An öffentlichen Gebäuden der Stadt sind die Paläste des Sultans, die Moscheen, die Funduks, Bäder und Grabstätten hervorzuheben.

Der grosse Palast des Sultans nimmt den ganzen südwestlichen Theil von Neu- Fes ein; von dem Innern dieses Gebäudes kann ich nur wenig berichten, da ich hier nicht dem Leser die übertriebenen Beschreibungen der Bewohner von Fes wiedergeben mag, die mehr nach Fabeln aus 1001 Nacht klingen, als auf Wirklichkeit beruhen. Grossartige Ruinen deuten allerdings auf einstige grossartige Bauten hin, aber alle Bauten der Mohammedaner haben das Eigenthümliche, dass sie meist schon gleich nach dem Entstehen ein ruinenhaftes Aussehen bekommen. Der Palast besteht eigentlich aus weiter nichts als vielen grossen mit Arkaden versehenen Höfen mit Springbrunnen, auf welche sich die Zimmer öffnen, Pferdeställe, Bedientenstuben, Wachtzimmer, Empfangshöfe—diar el meshuar genannt—wechseln damit ab. An der südöstlichen Ecke, durch hohe Mauern von den übrigen Theilen des Palais getrennt, befindet sich das Harem, welches Platz für mehr als 1000 Frauen hat. Zwischen der kaiserlichen Wohnung und der südwestlichen Stadtmauer befindet sich ein grosser Garten, in welchen ich mehrere Male Zutritt bekam. Man findet hier fast alle feineren europäischen Gemüse, auch Blumenkohl, Artischocken und dgl. Von langen geraden Gängen durchschnitten, sind diese an den Seiten eingefasst von Beeten mit Rosen, Jasmin und Luisa, und fast alle Wege sind zu Tunnels und Laubengängen umgeschaffen, wo die rankenden Weinreben kühlenden Schatten gewähren. Eine kleine Veranda, vor einem Theil des Palais gelegen—und davor ein besonderes abgeschlossenes Gärtchen, worin nur Blumen gezogen werden, dienen zum Privatgebrauche des Kaisers.

Ein zweiter Palast des Sultans ist zwischen Neu- und Alt-Fes gelegen und hat den etwas sonderbaren Namen Bu-Djelud[83]. Es ist dies, abgesehen von dem halbverfallenen Aussehen, ein hübsches Gebäude, und, eigenthümlicherweise im Renaissancestyl, vermischt mit maurischer Architektur errichtet, was wohl daher rührt, dass europäische Renegaten die Erbauer waren. Es gelang mir leider nicht (da der Sultan in Mikenes war), in das Innere zu kommen; ebenso war mir auch der Garten verschlossen, welcher damit verbunden ist, und dessen herrliche Baumgruppen, aus denen schlanke Palmen hervorragten, ich oft im Vorübergehen bewunderte. Dieser Garten war den Damen des Harems reservirt.

[Fußnote 83: Bu-Djelud heisst Vater der Felle; wahrscheinlich befand sich hier am Flusse—denn dieser Palast liegt hart am Ued-Sebu—eine Gerberei. Eine ähnlich sonderbare Benennung hat ja auch der Palast der französischen Herrscher in Paris: Tuilerie.]

Eine halbe Stunde von Neu-Fes entfernt, nach dem Süden zu, befindet sich eine sultanatliche Wohnung, von einem äusserst grossen und mit hoher Mauer umringten Garten umgeben; in diesem Gebäude hält sich der Sultan manchmal auf, um die Sommerfrische zu geniessen; zum Theil wohnen sodann die Minister, die Grossen des Reichs, die Gouverneure der Provinzen, welche zum Besuch anwesend sind, mit in dem weitläufigen Gebäude, zum Theil campiren sie in ihren Zelten ausserhalb des Gartens.

Zwischen diesem Landsitz in Neu-Fes ist auch gewöhnlich die Mhalla, d.h. der Lagerplatz des Heeres. Dieses muss immer da sein, wo der Sultan sich aufhält; und da in Neu-Fes für die Truppen, welche der Sultan immer um sich hat, nicht hinlänglich Platz ist, so campiren sie hier unter Zelten. Von Weitem gesehen, sieht dieses Zeltlager, inmitten der grünen Wiesen, durchschlängelt vom Ued-Fes, sehr malerisch aus, aber im Innern herrscht die grösste Unreinlichkeit und Verwirrung.

Die stehende Macht des Sultans bestand 1862 aus etwa 4000 Infanteristen, welche aufs bunteste costümirt sind. Sidi-Mohammed-ben-Abd-er-Rhaman, jetziger Sultan und derselbe, dem zu Lebzeiten seines Vaters eine so empfindliche Niederlage durch den Marschall Bugeaud bei Isly[84] beigebracht wurde, war im Feldzuge gegen die Spanier nicht glücklicher gewesen. Indess hatte er so viel Einsehen bekommen, dass er begriff, mit seinen regellosen Schaaren nicht gegen europäische Streitkräfte kämpfen zu können.

[Fußnote 84: Am 14. August 1844. Der jetzige Sultan entkam seiner Gefangennahme nur dadurch, dass er beim Eindringen der Franzosen in sein Zelt dieses mit dem Säbel schlitzte, und aufs Pferd sich schwingend, von diesem aus dem Bereich der Feinde getragen wurde.]

Er glaubte nun ein regelmässiges stehendes Heer zu haben, wenn er Leute auf europäische Art uniformiren liess, und so sah man hier Uniformstücke sämmtlicher Nationen, gemeinsam ist allen nur der rothe Fes und die gelben Pantoffeln; auch hatte man angefangen, kurze bis an die Knie gehende Hosen einzuführen, da es den Berbern und Arabern unmöglich schien, lange Hosen zu tragen. Diese Infanterie ist in vier Theile oder Bataillone getheilt, je von einem "Agha" commandirt, untergetheilt sind sie wieder in vier Abtheilungen, denen ein Kaid (Hauptmann) vorsteht, und noch kleinere Abtheilungen werden von Califat-el-kaid (Lieutenants) und Mkadem (Unterofficier) commandirt. Die Mannschaft selbst besteht aus Berbern, Arabern, Negern und spanischen Renegaten, welche letztere Sträflinge von Ceuta, Penon oder Mellila her desertiren. Diese Renegaten sind vorzugsweise Hornisten, Tamboure oder bei der Capelle angestellt. Denn da die englische Regierung die Instrumente geschenkt hat, so hat der Sultan eine Capelle einrichten lassen, welche aber auf noch viel haarsträubendere Art deutsche Walzer oder italienische Stücke zum Besten giebt, als die türkischen Regimenter. Die Capelle hat 24 Mitglieder, während der Hornisten und Tamboure für jede Compagnie je zwei vorhanden sind. Die Trommeln sind ähnlich wie die des deutschen Heeres, die Hörner sind gleich denen der Engländer.

Die Bewaffnung besteht aus alten französischen Steinschlossgewehren, fast alle mit der Jahreszahl 1813. Der Sultan, hat diese im Preise von 40 Fr. das Stück kaufen lassen (er hätte dafür auch Zündnadeln bekommen können), aber die Zwischenhändler haben ihr Profitchen dabei gemacht. Das Commando geschieht in türkischer Sprache, was den Uebelstand für den Soldaten hat, dass derselbe das Commando nur mechanisch verstehen lernt. Jede Compagnie hat eine Fahne, jedes Bataillon (ich nenne so die vom "Agha" commandirte Atheilung [Abtheilung]) eine etwas grössere, die Farben der Fahnen sind roth, gelb, blau, je nachdem der Chef Vorliebe für diese oder jene Farbe hat.