Frau Buchner: Ich komme zu Ihnen, Wilhelm! — ich sage Ihnen offen . . . . es ist auf einmal so über mich gekommen. — Ich sorge mich auf einmal so entsetzlich um Ida.

Wilhelm: Ich muß gestehen . . . . . . nur gerade jetzt — —

Frau Buchner: Ich weiß ja, Sie lieben das Kind. Es kann sie ja auch Niemand inniger lieben! — Ich weiß, Sie werden mit allen Kräften streben, meine Tochter glücklich zu machen. An Ihrem Willen wird es nicht fehlen, aber nun . . . . nun habe ich so mancherlei . . . . nun habe ich so viel gesehen hier und — erfahren. Da ist mir vieles . . . . . vieles von dem, was Sie mir früher gesagt haben, erst verständlich geworden. Ich verstand Sie nicht. Ich hielt Sie für einen Schwarzseher. Ich nahm Vieles gar nicht einmal Ernst. Mit einem festen, frohen Glauben kam ich hierher. Ich schäme mich förmlich. Was habe ich mir zugetraut! Solche Naturen wollte ich lenken, ich schwache, einfältige Person! — Nun wankt Alles. Ich fühle auf einmal meine furchtbare Verantwortung: für mein Kind, für meine Ida bin ich doch verantwortlich. Jede Mutter ist doch verantwortlich für ihr Kind. Reden Sie mir zu, Wilhelm! sagen Sie mir, daß Alles noch gut werden wird! Sagen Sie mir: wir werden glücklich! —: Sie und Ida. Beweisen Sie mir, daß ich unnütz Furcht und Sorge habe, Wilhelm! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Wilhelm: Warum — haben Sie’s — soweit — kommen lassen? — Ich habe Sie gewarnt — und gewarnt. Was habe ich Ihnen gesagt? ich habe gesagt: wir Alle . . . . wir Geschwister . . . . daß wir unheilbar kranken . . . . . vor allem ich . . . . daß wir an uns schleppen. — Binden Sie Ihre Tochter nicht an einen Krüppel, — habe ich Ihnen gesagt. — Warum haben Sie mir nicht glauben wollen?

Frau Buchner: Ich weiß nicht. Ich weiß das selbst nicht.

Wilhelm: Nun haben Sie mich eingeschläfert, mein Gewissen beschwichtigt, — und jetzt — halb toll bin ich geworden vor Glück. — Ich habe Augenblicke durchlebt — durchkostet —! und auch andere wieder . . . . . . Die furchtbarsten Kämpfe meines Lebens — und nun — verlangen Sie . . . . nun man muß zusehen, — vielleicht, ja vielleicht . . . .

Frau Buchner: Wilhelm! ich verehre Sie! — ich weiß, daß Sie am Ende doch jedes Opfer bringen. Aber Ida . . . . wenn es für sie zu spät ist . . . . wenn sie daran zu Grunde geht!

Wilhelm: Warum haben Sie mir denn nicht glauben wollen? — Sie wissen nicht — was mich das jetzt kostet. Stufe um Stufe mühsam gebaut habe ich mir — ach, so mühsam! so mühsam! . . . Dies Haus hier lag hinter mir. — Gerettet war ich fast. — Nun hat es mich wieder hereingerissen . . . Warum mußten Sie es nur so weit kommen lassen? warum . . . . . .

Frau Buchner (unter Thränen): Ich weiß nicht! ich weiß das selbst nicht! ich habe das Kind erzogen. Es ist mir Alles in Allem gewesen; an seinem Glück zu arbeiten ist auf der Welt mein’ einziger Beruf gewesen. — Nun kamen — Sie in unser Haus. — Ich gewann Sie lieb. — Ich dachte auch an Ihr Glück, ich . . . . . Das hätte ich vielleicht nicht thun sollen . . . . Ich dachte vielleicht eben so sehr an Ihr Glück — und — wer weiß? — am Ende — zu — allermeist — an — Ihr Glück (einen Augenblick lang starren Beide einander bestürzt in die Augen).

Wilhelm: Frau Buchner!!!