab zu einer Tiefe, die weder für damalige Senkbleie erreichbar war, noch weniger ein Stranden erlaubt; ausserdem ist der Ort, wo St. Paul gestrandet sein soll, d.h. in der Paul's Bucht, der allerunwahrscheinlichste, denn von Creta kommend hätte er an die Ostseite der Insel geworfen werden müssen. Es liessen sich noch andere Gründe anführen, was jedoch nur ermüdend sein würde, und warum auch, respectiren wir im Gegentheil die Pietät der Malteser für den grossen Heidenapostel.