Die durch die kleinen italienischen Staaten abgeschlossenen Verträge, von Sardinien (und vordem von Genua), von Toscana, vom Königreich beider Sicilien, wurden 1859 durch einen neu zwischen Gesammt-Italien und Marokko vereinbarten Tractat aufgehoben. Mau hat im letzten Jahre von Differenzen gehört, die zwischen Marokko und Italien ausgebrochen waren. Italien hat ebenfalls ein Generalconsulat in Tanger, und in den meisten Hafenplätzen Agenturen.

Die Niederlande, die am frühesten mit Marokko in Rapport waren, der erste Vertrag wurde am 5. Mai 1684, dann später einer 1692 am 18. Juli (von Du Mont, t. VII.) geschlossen, zahlten jährlich dem Sultan 15,000 Thaler. Schon 1604 hatte Sultan Abu Fers einen Gesandten nach Holland geschickt, der dort starb. Im Jahr 1815 schickte Wilhelm, König der Niederlande, eigens einen General nach Marokko, um dem Sultan zu notificiren, er sei nicht mehr tributär. Die Holländer, heute durch England vertreten, besitzen eines der schönsten Consulatsgebäude in Tanger.

Portugal unterhält wie England, Frankreich und Spanien einen Generalconsul und Ministerresidenten. Seitdem 1769 der Sultan Mohammed Masagan den Portugiesen genommen hat, sind die Beziehungen gut gewesen. Und Portugal ist der einzige Staat, von dem man sagen kann, Marokko behandle ihn auf gleichem Fuss, denn die jährlichen Geschenke, welche der Sultan von Marokko an den König von Portugal schickt, sind allerdings nicht so werthvoll, wie die, welche er empfängt, deuten aber doch die Achtung vor der portugiesischen Macht an.

Selbst die Vereinigten Staaten von Nordamerika konnten dem Tribute nicht entgehen, den fast alle christlichen Staaten die Feigheit begingen, Marokko jährlich zu entrichten. 1795 wurde mit Mulei Sliman ein Vertrag auf 50 Jahre geschlossen, also bis 1845; in diesem verpflichteten sich die Amerikaner zwar nicht zu einer bestimmten jährlichen Summe, indess die Zwangsgeschenke betrugen alle Jahre ungefähr 15,000 Thaler. 1845 wurde eine neue, diesmal für Amerika günstigere Uebereinkunft getroffen. Amerika hat in Tanger ein Generalconsulat.

Brasilien und einige kleinere amerikanische Staaten haben ebenfalls in Tanger und den übrigen marokkanischen Hafenorten Vertretung.

Heute ist die Stellung der europäischen Consuln in Marokko eine ganz verschiedene, aber dennoch ist die Macht derselben weit entfernt von der, welche die christlichen Consuln in der Türkei haben. Für das Innere gelten auch heute alle Verträge und Bestimmungen nicht, sobald sie Europäer betreffen; das Ansehen eines europäischen Consuls ist im Innern gleich Null. Tribut zahlt heute kein einziges Consulat mehr, aber die mehr als königlichen Geschenke, die vor und nach namentlich England und Spanien an Marokko geleistet haben, habe ich selbst bewundern können; und so erfordert es ausserordentliche Klugheit und Gewandtheit für einen Consul mit den Marokkanern zu verkehren. Wenn Fälle wie ehedem auch wohl nicht mehr vorkommen, wo europäische Consuln willkürlich auf ein Schiff gepackt und fortgeschickt wurden[117], falls sie den Marokkanern nicht gefallen, so verweigerte doch 1842 der Sultan dem französischen Consul Pelissier in Mogador das Exequatur, bloss weil es Sr. marrokkanischen Majestät so gefiel. Leon Roche musste von Tanger abberufen werden, weil er zu genau die marokkanischen Interessen und Zustände kannte, und England und Marokko dies nicht dulden wollten. Nach 1844 ist zwar Frankreich ganz anders aufgetreten.

[Fußnote 117: Die marokkanische Regierung kann dies heute schon deshalb nicht mehr, weil sie kein einziges Schiff zur Disposition hat.]

Was Marokko selbst anbetrifft, so hat es nie daran gedacht sich im Auslande vertreten zu lassen, oder aus eigenem Antriebe diplomatische und commercielle Verbindungen mit fremden Mächten anzuknüpfen. Die verschiedenen Gesandtschaften, welche die Regenten Marokko's nach Europa schickten, hatten alle nur den Zweck Geschenke flüssig zu machen und Gelder zu erpressen. Eine möchten wir ausnehmen: die von Mulei Abbes, Bruder des jetzigen Sultans, nach Spanien im Jahre 1860/61. Sie hatte natürlich nicht im Auge Gelder oder Geschenke zu bekommen, es handelte sich darum eine Ermässigung der Entschädigungsgelder für Marokko zu erlangen, und auch diese wurde nicht aus freiem Antriebe entsandt. Spanien hatte ausdrücklich erklärt über diesen Gegenstand nur mit dem Bruder des Sultans im eigenen Lande verhandeln zu wollen. Und Marokko erlitt die Demüthigung, dass, nachdem man Mulei Abbes durch Spanien spazieren geführt hatte, kein Deut von den Kosten erlassen wurde.

An Consuln besitzt Marokko nur einen[118]. Es ist dies der Hadj Said Guesno, der in Gibraltar gewissermassen das ganze Consulatswesen seines Monarchen gegenüber den Christen repräsentirt. Was für eine Art dieser Consul ist, davon kann sich der Leser am besten einen Begriff machen aus dem Briefe eines Freundes in Gibraltar, datirt vom 18. Mai 1871: "Mein marokkanischer College, ein Ex-Slave, jetzt Pantoffelnfabrikant und schwarz wie ein Teufel, würde sehr staunen, wenn ich fragen würde, ob er mir einige Aufklärungen geben könnte über diesen oder jenen Stamm, ob er arabischen oder berberischen Ursprungs sei—er würde mich gar nicht verstehen, erstens weil er über solche Dinge wohl nie nachgedacht hat, und zweitens weil sich sein ganzes Sinnen und Trachten auf seine gelben Pantoffeln concentrirt[119]."

[Fußnote 118: Der ehemals in Genua residirende marokkanische Consul existirt dort seit Jahren nicht mehr.]