Hospitäler hat Leo auch aufgeführt, es sind dies aber keine Hospitäler nach unserem Sinne, d.h. Krankenhäuser, sondern vielmehr Hospitäler (Gasthäuser) im wahren Sinne des Wortes. Schon die Beschreibung, die Leo davon giebt, deutet darauf hin, dass man es zu seiner Zeit ebenso wenig mit Hospitälern oder Lazarethen nach unserem Sinne zu thun hatte. Es sind dies Stifte, wo Pilger, Reisende, müde Wanderer ausruhen können, und während einer gewissen Zeit unentgeltlich Kost und Logis erhalten. Es war dieser Brauch, in den Städten solche Stifte zu haben, nicht nur in mohammedanischen Ländern heimisch, sondern zur Zeit, als das Gasthofleben noch nicht so ausgebildet war wie jetzt, auch in allen christlichen Ländern zu finden. In vielen europäischen Städten existiren noch jetzt solche Einrichtungen, z.B. in Savoyen, in Frankreich und Italien. Eigentliche Hospitäler, d.h. Krankenhäuser, giebt es in Fes nicht.

Indess besitzt Fes eine Anstalt, wie sie keine andere Stadt Marokko's aufzuweisen hat; eine Irrenanstalt oder vielmehr ein Narrenhaus. Man denke sich aber keineswegs eine Anstalt, welche Heilung oder Wohlbehagen dieser unglücklichen Geschöpfe im Auge hätte, mit dergleichen Versuchen plagt sich der Mohammedaner nicht. Man findet in diesem Gebäude, in dem zur Zeit als ich es besuchte etwa 30 Individuen sein mochten, nur Tobsüchtige oder Irre, die durch ihr Wesen dem Nebenmenschen sich gefährlich gemacht haben; gutmüthige Narren, Idioten u.s.w. lässt man ruhig laufen, ebenso die religiös Wahnsinnigen, die noch obendrein als Heilige verehrt werden.

Der Zustand in diesem Narrenhause ist ein entsetzlicher, und es gleicht dasselbe mehr einer Gefängnisshöhle als sonst einem Gebäude. In langen Zimmern, worin auf dem blossen Steinboden im grössten Schmutze halbverhungerte Gestalten mit dicken eisernen Ketten an die Wände festgemauert sind, fast alle nackt, ohne jegliche Pflege und Sorgfalt, verbleiben diese Unglücklichen hier, um die Welt nie wieder zu betreten. Die Anstalt selbst wird durch Vermächtnisse unterhalten.

Erwähnt zu werden verdienen sodann die vielen Bäder, welche zum Theil Privaten gehören, zum Theil Eigenthum der Regierung oder der Moscheen sind. Eingerichtet sind sie wie alle warmen Bäder im Orient, in Aegypten oder den übrigen Berberstädten, so dass ich eine specielle Beschreibung nicht für nothwendig halte. Der Luxus der algerinischen oder ägyptischen Bäder ist hier aber nicht bekannt, Handtücher zum Abtrocknen werden nicht gereicht, dafür sind sie aber auch so billig, dass selbst der Aermste sich häufig den Genuss einer gründlichen Reinigung gewähren kann. Die Bäder geringster Sorte kosten nur 3 Flus, die theuersten nicht ganz 2 Mosonat.

Gasthäuser oder Fenaduk (pl. von Funduk) giebt es zweierlei Art in Fes. Es möchte auffallen, dass bei der Anwesenheit von Sauyat bei der Einrichtung der eben erwähnten Hospizen, ausserdem noch Gasthöfe nothwendig sind, namentlich wenn man in Erwägung zieht, dass der Marokkaner der gastfreieste Mensch der Welt ist. Und dennoch ist dem so. Die Gastfreiheit ist auf dem Land eine fast möcht' ich sagen unbegrenzte; aber in den Städten, wo täglich ein so grosser Zusammenfluss von Fremden ist, wird sie natürlich nicht geübt. In den Sauyat und Hospizen ist es Regel, einen Fremden nicht länger als drei Tage zu behalten. Man hat also, um die Fremden, welche einen längeren Aufenthalt nehmen wollen, zu beherbergen, Gasthöfe einrichten müssen. Die grosse Zahl solcher Gebäude spricht für den grossen Fremdenverkehr in Fes, obschon die Zahl von 200, die Leo angiebt, wohl übertrieben ist.

Es giebt Fenaduk, welche gebaut sind, Menschen und Vieh zu beherbergen, und solche die nur Platz für Menschen und allenfalls für ihre Waaren haben. Erstere haben in der Regel eine entsetzliche Einrichtung. Ein grosser, meist viereckiger und ungepflasterter Hofraum, wo sich Pferde mit Kameelen, Maulthiere mit Eseln um den Platz streiten, wird von allen Seiten von kleinen Zimmern umgeben, die nur Zugang und Licht durch eine kleine niedrige Thür bekommen. Meist sind diese Zimmer selbst nicht grösser, als dass man ausgestreckt darin liegen kann. Von Aufwartung ist natürlich keine Rede, der Neuangekommene muss, hat er überhaupt Sinn für Reinlichkeit, den Schmutz, den sein Vorgänger als Andenken im Zimmer zurückgelassen hat, eigenhändig hinauskehren. Ein Portier, der meist kauadji (Kaffee- Ausschenker) ist, steht dem Ganzen vor, oft ist er Besitzer, oft Verwalter, oft bloss Miether. Die Gebühren stehen natürlich mit der schlechten Einrichtung im Einklange, für ein Zimmer zahlt man durchschnittlich täglich nur eine Mosona, für ein Thier ebenso viel.

Viel besser sind die Fenaduk eingerichtet, wo man nur Reisende aufnimmt, die ohne Thiere sind. Diese sind meistens mitten in der Stadt gelegen, einige sogar in der eigentlichen Kesseria, dem Handelscentrum, der "Börse" könnte man fast sagen, von Fes. Grosse mehrstöckige Gebäude, sind die Zimmer dieser Gasthöfe geräumig, haben oft, ausser der Thür nach dem Hofe oder nach den Gallerien zu, noch vergitterte Fensteröffnungen. Die Zimmer sind gut ausgeweisst, der Fussboden mit "Slaedj" belegt, sonst aber ist von Möbeln natürlich nichts zu finden; aber der bemittelte oder reiche Kaufmann hat auch sein ganzes Meublement bei sich: eine gute Matratze, ein Teppich, einige Matten und Kisten vervollständigen dasselbe. Es fehlt auch der grosse Messingteller, ssenia, nicht mit dem Theetopf aus Britannia-Metall und sechs kleinen Theetassen. Ein Bochradj, d.h. ein Kessel zum Sieden des Wassers, ist auch unentbehrlich. Die Miethe von solchen Zimmern variirt von vier Mosonat bis zu sechs und mehr per Tag. Die Kaffeebuden, welche sich am Eingang oder im Innern eines solchen Funduk befinden, gehören zu den besten.

Solche Wirthshäuser, wie Leo sie beschreibt, als von unanständigen Wirthen, sog. el kahuate bewohnt, wo auch lüderliche Weibspersonen sich herumtreiben, giebt es jetzt in Fes nicht mehr, vor den Thoren ist allerdings ein Viertel, welches in dieser Hinsicht in schlechtem Rufe steht; eigentliche Prostitution aber findet man überhaupt in Marokko nur in Mikenes.

Dagegen giebt es zahlreiche Kaffeehäuser, wo Kif, d.h. das getrocknete Kraut vom indischen Hanfe (Can. indica) geraucht und gegessen wird, auch Opium wird in diesen Kaffeehäusern gegessen; die Sitte des Opiumrauchens kennt man im Rharb nicht. Die Polizei oder Regierung thut gegen diese schädlichen Genüsse nichts, wie denn auch Haschisch und Opium mit Taback zusammen nur von solchen Kaufleuten in der Stadt verkauft wird, die sich dazu einen Schein von der Regierung gekauft haben. Es herrscht also—denn nicht nur in Fes ist dies der Fall, sondern in allen binnenländischen marokkanischen Städten—für die Städte eine Art Taback-, Opium- und Haschisch-Regie.

Anständige Leute hüten sich indess wohl, in solche Kaffeehäuser zu gehen, obschon fast Jeder in Fes dem Genüsse des Haschisch fröhnt, aber nur heimlich und im Innern der Wohnung. Desto strenger ist dagegen der Verkauf von Schnaps und Wein verboten, obschon beides in Fes für Geld und gute Worte zu haben ist; ersterer wird von den Juden destillirt aus Feigen, Rosinen oder Datteln, wird wohl auch von Gibraltar her eingeschmuggelt; letzterer wird in der Lesezeit von Juden sowohl wie von Mohammedanern bereitet.