[59] Eigentlich hat den Titel Naib nur der Aelteste in der Herrscherfamilie von Arkiko, welche in der ersten Zeit der Türkenherrschaft dorthin verpflanzt wurde. Gewöhnlich nennt sich aber jedes Mitglied der Familie Naib. Der Aelteste steht in officieller Beziehung zur ägyptischen Regierung, welche ihm einen Theil der Einkünfte, welche er von den Küstenbewohnern erhebt, belässt. Diese, die Schoho u.s.w., erkennen den Naib als ihren unmittelbarsten Herrscher an.
[60] Stecker mass einige Tage darauf mit Hypsometer 989 m, mit einem Secretan’schen Aneroid 845 m, mit einem andern Hypsometer 1008 m. In Petermann’s „Mittheilungen“ 1867 hat Taf. 14 3264 engl. Fuss, Taf. 15 3062. Und so geben alle verschiedene Höhen an. Zum Theil liegt das an den verschiedenen Instrumenten, zum Theil am verschiedenen Luftdruck. Es ist daher auch unserer unmassgeblichen Meinung nach ganz überflüssig, auf solchen Reisen Quecksilberbarometer mitzunehmen, da dieses so leicht zerbrechliche und so oft in Unordnung gerathende Instrument täglichen Gefahren ausgesetzt ist. Denn ein absolut sicheres Höhenresultat ist nach ein- und selbst nach mehrmaliger Messung mit dem Quecksilberbarometer auch nicht zu haben. Der Luftdruck wechselt, je nach den Jahreszeiten, mehr oder weniger täglich, ganz abgesehen von den oft kolossalen, durch die Witterung hervorgebrachten Schwankungen. So findet ein Entdeckungsreisender z.B. bei Besteigung eines Berges das Quecksilberbarometer auf 495 mm, also die Höhe des Berges zu 3424,7 m, und zu Haus berechnet er sich mit den Tafeln und mit Zuhülfenahme des Thermometerstandes und der Wärme des Barometers selbst die Höhe noch um einige Meter genauer. Nun meint er ganz genau die Höhe des Berges gefunden zu haben. Mit nichten! Bestieg er den Berg zu einer andern Tageszeit, so fand er, dass das Quecksilberbarometer bei einem Stande von 496 die Höhe von 3408,6 m ergab, zu einer andern Jahreszeit bei 490 mm die Höhe des Berges zu 3505 m und hielt diese nach genauer Nachrechnung für ebenso sicher, er hatte ja ein Quecksilberbarometer mit sich! Da aber der nach den Jahreszeiten verschiedene Luftdruck an Einem Tage wechselt, so gibt eine Quecksilberbeobachtung keineswegs ein sichereres, sondern nur ein relativ besseres Ergebniss als ein mit Aneroid und Hypsometer erhaltenes. Nur wenn man von dem Luftdruck der betreffenden Oertlichkeit ganze Jahresmittel hat, kann man durch das Barometer ein genaues Resultat gewinnen. Ein sicheres Ergebniss liefert nur die relative Höhenmessung mit einem Quecksilberbarometer. Gesetzt den Fall, der Reisende geht aus von 740 mm, befindet sich also auf 212 m Höhe und findet beim Ersteigen eines Berges das Barometer 720 mm, also 431 die Höhe, so kann er schliessen, falls bei öfterer Besteigung immer dieselbe Millimeterdifferenz sich ergibt, dass die relative Höhe richtig ist, also die Berghöhe 219 m. Bei anderm Barometerstande, beim Abgang z.B. 738 mm, beim Gipfel 718 mm, entsteht dasselbe Resultat, nämlich 219 m Höhe. Während des Aufstiegs könnten aber schon barometrische Schwankungen vorkommen. Dieses, sowie öfteres Besteigen und Inbetrachtziehen aller Verhältnisse würden aber doch zu einer richtigen relativen Höhe führen.
[61] „Ausland“, 1870, S. 117.
[62] Mit Munzinger.
[63] „Ausland“, 1870, S. 117.
[64] Beke in seinem „The British Captives in Abyssinia“, S. 192, sagt in einer Fussnote: „in page 77 of a work published in 1860, entitled: ‚Notes from the Journal of F. M. Flad, one of Bishop Gobat Pilgrim Missionaries‘, is the following note: – ‚by Englishman an Abyssinian understands not an English subject, but a Protestant as distinct from a Frenchman, by which he understands a Roman Catholic.‘ On this I must remark, that it is not so much the Abyssinians themselves, who understand the expression ‚Englishman‘ in that sense, as it is the Germans under English protection, who wish them so to understand it. The character of England, as a nation, has not been raised thereby in the estimation of the natives; for they say, that the ‚Englishmen‘, who formerly visited their country, were independent persons, who by travelling in Abyssinia benefited the princes and the inhabitants, whereas they are now poor persons who come to work in their service and get their living at their expense.“ Wir haben dem hinzuzufügen, dass die Missionare, einerlei ob Engländer oder Deutsche, alle gut bezahlt gewesen sind, also den Abessiniern gegenüber nicht „poor persons“ genannt werden können. Damit soll indess keineswegs entschuldigt werden, dass sie es mit ihrer Missionsthätigkeit als Protestanten für nothwendig erachteten, wenn sie Deutsche waren, sich Engländer zu nennen. Ein politisches Deutschland gab es zu der Zeit allerdings nicht, und die meisten protestantischen Missionare standen in englischen Diensten oder hatten sich gar zu Briten naturalisiren lassen. Wenn aber in Abessinien heute noch die Begriffe französisch und katholisch sich decken, so weiss man recht gut, dass nicht blos die Engländer Protestanten sind, sondern auch die Preussen (Deutschen) und die Schweden.
[65] So hatten z.B. vor 1866 die hanseatischen Generalconsuln und Consuln in Aegypten (und wahrscheinlich überall) die Instruction, in jeder Weise sich nicht vom preussischen Vertreter beim Repräsentiren verdunkeln zu lassen. Und da zu der Zeit die preussischen Consuln und Generalconsuln aufs ärmlichste besoldet wurden, die hanseatischen aber stets reiche Kaufleute waren, so standen erstere thatsächlich hinter letztern zurück. Namentlich in Aegypten, wo man zu jener Zeit die Macht eines Landes abwog nach dem Glanze, den der bezügliche Vertreter entfaltete, besonders wenn es sich um so nebelhafte Länder handelte, wie Hanseatien und Preussen es waren.
[66] Aehnlich so sprach sich mir gegenüber der Negus aus.
[67] Die Niederlande sind so machtlos, dass die Mörder der Tinne, welche in Tripolis sich zeigten, vom niederländischen Generalconsul nicht ergriffen werden konnten. Eine Genugthuung und Bestrafung der Schuldigen ist nie erfolgt.
[68] Wenn Bogos und Mensa jetzt auch ägyptisch sind, so betrachtet der Negus Negesti doch diese Provinzen und die Bewohner als abessinisch.