Ida (Ihre Augen stehen voll Thränen, die sie trocknet. Bleich und erschüttert starrt sie einige Augenblicke auf Wilhelm hin, dann küßt sie still weinend seine Stirn).
Wilhelm: Du — Barmherzige.
(Man hört die Stimme des Doktors von der Treppe her.)
Wilhelm: Und nun, — wenn je! (Er rafft sich auf, Ida küßt ihn nochmals. Er hat krampfhaft ihre Hand gefaßt. Wie die Stimme des Doktors schweigt, hört man fröhliches Gelächter aus dem Nebenzimmer.)
Wilhelm (mit Bezug auf das Lachen, wie auch auf das Kommen des Doktors, den man die Treppe herunter steigen hört.): Ihr habt eine wunderbare Macht! (Ein Händedruck beiderseitiger Ermuthigung, dann trennt sich Ida von Wilhelm. Bevor sie abgeht, kehrt sie noch mal um, faßt Wilhelms Hand und sagt:) Sei tapfer! (ab.)
Dr. Scholz: (noch auf der Treppe.) Ä! großer Unsinn! . . . . rechts Friebe! — ä! Ellbogen . . . . nicht halten, nicht halten! Donnerwetter!!!
Wilhelm (je weiter der Doktor herunterkommt, um so aufgeregter erscheint Wilhelm. Seine Farbe wechselt oft, er fährt sich durch die Haare, athmet tief, macht die Bewegungen des Klavierspielens mit der Rechten etc. Hierauf ist deutlich wahrzunehmen, wie Strömungen für und wieder in ihm kämpfen, — wie er in seinem Entschluß wankend wird. Er scheint fliehen zu wollen, da bannt ihn das Hervortreten des Doktors. Er hat eine Stuhllehne gefaßt, um sich zu stützen und steht zitternd und bleich da. Der Doctor ist ebenfalls, zu seiner vollen imponirenden Größe aufgerichtet stehen geblieben und mißt seinen Sohn mit einem Blick, der nacheinander Schreck, Haß und Verachtung ausdrückt. Es herrscht Stille; Friebe, der den Doctor stützend und ihm vorleuchtend ebenfalls eingetreten in, benützt dieselbe, um sich davonzuschleichen, ab in die Küche. Wilhelm scheint einen Seelenkampf physisch durchzuringen. Er will reden, die Kehle scheint ihm zu versagen, es kommt nur zu lautlosen Bewegungen der Lippen. Er nimmt die Hand von der Stuhllehne und schreitet auf den Alten zu. Er geht unsicher, er taumelt, er kommt in’s Wanken, steht, will auf’s Neue reden, vermag es aber nicht, schleppt sich weiter und bricht die Hände gefaltet, zu des Alten Füßen nieder. In des Doctors Gesicht hat der Ausdruck gewechselt: Haß, Staunen, erwachendes Mitgefühl, Bestürzung.)
Dr. Scholz: Junge . . . . mein lieber Junge! mein . . . . (er sucht ihn bei den Händen zu erheben.) Steh, doch nur — auf! . . . . (er faßt Wilhelm’s Kopf, der schlaff hängt, zwischen beide Hände und kehrt ihn sich zu.) Sieh’ mich . . . . Junge . . . . sieh’ mich doch ’mal — an. Ach, was ist denn — mit . . . .?
Wilhelm (bewegt die Lippen).
Dr. Scholz (mit bebender Stimme): Was . . . was . . . sagst Du zu mir? ich . . .