Westlich von der Altstadt findet sich nun ein Ruinenfeld, welches fast bis nach Choms hinreicht. Von diesem Ort ausgehend, stösst man auf einen fast 50' hohen Obelisken, aus Sandstein erbaut, gut erhalten, der wahrscheinlich ein Grab ziert. Die zahlreichen Grundmauern 108von Privatwohnungen und einige öffentliche Gebäude deuten an, dass hier eine „Neustadt“ war; eine Mauer scheint dieselbe nicht umgeben zu haben.
Aus den Beschreibungen der Alten geht übrigens hervor, dass Leptis wenigstens vor der Römerherrschaft schlechtweg den Namen Neapolis führte. Nach Sallust von den Sidoniern gegründet, welche Unruhen halber ausgewandert waren, entstand die Stadt unter dem Namen Leptis an dem Orte, wo wir die jetzigen Ruinen vor uns haben, ungefähr zur Zeit als Cyrene schon aufgehört hatte, von Königen regiert zu werden, sich aber zu einer Republik constituirt hatte.
Scylax kennt die Stadt dann nur unter dem Namen Neapolis und Strabo und Ptolemäus schreiben, „Neapolis auch Leptis genannt“. Unter den Römern erhielt sie den einheimischen Namen zurück, und wurde magna genannt, im Gegensatz zu Leptis bei Carthago.
Leptis magna musste eine sehr reiche Stadt sein, da sie, wie Livius anführt, täglich ein Talent Silber als Abgabe an Carthago zahlte. Im Kriege der Römer mit Jugurtha hielt sie zu ersteren, wurde daher sehr begünstigt und erhielt die Rechte und Begünstigungen einer Colonie, als solche kennen sie Plinius und Ptolemäus noch nicht, auf den Peutinger'schen Tafeln ist sie aber als Colonie gezeichnet.
Kaiser Severus that ausserordentlich viel für die Stadt, aber bei dem Einbruche der Ausurianer ging sie 109fast ganz zu Grunde, und der spätere theilweise Wiederaufbau unter Justinian vermochte ihr ihre alte Blüthe nicht wieder zu geben. Im siebenten Jahrhundert fiel sie dann ein Opfer der hereinbrechenden Araber, um nicht wieder von ihren Ruinen und den sie deckenden Sanddünen zu erstehen.
Die eigentliche spätere Neustadt befand sich indess auf dem rechten Ufer des Lebda durchschneidenden Flusses, und hat einen sehr ausgedehnten Umfang, auch ist noch überall die Grundmauer ihrer Umgebung deutlich wahrzunehmen. In späteren Zeiten war sie indess wohl der Hauptsitz der Bevölkerung, da Septimus Severus seinen Palast sich dort erbaute. Gleich östlich von diesem Stadttheile zieht sich dann die Nekropole nach SO. hin, von der Wasserleitung durchschnitten, welche im Hafenquai selbst mündete.
Das besterhaltene Denkmal ist der Hippodrom von Leptis magna, und für eine Provinzialstadt war er sicher einer der grössten und prächtigsten[16]. Ganz am Ostende aller Baulichkeiten von Lebda gelegen, zieht er sich dicht am Meere hin, derart, dass die eine Wand durch das Ufer, also natürlicherweise, gebildet wird, während die andere der ganzen Länge nach durch einen grossartigen Steinbau, welcher zugleich das Meer abhält, begrenzt wird.
Das ganze Stadium ist derart angelegt, dass auf eine innere Länge von 550 Schritten das Westende mit einem 110Tempel anfängt, dessen mächtige Grundmauern noch erhalten sind. Von diesem Tempel bis zur Spina sind 200 Schritte: es war dies der Raum zum Ablaufen, Aphesis genannt. Die Spina selbst, überall 5 Schritte breit, beginnt mit einem Rundtempel, halben Durchmessers, aber nur die Basis dieses Tempels, durch einen Zwischenraum von der Spina getrennt, ist noch vorhanden. In der Mitte der Spina befand sich ein anderer Tempel, 120 Schritte vom ersten entfernt. Ueberhaupt haben beide Häfen einen wahrscheinlich überdachten Säulengang gehabt, wenigstens finden sich überall die Spuren eines Säulenganges, sowie zahlreiche Säulenüberreste. Beide Hälften der Spina sind mit Durchgängen versehen. Dem Rundtempel gegenüber befindet sich am andern Ende der Taraxippos, oder das Umkehrzeichen, in Form eines Halbkreises von der Spina getrennt. Der Hippodrom scheint mit keiner Rundung abgeschlossen zu haben, aber auf der äussersten östlichen Wendung, wo die künstliche Mauer mit dem natürlichen Erdwall, der auch steinerne Sitze hatte, zusammenstösst, befindet sich ein solides pyramidenartiges Gebäude, das vielleicht eine Statue trug.
Gleich südlich vom Stadium erhob sich das Amphitheater, es ist aber nichts weiter davon übrig, als die kreisrunde Einsendung in den Boden, welche theils natürlich, theils künstlich ist.
111Ich habe mich darauf beschränkt nur eine allgemeine Uebersicht der Topographie der Stadt zu geben, da mit Ausnahme des Hippodroms eine Beschreibung der einzelnen Gebäude, ohne sie vorher vom Sande befreit zu haben, unmöglich wäre. Beim Photographiren der Basilika hatte ich indess noch das Glück, eine Inschrift zu entdecken, die, wenn auch nicht von besonderem Interesse, doch neu ist; auch konnte ich mehrere Gemmen kaufen, sowie einige Münzen. Hamed Bei hatte sogar die Freundlichkeit, mich auf einen nahe liegenden Berg führen zu lassen, wo er eine Inschrift entdeckt hatte.