Schilling:
Frage, wo du mich nicht belogen hast! Ich gebe ja zu, daß es für eine Frau, wie dich, für eine so geniale Frau nicht immer so absolut leicht ist, Lüge von Wahrheit zu unterscheiden. Aber laß das! Erpresse mir diese bittren Bekenntnisse nicht! — Es ist nicht schön, wenn die Leute abrücken; glaube mir, es war kein erhabener Moment, als mir der erste den Rücken kehrte — dann der zweite, der dritte, der vierte Schlaukopf im Künstlerklub. Das ist keine spaßhafte Überraschung, die einem da widerfahren ist! Aber Teufel, was wäre mir schließlich das!? Auch daß ihr beide, dein Herr Gemahl und du, mich in eure östliche Schmutzfinkenwirtschaft eingewickelt habt, in eure kaltblütig vorher abgekartete Trennungskomödie, ist es nicht! Eure Vorurteilslosigkeit ließ das erwarten. Was aber hernach deine wunderbare Liberalität gegen deine Landsleute dir tatsächlich noch möglich machte, das zu berühren fehlt mir der Handschuh auf der Hand.
Hanna:
Verleumdung!
Schilling:
Richtig! (Er zündet die ausgegangene Zigarre wieder an und sagt kalt, mit verändertem Ton): Sag mal, Hanna, wann wirst du abreisen!
Ihn überkommt nun plötzlich eine auffallende Gleichgültigkeit. Er läßt sich auf das Sofa fallen, pafft, und scheint sich ausschließlich seiner Zigarre zu widmen. Hanna dagegen schreitet nun erregt im Zimmer umher.
Hanna:
Dies ist, wie mir scheint, hier ein Gasthaus für jedermann, der die Zeche nicht schuldig bleibt! — Ich werde reisen, wann mir's beliebt. — Ich werde keinesfalls vor dem morgenden Tage abreisen! — Schon deshalb nicht; ich habe eine Freundin aus Rußland mit und kann mich unmöglich lächerlich machen.
Schilling: