Aber die englische Regierung, die weiss, dass solchen Völkern hauptsächlich durch Glanz, Reichthum und Macht imponirt wird, hat in Tanger ein Consulatsgebäude herstellen lassen, das seiner Zeit mehr als 70,000 Thaler kostete, der Generalconsul und Ministerresident bezieht einen Gehalt von mindestens 50,000 Francs; ausserdem stehen dem englischen Minister zur Seite ein bezahlter Viceconsul, ein Arzt, Prediger, verschiedene Dolmetsche, Cavassen und Diener, alle gleichfalls hoch besoldet. In Mogador, Asfi, Darbeida, Dar-Djedida, Rbat, L'Araisch, Arsila und Tetuan unterhält England ebenfalls bezahlte Consulate, Viceconsulate und Agenturen.
Im Anfang der 60er Jahre vertrat England ausserdem das Königreich Dänemark, Oesterreich und die deutschen Hansestädte.
Die Hanseatischen Städte zahlten auch Tribut. 1750 musste Hamburg 50 Lafetten liefern, ausserdem 300 Centner Pulver etc.[115].
[Fußnote 115: Pacy, La piraterie musulmane, Revue africaine. 1858.]
Am 18. Juni 1753 (Höst, p. 284) schloss Dänemark einen Tractat mit Marokko; da die meisten älteren Tractate ähnlicher Art sind, heben wir daraus hervor: § 6 und 10. Jeder Däne kann im Lande reisen und hat Sicherheit (?). Keine andere Nation ist der dänischen bevorzugt. § 9. Kein dänisches schiffbrüchiges Schiff darf beraubt, oder die Mannschaft davon misshandelt werden (?). Kein Maure darf den Dänen zwingen, seine Waare unter dem Werthe zu verkaufen. Kein Matrose darf mit Gewalt von einem dänischen Schiffe genommen werden. § 12. Wenn ein dänisches Schiff einige von seinen in einem marokkanischen Hafen bereits verzollten Waaren nach einem anderen Hafen in Marokko bringen möchte, so soll kein Zoll aufs neue von den an Bord befindlichen Waaren erlegt werden, die anderwärts hin bestimmt sind. Von Munition und Schiffsbaumaterialien wird kein Zoll bezahlt.—Dänemark bezahlte dafür (Hemsö p. 235) jährlich 25,000 Thaler, und auserdem [ausserdem] für die Erlaubniss, eine Handelscompagnie an der Küste von Sla bis Asfi anzulegen, ein Annuum von 50,000 Thlrn.
Im Jahre 1844 hat Dänemark erst aufgehört Tribut an Marokko zu zahlen, während Schweden, welches im Jahr 1763 den ersten Vertrag mit Marokko unterzeichnete, hierfür dem Sultan einen jährlichen Tribut von 20,000 Thalern gab. Vorher bestanden die Geschenke Schwedens in Naturalien: Holz, Tauwerk, Munition etc. 1771 unter Gustav III. wurde ein neuer Vertrag vereinbart, wonach Schweden jährlich zweimal einen Gesandten mit Geschenken zu schicken hatte, aber 1803 derselbe alte Vertrag wieder erneuert, wonach Schweden 20,000 Thaler leistete, und noch die Demüthigung erfuhr, dass dieses Geschenk öffentlich durch den Consul überreicht werden musste. Unter Bernadotte wurde der Tribut dann gänzlich aufgehoben; der schwedische Generalconsul hatte die Annuität von 20,000 Thalern eines Jahres zum Bau eines Consulatsgebäudes[116] benutzt, und später die Zahlung nicht weiter geleistet. Zur Zeit, als ich in Marokko anwesend war, vertrat Schweden und Norwegen zugleich Preussen.
[Fußnote 116: Siehe von Maltzan: "Drei Jahre im Nordwesten von Afrika.">[
Oesterreich, das sich jetzt auch durch England vertreten lässt, schloss, nachdem der Kaiser Rudolph II. im Anfange des 17. Jahrhunderts einen Gesandten an Sultan Abu Fers geschickt hatte, einen Vertrag mittelst des Engländers Shirley; im Jahre 1783 am 17. April, also ungefähr 150 Jahre später (Schweighover, Staatsverfassung von Marokko und Fes), erneuerte es den Vertrag. Zu der Zeit hatte Sidi Mohammed einen Gesandten an Joseph II. geschickt, Namens Mohammed Abd-el-Malek, der mit dem Rath von Jenisch den Vertrag erneuerte und besiegelte. Im Jahre 1815 verpflichtete sich Kaiser Franz gegen Marokko für Venedig einen jährlichen Tribut von 10,000 Sequinen zu zahlen, wozu sich 1765 die Republik verpflichtet hatte. Im selben Jahre jedoch brach Oesterreich jede Verbindung mit Marokko ab, und hörte, wohl von allen europäischen Staaten der erste, auf, Tribut zu zahlen. Oesterreich verwies seine Unterthanen an Spanien. Die vielen Vexationen, die Sultan Abd-er-Rhaman aber gegen Oesterreicher ausübte, zwangen diesen Staat zu einer militärischen Demonstration. 1829 bombardirte der österreichische Admiral Bandierra einige Küstenstädte, aber ohne grossen Erfolg. Unter Dänemarks Vermittelung kam am 12. Februar 1830 ein Vertrag mit Marokko zu Stande, von dem nur bekannnt [bekannt] ist, dass Oesterreich sich nicht zu Geschenken oder Tribut verpflichtete. Die Vertretung blieb Dänemark und später England überlassen.
Mit dem Sultan Sliman hatte im Jahr 1817 Preussen versucht ebenfalls einen Vertrag abzuschliessen, der aber nicht zu Stande kam, und seit der Zeit blieb, wie angeführt, die Vertretung dieses Landes Schweden überlassen. Im Anfange dieses Jahrhunderts hatte denn auch Hamburg versucht, einen Vertrag zu Stande zu bringen, da ein Hamburger Artikel früher wie auch jetzt (wenigstens dem Namen nach), nämlich weisser Kattun, "Amburgese" genannt, sehr gesucht war; auch dieser kam nicht zu Stande; Hamburg liess sich dann später durch Portugal vertreten, und zuletzt mit den übrigen Hansestädten durch England.
1825 schloss Sardinien mit Marokko einen Vertrag und verpflichtete sich, bei jedesmaliger Erneuerung des Consulats 25,000 Frcs. in Geschenken zu erlegen.