[89] Die christlichen Abessinier tragen um den Hals eine blauseidene, gedrehte Schnur, die man auf den Märkten der Städte kauft.
[90] Mein Gewährsmann behauptete, dass die mohammedanischen Mädchen einer solchen Operation nicht unterworfen seien. Bei den christlichen Abessinierinnen wird sie aber allgemein ausgeführt, weil sonst, so behaupten die Eingeborenen, dieser Theil zu einer ganz aussergewöhnlichen Länge anwüchse.
[91] Kusso, bot. Brayera, ist das bekannte Anthelminticum.
[92] Brondo ist der abessinische Ausdruck für rohes Ochsenfleisch.
[93] Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch einmal hervorheben, dass man die Einwohnerzahl Afrikas stets viel zu hoch schätzt. Ich selbst that das früher bezüglich Marokkos. Ich möchte aber glauben, dass dieses Land nicht mehr Einwohner als Algerien hat, weil die Bedingnisse für Hervorbringung einer Bevölkerung dort nicht so günstig sind wie in Algerien. So las ich kürzlich, um ein anderes Beispiel anzuführen, in dem „Archivio statistico“ von Brunialti: Afrika habe 500000 Juden! Ganz sicher scheint mir nur Algier zu sein mit 34000, annähernd richtig Tunis mit 60000, und Aegypten mit 8000 Juden. In Marokko zählt Brunialti 200000, in Wirklichkeit sind es aber wol nicht mehr als 60000. Sogar diese Zahl, selbst die Draa- und Tafilet-Juden mitgerechnet, dürfte schon übertrieben sein. Wie aber Herr Brunialti in Tripolis 100000 ansetzen kann, ist ganz unbegreiflich. Ich glaube, dass kaum 10000 Juden für Tripolitanien herauskommen. Denn wo stecken sie? Tripolis, Mesrata, Derna, Bengasi, Sliten sind die einzigen Städte mit Juden, und diese Städte haben, Mohammedaner und Christen einbegriffen, zusammen noch nicht einmal 70000 Einwohner. Nach meiner Schätzung würden also nur ca. 172000 Juden in Afrika sein.
[94] Raffray, S. 184 seines „Abyssinie“ sagt: „Socota est située à environ 2500 m d’altitude etc.“, und etwas weiter: „La population peut être évaluée à 4000 habitants au moins.“
[95] Das heisst Perlhühner sind nicht verboten. Das von Wildthieren Verbotene ist ihnen ganz genau vorgeschrieben. Hasen, Wasservögel z.B. dürfen sie nicht geniessen. Schweine werden in einigen Gegenden gegessen, in andern nicht.
[96] Man sagt im Tigrischen Takase, im Amharischen Takasiëh. Die Schreibweise Takazeh oder Takazzeh, für Franzosen ganz berechtigt, lässt sich im Deutschen durch nichts motiviren; Takaseh ist linguistisch ebenso richtig wie Takase.
[97] Stecker wollte sich auch die Mühe nehmen, die Geschwindigkeit des Takase zu messen. Aber wozu kann das dienen, da vielleicht 5 m oberhalb der Strom zehnmal so schnell fliesst, 10 m unterhalb aber stillzustehen scheint? Es gibt einem Berichte allerdings einen sehr gelehrten Anstrich, wenn es heisst: Ich fand den Takase so und so geschwind fliessend. Oft wird dabei noch vergessen, die Stelle zu bezeichnen, wo gemessen wurde, aber das schadet nichts: das Laienpublikum glaubt dann, dem betreffenden Fluss im allgemeinen die vom Reisenden gefundene Geschwindigkeit vindiciren zu können. Dem Bericht aber, je genauer die Zahl ist, gibt es einen um so wissenschaftlichern Anstrich. Und wenn dann später andere Reisende bei ganz anderm Wasserstand andere Resultate liefern, gibt dies wol gar Veranlassung zu gelehrten Controversen!
[98] Im Orient heissen die Deutschen jetzt nach Wiederaufrichtung des Deutschen Kaiserreiches nicht Nemsaui, sondern Prussiani oder Brussiani. Der Name Nemsaui, von Nemsa, ist ein aus dem Slawischen genommenes, von allen Orientalen adoptirtes, auf Oesterreich und die Deutsch-Oesterreicher übergegangenes Wort. Es bedeutet die Stummen. Und in der That, im Gegensatz zu den Franzosen und Abessiniern hat man eigentlich vollkommen recht, die Deutschen die Stummen zu nennen, mehr aber vielleicht noch die Engländer, denn diese übertreffen die Deutschen noch bedeutend an Schweigsamkeit. In officiellen Schreiben geben die Orientalen Deutschland durch Germania, Germanie, Allemagne wieder, aber das Volk kennt nur Prussia und Prussiani.