Aus Paris hat der Kaiser gestern sehr zufrieden stellende Nachrichten erhalten, da das Cabinett ganz in seine Ansicht eingeht... Der Kaiser sagte mir soeben, daß er indirekte Nachrichten aus London habe, die immer mehr das Anschließen des englischen Cabinetts an das russische für die orientalischen Verhältnisse bestätigen[26]. Die offiziellen Mitteilungen erwartet er täglich. Aus Constantinopel wird geschrieben, daß Herr v. Ottenfels sich zur Abreise rüste oder abberufen sei; der wahre Zusammenhang sei nicht klar. Auch der holländische Gesandte in Constantinopel hat Schiffe zu seiner Abreise gemietet.

St. Petersburg, 20. Februar/3. März 1828.

Vor einigen Posttagen benachrichtigte ich Sie von der Äußerung des Kaisers, daß der Marsch der Garde binnen Kurzem erfolgen könne und setzte ich hinzu, daß mir dazu noch keine Veranstaltungen getroffen zu sein scheinen. Gestern jedoch sagte er mir, daß die Ordres zur Mobilmachung der Garde in der Ausfertigung begriffen seien und binnen wenig Tagen publiciert werden würden... Die Mobilmachung soll höchstens in 6 Wochen beendigt sein. Auf meine Bemerkung, daß mir der Kaiser vor 6 Wochen ungefähr sagte, er würde die Garden marschieren lassen, falls ein Nachschub durch den Gang des Krieges erforderlich sei — wie dies jetzt mit diesem frühzeitigen Marsch derselben zu vereinbaren sei, wiederholte er, daß die Distance dies erforderte, indem die Garden doch erst im September an der Donau eintreffen würden und daß es jedenfalls sehr gut sei, eine solche Reserve à tout événement bereit und in Bewegung zu haben. Bis heute ahndet noch Niemand in Petersburg diese Maßregel und wird natürlich sie bei ihrem Erscheinen im Auslande viel Lärm machen, daher ich mich beeile, Sie davon in Kenntnis zu setzen.

Der famose Hatischeriff[27] sehe ich, ist auch nun in Berlin bekannt; der Kaiser ist sehr aufgebracht über die Sprache, die dieses Aktenstück über Rußland führt und namentlich über die Stelle, wo die Pforte erklärt, daß alle Nachgebungs-Demarchen und namentlich das Einwilligen in die Forderungen zu Akkerman nur geschehen seien, um Zeit zu gewinnen, um die Rüstungen und die Reorganisation der Armee zu bewerkstelligen. Zugleich sieht der Kaiser diesen Hatischeriff als eine Herausforderung an die ganze Christenheit und namentlich an Rußland (an), so daß nun wohl nichts mehr den Bruch verhüten kann. In diesem Sinne sind auch die letzten Couriere nach Paris und London abgefertigt worden.

Die letzten Nachrichten aus Persien lauten sehr erfreulich. Die feindlichen Kräfte, welche sich bei Maralega sammelten, sind auf die Nachricht des Vormarsches der russischen Truppen auseinander gelaufen. Die russische Avant-Garde, die während der Unterhandlungen schon in Mijana stand, hatte von dort aus ihren Marsch sogleich vorwärts gegen Zangan angetreten, hat also einen bedeutenden Vorsprung.

Soeben sagt mir der Kaiser, daß die Garden heute die Marsch-Ordre erhalten haben und gegen den 1./13. April abmarschieren sollen...

St. Petersburg, 25. Februar/3. März 1828.

Gestern Abend kamen wiederum gute Nachrichten aus Persien; der Marsch der russischen Truppen hat so auf den Schah gewirkt, daß er sogleich die Abzahlung der Contribution befohlen hat, welche auch bereits ganz bis Zangan gekommen sein soll; 45 Millionen Papier-Rubel, woselbst der russische Commissar aufgefordert wurde, zu seiner eignen Überzeugung irgend einen Sack zu öffnen, um sich zu versichern, daß keine Betrügereien obwalten. Der geöffnete Sack ist auch voller Geld gefunden worden. Außerdem hat sich Ardebil, wo das linke Seitendetachement stand, ohne Schwertstreich ergeben... Wo die Unterhandlungen angeknüpft werden sollen, ist nicht entschieden, indem der dazu geeignetste Ort Mijana durch eine dort einheimische giftige Wanze, welche nur Ausländer sticht und oft tötet, nicht sehr angenehm aus diesem Grunde erscheint. Die Sterblichkeit unter den russischen Truppen ist unglaublich in Persien. Aus London sind Nachrichten gekommen, die aber (noch) immer keine Antwort brachten auf die an Fürst Lieven gegebenen Instruktionen, indem das englische Ministerium völliges Stillschweigen beobachtet. Aus Paris sind dagegen die Mitteilungen stets erfreulicher und anschließender. Der Kaiser hofft, daß der Hatischeriff in London vielleicht noch gut wirken wird; aber wenn auch nicht, so ist der Plan und Wille des Kaisers unabänderlich derselbe.

St. Petersburg, 27. Februar/10. März 1828.