Robert: Wie man’s nimmt. Sie sind mehrere Tage bei uns und denken noch immer nicht an’s Abreisen.

Auguste: So’n Gerede!

Frau Scholz: Das hört nich auf! (schüttelt verzweifelt den Kopf).

Robert (mit brutaler Heftigkeit): Na Mutter, ist es etwa nicht wahr? — Hat es bei uns irgend ein Fremder je länger als einen halben Tag ausgehalten? — haben sie sich nicht alle von uns zurückgezogen, Nitzssches, Lehmann’s . . . .?

Auguste: Als ob wir auf fremde Leute angewiesen wären. — Meinswegen! wir sind uns selber genug . . . .

Robert: Ja, vollauf wirklich: (brutal im Ton) ich saaage Ihnen, Frau Buchner! in Gegenwart wildfremder Menschen kamen sie sich derart in die Haare, daß die Fetzen flogen. Die Mutter riß das Tischtuch herunter, der Vater zerkeilte die Wasserflasche. — Heiter! nicht? — heitre Scenen, heitre Kindheitseindrücke!?

Auguste: Du solltest Dich verkriechen vor Scham, gemeiner Mensch! (schnell ab.)

Frau Scholz: Siehst Du nu? daran bin ich nu seit Jahrzehnten, seit Jahrzehnten gewöhnt! (ab in Bewegung.)

Robert (unbeirrt fortfahrend): Kein Wunder allerdings. Ein Mann von vierzig heirathet ein Mädchen von sechzehn und schleppt sie in diesen weltvergessenen Winkel. Ein Mann, der als Arzt in türkischen Diensten gestanden und Japan bereist hat. Ein gebildeter, unternehmender Geist. Ein Mann, der noch eben die weittragendsten Projekte schmiedete, thut sich mit einer Frau zusammen, die noch vor wenigen Jahren fest überzeugt war, man könne Amerika als Stern am Himmel sehen. Ja wirklich! ich schneide nicht auf. Na und darnach ist es denn auch geworden: ein stehender, fauler, gährender Sumpf, dem wir zu entstammen das zweifelhafte Vergnügen haben. Haarsträubend! Liebe — keine Spur. Gegenseitiges Verständniß — Achtung — nicht Rühran — und dies das Beet, auf dem wir Kinder gewachsen sind.

Frau Buchner: Herr Robert! ich möchte Sie recht sehr bitten . . . .