Das Haus, welches der Bascha-Gouverneur von Fes mir als Aufenthalt angewiesen hatte, lag am Abhange der östlichen Hügel. Von einem Arme des Ued Fes durchflossen, waren ausser Orangen, Feigen, Oliven, Aprikosen, Pfirsichen und Granaten, überall blühende Rosenstöcke, grosse Büsche Jasmin, Nelken, Veilchen und stark duftende Kräuter.

Diese findet man denn auch vorzugsweise in der Blumenabtheilung, hier sind Jasmin, Basilik, Nelken, Hyazinthen, Rosen, Narcissen, Pfefferminze, Absinth, Thymian, Majoran, dort sind ganze Blumenbouquets, Meschmum en nuar genannt, zu haben. Gemüse und Obstbuden schliessen sich daran.

Von solchen Gewerken, worin Fes noch heute vorzugsweise glänzt, nenne ich ferner die Töpferwaaren. Grosse Schüsseln, kleine Leuchter und Lampen und dergleichen Gegenstände werden aus einem porcellanartigen Thone sehr schön hergestellt. Nach Art unserer alten deutschen Thonwaaren sind sie mit groben blauen Figuren bemalt und glasirt.

Hieran schliessend, erwähne ich der "Slaedj," kleine Fliesen von bunten Farben, die ebenfalls in Fes fabricirt werden. Wenn einst die Waffenschmiede in diesen Ländern berühmt waren, so sieht man jetzt in den Gewölben nur europäische Fabrikate ausgestellt. Ebenso haben die früher so bekannten rothen Mützen (daher der Name "Fes," den wir jetzt noch den rothen Mützen geben) sich nicht auf ihrer einstigen Höhe halten können, nicht nur die von Tunis sind jetzt bedeutend besser, sondern selbst in Livorno werden sie billiger und schöner hergestellt. Besonders hervorheben müssen wir sodann die Manufacturwaaren von seidenen Schärpen, 3-4 Fuss breit, 40-50 Fuss lang; es sind diese seidenen von Gold durchwirkten Stoffe das Kostbarste, was Fes auf den mohammedanischen Markt bringt, und heutzutage das Einzige, worin es unübertroffen dasteht.

Von allen übrigen Handwerken finden wir in Fes nichts, was die Stadt vorzugsweise auszeichnete, aber alle sind in so grosser Menge vertreten, dass man auf den ersten Blick sieht, es wird hier nicht bloss für die Bedürfnisse der Stadt gearbeitet, sondern für das ganze Land.

Die lange Strasse, welche Alt-Fes mit Neu-Fes verbindet, ist denn auch weiter nichts als ein Bazar, und es herrscht hier natürlich die grösste Frequenz, nicht nur weil alle Leute vorzugsweise diesen verhältnissmässig breiten Weg benutzen, um von einer zur andern Stadt zu kommen, sondern auch weil ein Hauptkarawanenweg hier durchführt, auf dem sich beständig lange Reihen von beladenen Kameelen, Maulthieren und Eseln fortbewegen. Verfolgt man diesen Weg weiter nach Neu-Fes hinein, so findet man sich gleich darauf vor dem ummauerten Stadttheile der Juden, der Melha. Die Juden aber dürfen nur in Neu-Fes und hier abgesondert von den Gläubigen in einem ummauerten Viertel, das gleich an das kaiserliche Palais stösst, wohnen. Und sie sind gern hier, denn so sehr sie auch den Vexationen und Erpressungen der Regierung des Sultans ausgesetzt sind, so haben sie doch längst einsehen gelernt, dass es besser ist unter dem Schutze selbst der despotischsten Herrschaft zu wohnen, als der Willkür eines dummen und fanatischen Volkes preisgegeben zu sein. Im Judenviertel herrscht übrigens, was Handel und Wandel, was Industrie und Handwerke anbetrifft, eben das geschäftliche und rege Treiben, wie in der Kessaria und den Strassen von Alt-Fes.

Vorzugsweise sieht man Gold- und Silberarbeiten in den Händen der Juden, die Nadeln, welche dazu dienen, das Haar der Frauen oder ihre Kleider zu befestigen, Fingerringe, Arm- und Fussbänder (auch die marokkanischen Frauen tragen oberhalb der Knöchel schwere kupferne oder silberne Ringe) werden fast ausschliesslich von den Juden hergestellt. Ebenso ist die Secca, d.h. Münze, nur von den Juden bedient. Es ist dies ein ziemlich ansehnliches Gebäude, welches Theil des Palastes des Sultans ist und unmittelbar an die Melha anstösst.

An einheimischen Münzen haben die Marokkaner jetzt nur den Fls (pl. flus), eine kleine Kupfermünze, welcher auf einer Seite das Salomon'sche Siegel, d.h. das bayerische Bierzeichen (zwei durcheinandergehende Dreiecke), und auf der anderen Seite Jahreszahl und Prägungsort (auch in Tetuan befindet sich eine Münze) zeigt, dann zwei Flus-Stücke, udjein genannt, ebenfalls geprägt. Sechs Flus bilden die imaginäre Münze, Mosona genannt: eine Mosona giebt es nicht geprägt. Sie ist ungefähr gleich einem Sou.

Vier Mosonat bilden sodann eine Okia, d.h. Unze, ebenfalls nur ein Ausdruck, aber acht Mosonat oder zwei Unzen ist die kleinste, und 10 Mosonat oder 2-1/2 Unzen die grösste geprägte Silbermünze. 10 Unzen bilden die imaginäre Münze Metkal. Und die einzige geprägte Goldmünze, Bendki genannt, besteht aus 2-1/2 Metkal. Im übrigen gelten die französischen und die spanischen Silbermünzen im ganzen Lande, und französisches, spanisches und englisches Geld überall nördlich vom Atlas. Der einst so beliebte spanische Bu-Medfa-Thaler, so genannt von den beiden Herkulessäulen, welche die Marokkaner für Kanonen halten, ist fast ganz aus dem Handel verschwunden, dagegen hat der französische fünf Francs-Thaler Platz gegriffen. Frankreich lässt für Marokko auch silberne 20 Centimes- Stücke schlagen[90], welche in Marokko im Werthe einer Unze cursiren. Der österreichische Maria-Theresien-Thaler, der sonst in ganz Afrika ohne Nebenbuhler herrscht, wird in Marokko äusserst selten gefunden.

[Fußnote 90: Wenigstens muss man so annehmen, da man in Frankreich selbst die 20 Cent.-Stücke fast gar nicht sieht, hingegen in Marokko sie äusserst zahlreich und von allen Jahrgängen vertreten findet.]