Loth. Du redst wie der Blinde von der Farbe.
Dr. Schimmelpfennig. Was ich mir für das bischen Rausch koofe! Lächerlich. Daraus eine lebenslängliche Ehe zu bauen .... da baut man noch nicht mal so sicher als auf’n Sandhaufen.
Loth. Rausch — Rausch — wer von einem Rausch redet, — na! der kennt die Sache eben nicht. ’N Rausch ist flüchtig. Solche Räusche hab ich schon gehabt, ich geb’s zu. Aber das ist was ganz Anderes.
Dr. Schimmelpfennig. Hm!
Loth. Ich bin dabei vollständig nüchtern. Denkst Du, daß ich meine Liebste so — na, wie soll ich sagen?! — so mit ’ner — na, wie soll ich sagen?! mit ner großen Glorie sehe? Gar nicht! — Sie hat Fehler, ist auch nicht besonders schön, wenigstens — na, häßlich ist sie auch gerade nicht. Ganz objectiv geurtheilt, ich — das ist ja schließlich Geschmackssache — ich hab’ so’n hübsches Mädel noch nicht gesehen. Also, Rausch — Unsinn! Ich bin ja so nüchtern wie nur möglich. Aber, siehst Du! das ist eben das Merkwürdige: ich kann mich gar nicht mehr ohne sie denken — das kommt mir so vor wie ’ne Legirung, weißt Du, wie wenn zwei Metalle so recht innig legirt sind, daß man gar nicht mehr sagen kann, das ist das, das ist das. Und alles so furchtbar selbstverständlich — kurzum, ich quatsche vielleicht Unsinn — oder was ich sage, ist vielleicht in Deinen Augen Unsinn, aber so viel steht fest: wer das nicht kennt, ist ’n erbärmlicher Frosch. Und so’n Frosch war ich bisher — und so’n Jammerfrosch bist Du noch.
Dr. Schimmelpfennig. Das ist ja richtig der ganze Symptomen-Complex. — Daß Ihr Kerls doch immer bis über die Ohren in Dinge hineingerathet, die Ihr theoretisch längst verworfen habt, wie zum Beispiel Du die Ehe. So lange ich Dich kenne, laborirst Du an dieser unglückseligen Ehemanie.
Loth. Es ist Trieb bei mir, geradezu Trieb. Weiß Gott! mag ich mich wenden, wie ich will.
Dr. Schimmelpfennig. Man kann schließlich auch einen Trieb niederkämpfen.
Loth. Ja, wenn’s ’n Zweck hat, warum nicht?