Robert: Ich begreife garnicht, was das heißen soll! Aussöhnen?! mit was will er sich denn aussöhnen? Ich verstehe so was garnicht. Wir verstehen uns doch sonst untereinander so ziemlich, wir Geschwister. Das ist mir ganz neu. Ich habe ihm nichts vorzuwerfen. Andererseits sind Thatsachen nicht zu vertuschen. — Ich frage Sie: Glauben Sie, daß ich besondere Hochachtung vor meinem Vater empfinde —? Nicht wahr? nein —? Oder lieb’ ich ihn vielleicht? — Empfinde ich vielleicht kindliche Dankbarkeit? — Nun sehen Sie, zu alledem habe ich auch nicht den mindesten Grund. Wir sind uns gegenseitig zeitlebens im besten Falle Luft gewesen. — Zu Zeiten, als wir uns gegenseitig für unser Unglück verantwortlich machten, haben wir uns sogar geradezu gehaßt. — Nun, zwischen Vater und Wilhelm ist dieser selbe Haß ausgeartet. Das ist mir durchaus begreiflich. Wenn ich nicht wie Wilhelm verfahren bin, so ist das vielleicht Zufall. Also, ich habe nichts gegen ihn, — notabene, wenn ich ihn nicht sehe. Seh’ ich ihn aber, dann geht alle meine Ueberlegung zum Teufel, dann bin ich etwas . . . . etwas . . . . na, wie soll ich sagen? dann . . . . dann seh’ ich eben nur den Menschen, der meinem Vater — nicht seinem, sondern meinem Vater — in’s Gesicht geschlagen hat.
Frau Buchner: O du großer Gott!
Robert: Und da steh’ ich für garnichts ein, durchaus für garnichts.
Frau Buchner: O du großer Gott! das also ist es. — Geschlagen, sagten Sie? — in’s G—esicht? — seinen eignen Vater?
Robert: Na item. —
Frau Buchner (halb von Sinnen): O du großer Gott! o du großer Gott! aber — dann . . . . dann kann ich ja . . . . dann muß ich ja auf der Stelle mit Ihrem guten, alten Vater reden, dann . . . .
Robert (tief erschrocken): Mit wem?
Frau Buchner (halb weinend): Mit Ihrem guten, alten, armen, gemißhandelten Vater.
Robert (sucht sie festzuhalten): Um Himmelswillen, mit wem wollen Sie . . . .?
Frau Buchner: Lassen Sie mich! ich muß, muß. (ab durch den Treppenausgang.)